Josef Wessel, der Initiator der Halterner Realschule, ist tot

Nachruf

Der Name Josef Wessel ist mit der Gründung und Entwicklung der Realschule eng verbunden, ebenso mit der Politik und Kultur in Haltern. Der frühere Realschuldirektor starb nun mit 96 Jahren.

Haltern

, 22.02.2019 / Lesedauer: 3 min
Josef Wessel, der Initiator der Halterner Realschule, ist tot

Zu den Ehrengästen des Realschul-Jubiläums gehörte auch Josef Wessel (2.v.l.); neben ihm (l.) Sohn Ulrich (Leiter des Joseph-König-Gymnasiums) sowie sein Nachfolger Michael Weiand mit Ehefrau. © Foto: Silvia Wiethoff

Als in Haltern noch niemand an eine Realschule dachte, war es Josef Wessel, der sie in die Diskussion brachte. Zur Eröffnung am 7. September 1967 startete der Unterricht mit 80 Schülerinnen und Schülern an ungewöhnlichem Ort - im Jugendheim von St. Laurentius im Schatten der Kirche. Dann folgten sechs Jahre in der Eichendorffschule, 1974 schließlich zogen Lehrer und Schüler ins neue Schulzentrum an der Holtwicker Straße um. Josef Wessel bekleidete neben seinem Beruf als Realschulleiter zahlreiche Ehrenämter, aber „die pädagogische Arbeit war für mich immer das Wichtigste“, sagte er kurz vor seinem Ruhestand im Jahr 1986.

Fraktionschef der CDU

Über 18 Jahre gehörte Josef Wessel der CDU-Fraktion im Stadtrat an; von 1961 bis 1969 war er ihr Geschäftsführer und dann bis 1976 ihr Vorsitzender und Sprecher. Die Halterner Zeitung schrieb in den 80er-Jahren über ihn: „Er war ein Politiker des Ausgleichs, ein Mann, der polemische und persönliche Attacken vermied. Der aber auch seine Meinung selbst dann deutlich und beharrlich vertrat, wenn sie nicht von seinen Parteifreunden mitgetragen wurde.“ Der Rat war zu jener Zeit zerstritten und so steckte in der Parteiarbeit auch harter, mühevoller, manchmal enttäuschender Einsatz.

Josef Wessel, der Initiator der Halterner Realschule, ist tot

Das Foto entstand zur ersten Ratssitzung nach der Kommunalwahl 1969 und zeigt CDU-Fraktionschef Josef Wessel (l.) mit Ratsfrau Carola Tochtrup (nach dem Krieg die erste Frau im Stadtrat) und Gerhard Itjeshorst. © Foto: Archiv Tochtrop

Als Vorsitzender des Kulturausschusses von 1961 bis 1979 übernahm Josef Wessel dann eine Aufgabe, die seinen persönlichen Neigungen und Fähigkeiten besonders entsprach. So kümmerte er sich um die Belebung der Stadtbücherei und betreute sie sogar selbst eine Zeit lang, er gab entscheidende Anstöße zur Gründung der Musikschule (dessen Fördervereins-Vorsitzender Josef Wessel später war) und er setzte gegen heftige Widerstände in der eigenen Fraktion durch, dass der Auftrag für das Schulzentrum an den Architekten Hans Hansen aus Marl ging.

Leidenschaft für Musik

Denn der hatte die Idee, eine Aula als Kulturort statt einer schlichten überdachten Pausenhalle in das Schulzentrum zu integrieren. Hinter diesem Engagement von Josef Wessel steckte dessen Leidenschaft für die Musik: Josef Wessel war aktiver Chorsänger und Musiker (er spielte Geige und Querflöte). Für die Halterner Zeitung rezensierte er als Pensionär jahrelang die Konzerte der Kulturstiftung Masthoff im Römermuseum.

Schule, Politik, Kultur: Das war viel, aber noch nicht alles. Josef Wessel übernahm lange Zeit den Vorsitz im Pfarrgemeinderat St. Laurentius, kümmerte sich um das Pfarrarchiv und den Pfarrbrief. Von dem sozialen Engagement profitierte darüber hinaus der Halterner Lions Club, dem Josef Wessel angehörte.

Josef Wessel, Vater von sechs Kindern, prägte lange und nachhaltig öffentliches Leben in Haltern. Seine letzte Lebensphase verbrachte er im Altenwohnhaus auf dem Annaberg, bis zuletzt liebevoll betreut von der Familie und guten Freunden.

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