Jagdpächter in Haltern wurde nach Wildunfällen von Fahrern beschimpft und mit Müll beworfen

hzWildunfälle

Zehn Wildunfälle hatte Jann Virnich in seinem Jagdrevier seit Mai dieses Jahres. Der Jagdpächter berichtet, was dann seine Aufgaben sind und wie Unfallfahrer zum Teil reagieren.

Haltern

, 23.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit pinkfarbenen Kreuzen an der Recklinghäuser Straße werden im Bereich um den Forsthof Haard die Autofahrer vor der Häufung von Wildunfällen gewarnt. Reviernachbar Jann Virnich, der selbst aber keine Kreuze aufgestellt hat, kennt dieses Problem ebenfalls. Der Jagdpächter erläutert, wozu er dann verpflichtet ist, und was er bei solchen Unfällen schon alles erlebt hat.

„Ich habe seit Mai ein Revier gepachtet, das sich zwischen der Recklinghäuser Straße und Flaesheim erstreckt“, so Jann Virnich. „Seitdem hat es dort bereits zehn Wildunfälle gegeben, bei denen Schwarz- und Rotwild betroffen war.“

Zunehmend unschöne Situationen

Wird ein solcher Unfall gemeldet, verständigt die Polizei den Jagdpächter. Jann Virnich rückt dann aus, um das Wild zu beseitigen und gegebenenfalls von seinen Leiden zu erlösen. Dabei erlebt er aber zunehmend unschöne Situationen. „Es kam schon vor, dass ich beschimpft, bespuckt und sogar mit Müll beworfen wurde, wenn ich das verletzte Tier töten musste“, berichtet Virnich. Der 37-jährige Gelsenkirchener ist in seiner Heimatstadt als Jagdaufseher tätig und hat die Jagd in Haltern im Mai 2019 gepachtet.

Jetzt lesen

Er berichtet von einem Fall, bei dem eine Frau ein Reh angefahren hatte. „Die hintere Hüfte war komplett zertrümmert, das Tier versuchte, sich mit den Vorderläufen über die Fahrbahn zu ziehen. ‚Das bringen Sie aber doch jetzt zum Tierarzt‘, sagte die Frau zu mir“, so Virnich. Dass dies nicht möglich war, stieß bei ihr auf Unverständnis. „Die Tiere leiden an den Schmerzen und dem Schock. Es gibt keine Alternative dazu, sie zu erlösen“, so Virnich.

Verletzte Tiere im Wald aufspüren

Häufig kommt es vor, dass sich verletzte Tiere noch in den Wald retten. Dann versucht Jann Virnich, sie am nächsten Morgen mithilfe von Jagdhunden aufzuspüren. „Das gelingt aber nicht immer“, weiß der Jagdpächter.

Die getöteten Tiere muss er entsorgen. „Im Normalfall wird Hundefutter daraus gemacht“, sagt Virnich. Durch die Stresshormone, die beim Unfall ausgeschüttet würden, sei das Fleisch auch nicht mehr schmackhaft. „Ich würde es nicht essen wollen, deshalb verkaufe ich es auch nicht“, so Virnich.

Seit sieben Jahren hat er selbst seine fleischliche Ernährung ausschließlich auf Wildprodukte umgestellt, die er selbst herstellt. „Ich stelle meine eigene Wurst her und nutze das Fleisch aus der Jagd“, sagt er. „Da weiß ich, wo es herkommt.“

Das Image der Jagd leidet

Das Image der Jagd leide leider in der Gesellschaft zunehmend, bedauert Jann Virnich,. „Einerseits gibt es zwar immer mehr Interessenten für eine Jägerausbildung, andererseits gerät die Jagd zunehmend in Verruf, weil wir Tiere töten“, so der Jagdpächter.

Zahl der Wildunfälle reduziert

In seinem eigenen Revier, das auf einer Länge von etwa 800 Metern an die Recklinghäuser Straße grenzt, hat es Jann Virnich inzwischen geschafft, die Zahl der Wildunfälle zu reduzieren. „Ich habe den Jagddruck in der Nähe der Straße erhöht, sodass das Wild tiefer in den Wald zurückgedrängt wurde. Dadurch hatte ich in den letzten Wochen fast keine Wildunfälle mehr.“

Dass mit Kreuzen auf die Gefahr von Wildunfällen hingewiesen wird, findet Jann Virnich durchaus sinnvoll. „Die Autofahrer werden für das Problem sensibilisiert“, sagt er. „Wenn dadurch die Zahl der Wildunfälle verringert wird, dann haben die Kreuze doch ihr Ziel schon erreicht.“

Lesen Sie jetzt