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Junge Leute, die am 1. Mai arbeiten müssen: „Es ist ein bisschen deprimierend“

hzDienst statt Party

Arbeiten am 1. Mai ist für viele junge Leute in Haltern ein ganz harter Brocken. Schließlich will keiner das Event des Jahres mit Kreativwagen, Musikboxen und Kühlgeräten verpassen.

Haltern

, 30.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Der 1. Mai in Haltern am See gehört der Jugend. Wer es irgendwie einrichten kann, kommt zum Event an den Stausee. Alle Planung aber hilft nichts, wenn man sich über das Jahr nebenbei als Aushilfskraft etwas dazu verdient und der Dienstplan des Chefs diesmal „Arbeiten“ statt „Feiern“ vorsieht.

Bei „Jupp unner de Böcken“ am Südufer des Stausees müssen die Neuen ran, berichten die Inhaber Toddy Geldmann und seine Schwester Martina Hörstrup. In diesem Jahr gehören auch Toddy Geldmanns Zwillinge Elody und Rosalie (16) dazu.

„Es ist ein bisschen deprimierend, wenn man weiß, dass die Freunde unterwegs sind“, gesteht Elody Geldmann. Mit ihrer Schwester hofft sie, dass sie etwas früher Schluss machen und sich dann direkt in den Westuferpark aufmachen kann. Da müssen sie den Papa noch ein bisschen um den Finger wickeln. Aufgrund der familiären Bande fühlen sich die Mädchen allerdings auch verpflichtet, gerade am 1. Mai einzuspringen und zu helfen. „Wir wissen schließlich, was hier los ist“, sagt Elody.

Junge Leute, die am 1. Mai arbeiten müssen: „Es ist ein bisschen deprimierend“

Elody und Rosalie, die Zwillinge von Toddy Geldmann, hoffen, dass sie am 1. Mai früher aus Jupps Erlebnisgarten herauskommen. © Silvia Wiethoff

Ihre Schweter Rosalie fügt hinzu: „Ich finde es gar nicht schlimm, am 1. Mai zu arbeiten. Das ist eigentlich immer total cool. Es ist viel los und man kann seine Freunde ja trotzdem sehen, weil die immer bei Jupp vorbei laufen.“

„Unser Standort ist natürlich ein beliebter Anlaufpunkt für die Toiletten“, weiß Toddy Geldmann. Obwohl sein Lokal am 1. Mai besonders bei schönem Wetter mehr als gut besucht ist, freut sich der Gastronom über die Koexistenz zwischen seinem Betrieb und der 1. Mai-Bewegung am See.

Die Gäste im Erlebnisgarten staunen

„Unsere Gäste von außerhalb staunen über die großen Wagen, die vorbeiziehen“, erläutert er. Einer der größten legt schon mal für eine halbe Stunde Halt an Jupps Erlebnisgarten ein. „Die jungen Leute machen Party. Wir bauen dann auch unsere Stereoanlage auf und halten dagegen“, lässt der Betriebschef augenzwinkernd wissen.

Die letzten beiden 1. Mai-Generationen in Haltern, so betont Toddy Geldmann seien netter und sozialer geworden. Die Teilnehmer verhielten sich sehr freundlich und würden sogar danach fragen, ob sie die Toiletten bei Jupp benutzen dürften.

Begehrter Job bei Hagedorn

Auf dem Hof Hagedorn mit Schinkentenne, Gemüsescheune, Café und Backstube hat es in diesem Jahr Sophia Nottenkämper erwischt. Die 20-jährige Halternerin absolviert während der Woche eine Ausbildung zur Physiotherapeutin in Münster. Am Wochenende arbeitet sie bei Hagedorn in der Gemüsescheune und bedient Kunden aus der gesamten Region.

Junge Leute, die am 1. Mai arbeiten müssen: „Es ist ein bisschen deprimierend“

Die Wagen, die von den jungen Leuten für den 1. Mai gebaut werden, sind legendär. © (Archiv) Daniel Winkelkotte

„Ich nehme es in Kauf, es geht ja ums Geld“, sagt sie über die Verpflichtung für den 1. Mai und denkt dabei langfristig. Schließlich ist ein Job bei Hagedorn begehrt, sodass man ihn nicht so leicht aufs Spiel setzen möchte. „Außerdem will ich die anderen Mitarbeiter nicht im Stich lassen“, erklärt Sophia. Genau wie die Festangestellten erlebten die Aushilfen, das sind bei Hagedorn rund 70 Schüler, Studenten und Azubis, wie stressig besondere Verkaufstage wie der 1. Mai für das gesamte Team werden können.

Am 1. Mai streben die jungen Leute an den Stausee

Junge Aushilfen für den 1. Mai zu gewinnen, gestalte sich manchmal schwierig, räumt Heinz Schulte, Mitinhaber des Hofs Hagedorn, ein und spricht dabei sicher für eine Reihe von Halterner Betrieben. „Wir versuchen, diesen Tag mit festen Leuten zu besetzen, aber das reicht natürlich nicht“, erläutert er.

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Folgendes Modell setzt man bei Hagedorn zur Lösung ein: Aushilfen haben am 1. Mai jeweils im Wechsel ein Jahr Dienst und ein Jahr frei. Da es außerdem zwei Schichten (morgens und mittags) gibt, haben immer noch einige junge Leute die Chance, sich bereits ab nachmittags den Maiwanderern am Stausee anzuschließen. Seit Februar gibt´s den Dienstplan, sodass jeder weiß, woran er ist.

Für die Wanderung wird es bei Sophia Nottenkämper in diesem Jahr auf jeden Fall nicht reichen, denn sie übernimmt am 1. Mai sogar eine Doppelschicht in der Gemüsescheune.

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