Kanufahren auf der Stever: Bald nur noch in Haltern erlaubt?

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Die Stever fließt zum Teil durch den Kreis Coesfeld, zum Teil durch Haltern, also den Kreis Recklinghausen. Ein neuer Landschaftsplan könnte Kanuten die Nutzung des Flusses bald einschränken.

Hamm-Bossendorf, Hullern, Haltern

, 05.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer von Haltern aus eine Kanu-Tour über die Stever starten möchte, könnte damit bald Probleme bekommen. Mit einer Ausnahme des südlichen Teils der Stever vom Halterner Stausee bis zur Lippemündung darf der Fluss im Halterner Stadtgebiet zwar nach wie vor befahren werden. Doch wer vom Hullerner Stausee aus weiter Richtung Olfen fahren möchte, befindet sich im Gebiet des Kreises Coesfeld - und da stehen bald Änderungen im Landschaftsplan an.

Christoph Steinhoff von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Coesfeld erklärt, dass Teile der Steverauen sogenannte Flora-Fauna-Habitat-Gebiete sind, die zum EU-weiten Netzwerk aus Schutzgebieten „Natura 2000“ gehören. „Darin werden Schutzziele und -zwecke vorgegeben, die wir durch den Landschaftsplan sicherstellen müssen“, so Steinhoff.

Neuer Landschaftsplan könnte Kanus verbieten

Und so einen neuen Landschaftsplan hat die Behörde gerade entworfen, allerdings muss er noch verabschiedet werden. „Sicher ist noch nicht, dass bald keine Kanus mehr auf der Stever fahren dürfen, da das Verfahren noch läuft“, sagt Steinhoff. Bis zum vergangenen Freitag war der Entwurf des Landschaftsplans öffentlich einsehbar, sodass der Kreis Gespräche mit Kanuvereinen aufgenommen habe und deren Standpunkte berücksichtigen will.

Laura Heuver ist Jugendwartin beim Kanuclub Hamm-Marl, dessen Vereinsheim in Hamm-Bossendorf zwischen Lippe und Kanal steht. „Wir finden es sehr schade, wenn wir die Stever in dem Bereich nicht mehr befahren dürften“, sagt sie. Eine Sprecherin des Kreises Recklinghausen bestätigte, dass weiterhin nur das kleine Stück im südlichen Bereich der Stever bis zur Lippemündung verboten bleibt - ansonsten sollen Kanus auf der Stever nach wie vor freie Fahrt haben. Allerdings sagt Heuver: „Man fährt normalerweise zwischen zehn oder 20 Kilometer weite Touren - da bleibt man nicht in einem Stadtgebiet.“ Deswegen betreffe die mögliche Einschränkung auch den Halterner Verein.

„Kanufahren ist ein umweltbewusstes Hobby“

Es sei selbstverständlich, dass sich Kanufahrer über mögliche Streckensperrungen vor jeder Tour informieren müssten. Dennoch sei lästig, wenn ein bestimmter Abschnitt eines Flusses nicht für Kanus zugängig sei, sagt Heuver. Denn dann lohne es sich auch meist nicht, den restlichen Abschnitt zu befahren. „Kanufahren ist eigentlich ein sehr umweltbewusstes Hobby“, findet sie. „Wir passen auf, die Vögel - und wenn möglich auch die Fische - nicht zu stören, wir nehmen unseren Müll immer mit und fahren nur auf der Stever, wenn der Wasserstand hoch genug ist.“

Kanufahren auf der Stever ist ein beliebtes Hobby.

Kanufahren auf der Stever ist ein beliebtes Hobby. © Halterner Zeitung

Christoph Steinhoff von der Unteren Naturschutzbehörde hingegen sieht auch das Kanufahren teilweise kritisch. „Jegliches Befahren der Gewässer führt zu menschlichen Lauten oder Wasserbewegungen, die bestimmte Fischarten oder Vogelarten, die auf Sandbänken nisten, stören können.“ Dennoch werde die Behörde nun die Kritik der Kanuverbände genau sichten, um den Landschaftsplan zu überarbeiten und dann noch möglichst vor der nächsten Kommunalwahl zu verabschieden. Den Sommer über können die Kanuten also vorerst auch noch die vollständige Stever mit in ihre Tourenplanung einbeziehen.

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