Invasion aus dem Schwarzmeerraum im Halterner Stausee

hzSchwarzmeergrundeln

Sie ist ein Eindringling aus Südosteuropa, vermehrt sich explosionsartig und bedroht heimische Fische. Nach Lippe und Stever macht sich die Schwarzmeergrundel im Halterner Stausee breit.

Haltern

, 12.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein kleiner Fisch aus dem Schwarzmeerraum bringt das ökologische Gleichgewicht hierzulande ins Wanken. Die Schwarzmeergrundel ist bis zu 20 Zentimeter groß. Von Frachtschiffen wurde der Fisch über das Ballastwasser vom Schwarzen, Kaspischen und Asowschen Meer eingeschleppt. Über den Main-Donau-Kanal in den Rhein breitete er sich aus, von dort aus in den Nebenarmen. So gelangte die Grundel in Lippe und Stever und schließlich auch in den Halterner Stausee. Lippeverband und Landesfischereiverband gehen seit Jahren gegen die Art vor, die sich rasend schnell vermehrt und daher als invasiv gilt. Angler fürchten um den heimischen Fischbestand. Die Gelsenwasser AG, die den Stausee zur Trinkwassergewinnung nutzt, bleibt indes gelassen.

Zuerst der Kormoran und jetzt auch noch die Grundel

„Angeln im Stausee lohnt sich kaum noch“, sagt Stephan Brathe. Früher habe man viel Weißfisch wie Rotaugen und Rapfen gefangen, erklärt der Vorsitzende des Angelsportvereins „Petri Heil“ Haltern. „Heute haben wir nur noch relativ viele kleine oder große Fische im Stausee, dazwischen gibt es kaum etwas.“ Die Kormorane fangen mittelgroße Fische in gewaltigen Mengen. Pro Tag bis zu einem halben Kilo Fisch benötige ein Vogel.

Während der Laichzeit sind männliche Schwarzmeergrundeln vollständig schwarz gefärbt.

Während der Laichzeit sind männliche Schwarzmeergrundeln vollständig schwarz gefärbt. © Stephan Brathe

Vor knapp drei Jahren entdeckte Brathe dann erstmals auch Grundeln im Stausee. Der Bestand habe seitdem extrem zugenommen. Die Schwarzmeergrundel ernährt sich vom Laich anderer Fischarten, von Insektenlarven, Flohkrebsen und Schnecken. Für die heimischen Fische ist er aufgrund seiner Aggressivität ein Nahrungs- und Raumkonkurrent.

Trinkwassergewinnung ist nicht durch den Fisch beeinträchtigt

Der Gelsenwasser AG, die den Halterner Stausee zur Trinkwassergewinnung nutzt, ist das Grundel-Problem bekannt. „Wir beobachten inzwischen große Populationen“, sagt Sprecher André Ziegert. Die Arbeit des Unternehmens werde aber durch den Fisch nicht beeinträchtigt. „Für die Wassergewinnung ist die Schwarzmeergrundel irrelevant.“ Die weitere Entwicklung werde im Auge behalten. Wirklich unternehmen könne man aber nichts gegen den Eindringling. Ziegert: „Die fließen überall mit durch.“ Das meint auch Stephan Brathe: „Die Schwarzmeergrundel wird man nicht mehr los.“

Kampf gegen die glubschäugigen Grundeln

Der Lippeverband hat seit 2009 zusammen mit dem Landesfischereiverband Westfalen-Lippe Hunderte Quappen in der Lippe ausgesetzt. Die Maßnahme soll auch den Kampf gegen die glubschäugigen Grundeln vorantreiben. „Quappen - einmal ausgewachsen - fressen mit besonderer Vorliebe Grundeln“, weiß Anne-Kathrin Lappe.

Seit 2009 setzt der Lippeverband immer wieder junge Quappen in der Lippe aus.

Seit 2009 setzt der Lippeverband immer wieder junge Quappen in der Lippe aus. © Lippeverband

Die Sprecherin des Lippeverbands sagt: „Die Quappe spielt für das biologische Gleichgewicht in Flüssen und Bächen eine wichtige Rolle.“ Im Bereich Haltern habe sich der Quappenbestand jetzt stabilisiert. Die Auswirkungen auf den Grundel-Bestand müssten nun geprüft werden.

Die Quappe soll zum Erhalt der Artenvielfalt und zur Verringerung des Grundel-Bestands in der Lippe beitragen.

Die Quappe soll zum Erhalt der Artenvielfalt und zur Verringerung des Grundel-Bestands in der Lippe beitragen. © Lippeverband

Dr. Svenja Storm vom Landesfischereiverband hat folgende Erfahrung gemacht: Neozoen, also: fremde Tierarten, vermehren sich zunächst immer explosionsartig. In den nächsten fünf bis zehn Jahren sei allerdings mit einem Einbruch der Grundelbstände zu rechnen. Dann habe sich das ökologische System umgestellt. Der Kormoran, der die Grundel schon jetzt frisst, sowie Barsch, Zander und Hecht hätten sich dann vollständig auf den Eindringling aus dem Schwarzmeerraum als Nahrungsquelle eingestellt.

Storm setzt zudem auf den Schutz der heimischen Arten. Mit der zunehmenden Renaturierung von Flüssen und Bächen mit Flachwasserzonen könnten für die heimischen Fische Rückzugsbereiche geschaffen werden.

Eine echte Delikatesse

Und den Anglern, die die kleinen Grundeln verschmähten, möchte sie den Fisch schmackhaft machen. „Die Schwarzmeergrundel schmeckt richtig gut.“ Vor allem frittiert hat auch Storm den Fisch schon mehrfach verspeist. Und in der Tat gilt die Grundel in ihrer Heimat als echte Delikatesse.

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