Bei der Bewerbung ist es wie beim Date: Der erste Eindruck entscheidet und kann nur schwer korrigiert werden. Damit in Zukunft nichts mehr schiefgeht, geben Experten wichtige Tipps.

Haltern

, 06.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Vom Lesen der Stellenausschreibung bis zum ersten Arbeitstag im neuen Unternehmen ist es oft ein weiter Weg. Doch auch dieser beginnt immer mit dem ersten Schritt: Mit einer Bewerbung, die den jeweiligen Personaler im besten Fall richtig beeindruckt - oder ihn zumindestens neugierig macht. So oder so, Ziel sollte es sein, eine Einladung zum Vorstellungsgespräch zu erhalten. Doch wie hinterlässt man einen bestmöglichen ersten Eindruck?

„Bei uns beginnt der Bewerbungsprozess bereits rund ein Jahr vor Ausbildungsbeginn“, sagt Helmut Kanter, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Haltern. Neben entsprechenden Schulnoten lege er besonderen Wert auf eine saubere Struktur und einen guten Aufbau der Bewerbung. „Oft wird etwa behauptet, dass ein guter Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen gegeben ist. In der Bewerbung sieht das dann allerdings manchmal anders aus“, sagt er.

Interesse wecken und Fehler vermeiden: So gelingt die perfekte Bewerbung

Vor der Bewerbung sollte man ausreichend zum jeweiligen Unternehmen recherchieren - und diese Infos in die Bewerbung mit einfließen lassen. © Pixabay

Ein wahrer Bewerbungsexperte ist Ben Dehn. Er ist für den Bochumer Dienstleister „Die Bewerbungsschreiber“ tätig, der sich auf die Erstellung professioneller Bewerbungsunterlagen spezialisiert hat. Im Laufe der vergangenen Jahre hat Dehn eine vierstellige Anzahl an Bewerbungen für seine Kunden verfasst. Er weiß also, worauf es ankommt.

Der Lebenslauf sollte eine übersichtliche Struktur aufweisen

Beim Lebenslauf ist neben dem Inhalt auch die Struktur von großer Bedeutung. Verschiedene Abschnitte wie „Berufserfahrung“ und „Ausbildung“ sollten definitiv vorhanden sein. Diese können - je nach Erfahrung und Ausbildungsweg - auch detaillierter unterteilt werden, etwa in „Schulbildung“, „Berufsausbildung“ und „Studium“.

Beginnen sollte der Lebenslauf immer mit den persönlichen Daten. Neben Geburtstag und -ort sollten dort die Staatsangehörigkeit und der Familienstand auftauchen.

Interesse wecken und Fehler vermeiden: So gelingt die perfekte Bewerbung

Der Lebenslauf sollte übersichtlich gestaltet sein und mit den persönlichen Angaben beginnen. © Pixabay

Weitere Kontaktdaten kommen in die Kopf- oder Fußzeile der Bewerbung, erklärt Dehn: „Der eigene Name sowie die vollständigen Kontaktdaten, also postalische Adresse, E-Mail-Adresse und Telefonnummer, sollten in die Kopf-/Fußzeile eingebaut werden, damit diese auf jeder Seite der Bewerbung leicht zu finden sind, wenn der Empfänger den Kontakt zum Bewerber aufnehmen möchte.“

Der Lebenslauf sollte nicht chronologisch, sondern antichronologisch aufgebaut sein. Die aktuelle Tätigkeit - egal ob Festanstellung oder Schule - sollte also direkt nach den persönlichen Daten auftauchen.

Die reine Auflistung der beruflichen Stationen ist für den Personaler allerdings nicht besonders aussagekräftig. Im Lebenslauf sollten daher auch die wichtigsten Aufgabenfelder unter den jeweiligen beruflichen Stationen aufgezählt werden.

Am Ende des Lebenslauf sollten zudem „Weitere Fähigkeiten und Kenntnisse“ aufgeführt werden. „Vorteilhaft sind immer jene Daten, die einen Bezug zur anvisierten Stelle haben. In der Regel sollten Bewerber dort Informationen zu (Fremd-)Sprachkenntnissen und Fähigkeiten im Umgang mit dem Computer und spezieller Software machen. Je nach Beruf und Tätigkeit kann auch die Angabe des Führerscheins hilfreich sein“, erklärt Dehn.

Nicht alle Hobbys bieten einen Mehrwert für den Personaler

„Auch Hobbys können dem Bewerber helfen, wenn sich dabei ein Bezug zum Beruf erkennen lässt“, sagt Dehn. „Klassische Hobbys, wie zum Beispiel Sport, sollten Bewerber näher beschreiben. Welchen Sport betreibe ich? Ausdauersport? Fußball? Kraftsport? Vielleicht fliege ich einmal im Jahr nach New York, um dort am Marathon teilzunehmen“, gibt er Beispiele.

Interesse wecken und Fehler vermeiden: So gelingt die perfekte Bewerbung

Bei einer Bewerbung geht es um Individualität und darum, sich von den anderen Bewerbern abzugrenzen. © Pixabay

„Durch die Angabe der Hobbys zeige ich entweder auf, dass ich mich auch im privaten Rahmen für meine berufliche Tätigkeit begeistern kann oder aber ich liefere dem Leser einen möglichen Einstieg für das Vorstellungsgespräch, um zu Anfang das sprichwörtliche Eis zu brechen“, erklärt der Experte.

Doch gebe es auch einige Ausnahmen: „Kampf- und Extremsportler liefern hier zwar oftmals sehr interessante Gesprächsansätze, sollten jedoch vorsichtig sein, wie deutlich sie ihren Sport kommunizieren. Denn eine Sache sollte nicht außer Acht gelassen werden: Je höher das Verletzungsrisiko im privaten Bereich ist, desto höher ist das Ausfallrisiko für den beruflichen Alltag.“ Dies spiele eine Rolle bei der Entscheidung des Personalers.

Das Anschreiben sollte individuell aufgebaut sein

Die Bewerbungsschreiber erstellen nicht nur Bewerbungen, sie korrigieren auch vorhandene Anschreiben. Und werden daher immer wieder mit Fehlern der Bewerber konfrontiert, erklärt Dehn: „Abgesehen von Fehlern in Rechtschreibung und Grammatik ist es sicherlich der fehlende Bezug zum Unternehmen. Viele Bewerber versäumen es schlichtweg, dem Empfänger der Bewerbung aufzuzeigen, warum sie sich für die jeweilige Position bei dem jeweiligen Unternehmen interessieren.“

Diese Erfahrung hat auch Helmut Kanter bei der Halterner Sparkasse gemacht: „Fehlende Anpassungen sind oft ein Problem. Wenn in der Adresszeile die Sparkasse steht, aber im Anschreiben die Volksbank auftaucht, ist das sicher nicht optimal.“ So sei es in seinen Augen überaus wichtig, die Bewerbungen noch einmal gegenlesen zu lassen, „um einfache Fehler zu vermeiden.“

Auch beim Anschreiben zählt ein guter Aufbau

Beim Bewerbungsschreiben sollte man auf jeden Fall einer logischen Struktur folgen: Einleitung, fachliche Erfahrungen und Kompetenzen, persönliche Eigenschaften, Schlussteil.

„Häufig lesen sich Abschnitte zu persönlichen Stärken wie Aneinanderreihungen von Kompetenzen, ohne dass ein wirklicher Zusammenhang besteht. Bei der Bewerbung kommt es darauf an, dass die Einbindung der sozialen Kompetenzen nachvollziehbar und somit glaubwürdig ist“, erklärt Dehn.

Interesse wecken und Fehler vermeiden: So gelingt die perfekte Bewerbung

Für das Schreiben einer Bewerbung sollte man sich Zeit nehmen - mit einem Knopfdruck ist es nicht getan. © Pixabay

Verhandlungen mit ausländischen Lieferanten könnten demnach ein Hinweis auf gute Fremdsprachenkenntnisse sein - erfolgreiche Projekte mit mehreren Mitarbeitern ein Zeichen für Teamfähigkeit.

Doch auch auf den privaten Bereich könne dies übertragen werden, etwa durch die Ausübung eines Mannschaftssports. „Grundsätzlich muss nicht jede einzelne persönliche Stärke belegt werden. Es sollte sich in der Bewerbung nur nicht wie eine reine Auflistung ohne jeglichen Bezug lesen“, so Dehn.

Heutzutage werden die meisten Bewerbungen per Mail verschickt. Dabei sollte man darauf achten, im Idealfall eine einzige PDF-Datei einzureichen, die alles enthält: Anschreiben, Deckblatt, Lebenslauf sowie angehängte Zeugnisse und Zertifikate. Das erleichtert dem Personaler die Arbeit.

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„Bewerber sollten selbstbewusst auftreten und vor allem ehrlich sein. Wer bereits in der Bewerbung das Gefühl hat, den Arbeitgeber anflunkern zu müssen, hat vielleicht den falschen Arbeitgeber im Fokus“, sagt Dehn.

So wird das Thema an den Halterner Schulen behandelt
  • Am Joseph-König-Gymnasium und an der Alexander-Lebenstein-Realschule gehen die Schüler dem Thema „Bewerbungen“ in der neunten Klasse nach.
  • Den ersten Einblick in die Welt des Bewerbens erhalten die Schüler des Joseph-König-Gymnasiums während eines kleinen Workshops bei der Volksbank Haltern, wo sie lernen, „wie Bewerbungen optisch und inhaltlich auszusehen haben und was beim Verfassen einer Bewerbung berücksichtigt beziehungsweise auch vermieden werden sollte“, so Politiklehrerin Uta Joest. Im Anschluss werde das Thema im Politikunterricht vertieft und „Lebensläufe und Bewerbungen analysiert und selbst verfasst.“ Zudem simulieren die Schüler Vorstellungsgespräche.
  • Eine größere Relevanz besitzt das Thema Bewerbungen an der Alexander-Lebenstein-Realschule, da dort naturgemäßig mehr Schüler nach der zehnten Klasse eine Berufsausbildung anstreben. Das Thema wird dort insbesondere im Deutschunterricht behandelt - inklusive einer Klassenarbeit. Doch auch in Englisch und Politik spielt die Berufsvorbereitung eine Rolle. „Wir gehen mit den Schülern konkrete Fälle durch und legen ihnen Stellenausschreibungen vor“, erklärt Konrektor Thomas Sohn. „Die Schüler wissen dann im Anschluss, worauf es ankommt und sind gut auf einen Einstieg ins Berufsleben vorbereitet“, sagt er.
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