„Katzenschwemme“: Halterner Tierschützer bekommen Hilfe vom Land

hzTierschutz Haltern

Um die Katzenflut in den Griff zu bekommen, arbeiten der Katzengnadenhof und das Streunerkatzenprojekt Haltern eng zusammen. Jetzt werden die Tierschützer vom Land NRW unterstützt.

Haltern

, 25.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tina Franzgrote-Uhländer vom Streunerkatzenprojekt Haltern und Jacqueline Kaminski vom Katzengnadenhof in Lippramsdorf können sich noch gut an den Tag erinnern, als sie im „Kampf gegen die Katzenschwemme“ einen Förderantrag beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) NRW gestellt hatten. „Wir haben richtig gezittert“, sagt Tina Franzgrote-Uhländer. Jetzt erreichte die ehrenamtlichen Tierschützer ein positiver Bescheid der Landesbehörde, die ihre Arbeit ab sofort mit Mitteln des Förderprogramms Katzenkastration unterstützen wird. Insgesamt 2500 Euro wurden ihnen für das verbleibende Jahr zugesprochen.

Spendenrückgänge wegen Corona-Pandemie

Mit dem Geld könnten in 2020 noch rund 70 Katzen und Kater kastriert werden. Bezuschusst wird jeweils die Hälfte der anfallenden Kosten - das entspricht 25 Euro für Katzen und 40 Euro für Kater. „Das ist einfach super“, sagt Tina Franzgrote-Uhländer. Die 42-Jährige und der Katzengnadenhof der Aktiven Tierhilfe Marl/Haltern arbeiten eng zusammen.

„Die Hälfte der Bauchschmerzen ist nun gelindert“, meint Jacqueline Kaminski (36) hinsichtlich der ständigen Sorge um die Finanzierung solcher Aktionen. Die andere Hälfte müsse nun noch durch Spenden, beim Gnadenhof zusätzlich durch Mitgliedsbeiträge zusammenkommen. Das fällt in diesem Jahr nicht leicht. Denn die Corona-Pandemie wirkt sich auch hier aus. „Die Leute sind nicht so spendenfreudig wie sonst“, erklärt Kaminski. Aufgrund der unsicheren Zeit, die von Kurzarbeit, vielleicht sogar Jobverlusten geprägt sei, hielten viele Menschen ihr Geld fest.

Das Einsatzfahrzeug von Tina Franzgrote-Uhländer

Das Einsatzfahrzeug von Tina Franzgrote-Uhländer © Ingrid Wielens

Hinzu kämen die fehlenden Einnahmequellen - Heimatfest und Büchermarkt, wo der Gnadenhof stets mit einem Verkaufsstand anzutreffen ist, fallen aus. Auch der monatliche Tag der offenen Tür kann derzeit nicht stattfinden.

Rund 170 Katzen und Kater jährlich

Tina Franzgrote-Uhländer ist sogar ausschließlich auf Spendengelder angewiesen. „Im Moment ist meine Kasse leer“, sagt sie. Etwa 70 herrenlose, herumstreunende Katzen fängt sie nach eigenen Angaben jedes Jahr ein, lässt sie kastrieren, entwurmen und kennzeichnen, um sie dann wieder in die Freiheit zu entlassen. Denn vermittelbar sind die verwilderten und ungezähmten Tiere nicht mehr. Beim Katzengnadenhof fallen jedes Jahr etwa 60 Kastrationen von aufgefundenen Katzenkindern (Kitten) und 40 bei Abgabetieren an. Zusammen mit dem Streunerkatzenprojekt geht es also jedes Jahr um etwa 170 Katzen.

Im Katzengnadenhof können sich die Tiere weitgehend frei bewegen.

Im Katzengnadenhof können sich die Tiere weitgehend frei bewegen. © Ingrid Wielens

„Es wird nicht weniger Arbeit“, sagt Tina Franzgrote-Uhländer. Denn die Katzen vermehren sich explosionsartig. Freigängerkatzen - also solche, die von ihren Besitzern nach draußen gelassen werden - tragen entscheidend zu dieser Problematik bei. „Würden Katzenbesitzer ihre Tiere kastrieren lassen, wäre die Katzenschwemme viel leichter in den Griff zu bekommen“, sind die Tierschützerinnen sicher.

„Lasst verdammt nochmal eure Freigänger kastrieren!“

Aus diesem Grund auch hatte Tina Franzgrote-Uhländer unlängst eine zugespitzte und provokative Nachricht im sozialen Netzwerk Facebook gepostet. „Allein mit der Streunerkatzenflut. Es reicht uns jetzt! Katzenschützer fordern: Lasst verdammt nochmal eure Freigänger kastrieren!“, heißt es darin. Mit der Aktion hatte sie viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Mit diesem provokativen Post bei Facebook hatte Tina Franzgrote-Uhländer (l.) - hier mit der Dorstener Tierschützerin Conny Sander - viel Aufmerksamkeit erregt.

Mit diesem Post bei Facebook hatte Tina Franzgrote-Uhländer (l.) - hier mit der Dorstener Tierschützerin Conny Sander - viel Aufmerksamkeit erregt. © privat

Aufnahmestopp im Katzengnadenhof

Auch die Tierheime platzen aus allen Nähten, kaum eines kann sich noch erlauben, die Samtpfoten aufzunehmen. Fast immer heißt es „Aufnahmestopp“.

Das gilt auch für den Katzengnadenhof in Haltern. Rund 80 Stubentiger, wovon rund 30 vermitttelbar sind, leben dort - mehr geht nicht. „Wir bekommen inzwischen Anfragen aus ganz Deutschland, ob wir noch Katzen aufnehmen“, erklärt Jacqueline Kaminski. „Ich kann die Hilfesuchenden leider auch nur enttäuschen. Wir haben keinen Platz mehr.“

bitte herrenlose tiere melden

Halterner Bürger, die streunende und herrenlose Katzen beobachten, können dies beim Katzengnadenhof (Telefon: 02360/ 10038) oder bei Tina Franzgrote-Uhländer (Mail: Streuner-Haltern@web.de oder auf Facebook unter Streunerkatzen-Projekt Haltern am See) melden.
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