Junge Halterner zu Fridays for Future: „Wir setzen auf das Rebellische“

hzFridays for Future

Sechs Schüler aus Haltern auf dem Sprung in das Erwachsenenleben: Was halten sie von Greta Thunberg und Fridays for Future und welche Rolle spielt der Klimaschutz in ihrem Alltag?

Haltern

, 20.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ist es richtig, ein Auslandsjahr zu planen oder sollte ich die Zeit nutzen und mich mehr für den Umweltschutz (Fridays for Future) und damit für die Zukunft der Erde engagieren? Das fragt sich Felix Deitermann (17) manchmal, wenn er eine neue Nachricht über den Klimawandel aufnimmt. Zwei Schülerinnen und vier Schüler des Leistungskurses Erdkunde am Joseph-König-Gymnasium nehmen Stellung zu Fragen, die am Aktionstag der Fridays-for-Future-Initiative in besonderer Weise aufgeworfen werden.

Sechs junge Menschen aus Haltern am See an der Schwelle zum Erwachsensein, die im nächsten Jahr Abitur machen wollen und ihre berufliche Zukunft planen: Welche Rolle spielen in dieser Lebensphase Erderwärmung, Artensterben oder Wetterextreme? Das Thema Klimawandel sei allein schon dadurch präsent, dass es auf allen sozialen Medien gespielt werde, sagt Sebastian Strickling. „Es beschäftigt uns nicht nur in unserer Freizeit, sondern ist auch Teil des Unterrichts - und das in nahezu allen Fächern“, ergänzt Tobias Spiekermann.

Bilder vom brennenden Regenwald sorgen für Angst

„In unserem LK haben wir uns mit der Stadtgeografie beschäftigt und gelernt, dass Autos früher durch alle Innenstädte geführt wurden“, berichtet Tobias Korte. Diese Planungen mit dem Ziel, autogerechte Städte zu schaffen, erweisen sich heute als Fehlschuss. Bilder wie die des brennenden Regenwaldes im Amazonas wecken bei den Schülern sogar Gefühle der Angst, lässt Bente Oelgemöller wissen.

Es sei außerdem schockierend, dass 17-jährige Schüler aus Haltern offensichtlich über ein besseres Wissen verfügen als der Präsident von Brasilien. Anders jedenfalls kann sich Felix die Ignoranz von Staatschef Jair Bolsonaro nicht erklären. „Wir machen uns definitiv Sorgen um unsere Erde“, betonen die Schüler.

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Einerseits fühlen sie sich hilflos, „weil wir das Gefühl haben, nicht viel ausrichten zu können“ (Chiara Koop). Andererseits erleben sie gerade als Teil der jungen Generation, wie sie über die Fridays-for-Future-Aktivitäten weltweite Aufmerksamkeit erregen und sogar Einfluss auf Politik nehmen können.

Weltweite Vernetzung der Fridays for Future-Aktivisten ist wichtig

Zusammenhalt über Ländergrenzen und globale Vernetzung sind dabei wichtig. Diese Erkenntnis ist bis nach Haltern gedrungen. Zwei der LK-Schüler haben an einer Fridays-for-Future-Demonstration in Recklinghausen teilgenommen. Es habe Überlegungen gegeben, eine Protestaktion in Haltern zu organisieren, aber die Stadt sei dafür einfach zu klein. „Wen kümmert es, wenn hier 50 oder 100 Schüler über die Straße laufen?“, erläutert Felix. Da sei es besser, für ein großes Aufgebot in der Nachbarstadt zu sorgen.

Stören die Halterner Schüler Kritiker, die von ihn fordern, freitags lieber zur Schule zu gehen als zu demonstrieren? „Dieses Argument kennen wir natürlich“, lächelt Sebastian Strickling, „aber wir setzen gerade auf das Rebellische, um für die Aufmerksamkeit zu sorgen, die wir für die Klima-Debatte brauchen.“

Vor Greta Thunberg, die mit diesem Urgedanken vor ihrer schwedischen Schule startete und damit eine weltweite Jugendbewegung in Gang setzte, haben die jungen Halterner großen Respekt. Es sei einem 16-jährigen Mädchen, das noch dazu unter dem Asperger-Syndrom leide, hoch anzurechnen, dass sie so viel Stärke zeige und für das Überleben unseres Planeten einstehe.

Schüler überdenken ihr Verhalten für den Klimaschutz

Ihre Überzeugungen fließen durchaus in das Alltagsverhalten der Schüler ein. Felix trägt beispielsweise beim Gesprächstermin Klamotten aus dem Secondhand-Laden, auch Beate war dort schon einkaufen. Die jungen Leute beschäftigen sich mit der Vermeidung von Plastikmüll, dem Einkauf regionaler Produkte und sehen den Online-Versandhandel kritisch.

Am Joseph-König-Gymnasium geht es darum, den Stromverbrauch zu senken und den Müll besser zu sortieren. Es gebe auch immer mehr Schüler, die mit wiederverwertbaren Flaschen in die Schule kommen. Bei der Frage nach dem Verzicht auf Flugreisen, die den ökologischen Fußabdruck des Menschen zum Quadratlatschen machen, sind sich die sechs jungen Leute einig: „Es ist kompliziert!“

Nach ihrer Auffassung sollten Flüge immer kritisch hinterfragt werden. Es sei legitim, ab und an mit einem Flieger in den Urlaub zu reisen, um so ein Land, eine neue Kultur, eine andere Sichtweise kennenzulernen. Man müsse aber nicht unüberlegt und stetig in einen Flieger steigen, um die Welt zu bereisen.

Mit dem Zug nach Kopenhagen gereist

So hat Bente gemeinsam mit ihrer Schwester für einen Abstecher nach Kopenhagen bewusst den Zug gewählt. Besonders kritisch sehen die jungen Leute übrigens die Kombination von Flug- und Kreuzfahrten. Es müsse jedem klar sein, dass das Klima unter den Folgen dieser Art der Mobilität besonders leide.

Die sechs jungen Halterner haben nicht den Anspruch, perfekt zu sein und gehen die Herausforderungen der Zukunft pragmatisch an. Es sei aber doch besser, sein Verhalten zu überdenken und teilweise zu verändern als gar nicht.

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