Keine Festivals am Silbersee, keine Windräder mehr in Hullern

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Der Silbersee ist ein Magnet in der Ruhrregion, aber im neuen Regionalplan-Entwurf nicht einmal erwähnt. Die Stadt erhebt Einwände, auch gegen noch mehr Windräder in Hullern.

Haltern

, 15.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

An heißen Sommertagen pilgern bis zu 20.000 Badegäste aus der Region zum Silbersee. Doch im Entwurf für den neuen Regionalplan kommt er trotzdem nicht vor. Und wenn es um die Frage geht, wie das Restaurant Treibsand wirtschaftlich abgesichert werden kann, haben die Grünen eine ganz eigene Meinung.

Der Ausschuss Stadtentwicklung/Umwelt unter Vorsitz von Manfred Ernst segnete am Donnerstagabend im Rathaus die Stellungnahmen von Kreis und Stadt zum neuen Regionalplan unter Berücksichtigung von Parteianträgen mehrheitlich ab. Bezüglich des Silbersees konnten sich die Grünen nicht durchsetzen.

Aktuell entwickelt die Stadt einen Bebauungsplan für den Bereich Silbersee. Ziele sind unter anderem, das sommerliche Parkchaos zu entzerren und die Wirtschaftlichkeit der Gastronomie durch vier bis fünf Musikevents pro Jahr auf eine verlässliche Basis zu stellen. Große Festivals in einem wertvollen Naturraum können sich die Grünen allerdings nicht vorstellen. Sie sehen das kritisch und beantragten, dass dieser Passus aus der von der Stadt vorgeschlagenen Formulierung für den Regionalplan gestrichen wird. Die anderen Parteien lehnten das ab.

Chancen für Hullern

Bislang ist der Silbersee in dem Entwurf für den neuen Regionalplan gar nicht genannt, weil die Größe von knapp zehn Hektar unter die Darstellungsschwelle fällt. Doch Bürgermeister Bodo Klimpel misst dem Silbersee als Freizeitstätte für das Ruhrgebiet eine hohe regionale Bedeutung zu, eine Nennung im Regionalplan würde das seiner Meinung nach unterstreichen und den Standort sichern.

Die CDU, SPD und Wählergemeinschaft richten eine weiteren Antrag an den Regionalverband: Der für Hullern-Ost in unmittelbarer Nachbarschaft zum Windpark Olfen dargestellte Windenergiebereich soll ersatzlos gestrichen werden. Eine weitere Verdichtung stelle für Hullern eine unzumutbare Belastung dar und würde Entwicklungschancen für Jahrzehnte unmöglich machen, so die Parteien. Grundsätzlich weist der Regionalplan nur in Marl, Dorsten und Haltern Zonen für Windenergie aus.

Zwei Stellungnahmen

Die Halterner Stadtverwaltung hat doppelt gearbeitet: Sie hat mit den Fachkollegen aus den Kreisstädten gemeinsam eine Stellungnahme erarbeitet und dann noch einmal die Aspekte der Stadt Haltern am See in einer zweiten Stellungnahme dargestellt. Denn, so sagt Bürgermeister Bodo Klimpel, in einer kleineren Kommune wie Haltern stellen sich die Ausgangslagen oft anders dar als in Ballungskernen wie Recklinghausen oder Marl. Alle Parteien haben sich am Diskurs beteiligt und tragen die Stellungnahmen mit. Sie lobten in der Ausschuss-Sitzung ausdrücklich die gute Arbeit der Stadtverwaltung. Aus einem 31-seitigen lokalen Papier, das zum 1. März an den Regionalverband Ruhr in Essen geht, haben wir einige Beispiele herausgegriffen.

Forderung zur Wasag

Das ehemalige Wasag-Gelände in Sythen wird in der Trägerschaft des Kreises zu einer Bildungs- und Forschungseinrichtung entwickelt. Kreis und Stadt wünschen sich eine großflächige Ausweisung als „Siedlungsbereich für zweckgebundene Nutzung“, da neben den Naturflächen auch Platz sein müsse für bauliche Anlagen, die für die umfangreiche Altlastensanierung notwendig seien.

Schachtgelände für Gewerbe

Das Schachtgelände Haltern 1/2 soll nicht „allgemeiner Freiraum- und Agrarbereich“ sein, sondern im Regionalplan ebenso wie Auguste Victoria 9 als „Waldbereich“ dargestellt werden. Damit entspricht die Stadt einem Anliegen der Bürgerinitiative gegen eine Forensik in der Haard. Auguste Victoria 8 soll dagegen als Gebiet für Gewerbe- und Industrieansiedlungen ausgewiesen werden.

Radschnellweg bis Haltern

Der Radschnellweg Ruhr soll im Regionalplan bis zur Stadtmitte und darüber hinaus dargestellt und fortgeführt werden. Gerade durch einen parallel zur Autobahn 43 verlaufenden Radschnellweg könnten Pendlerverkehre aufgefangen werden. „Es handelt sich um das Vorzeigeprojekt einer neuen umweltfreundlichen Mobilität im Ruhrgebiet“, begrüßt Bürgermeister Klimpel diesen Radweg.

Mehr Gewerbe

Haltern braucht Gewerbeflächen und fordert eine Nachbesserung bei der Ausweisung (jetzt 12,9 Hektar). Bereits 2016 musste die Stadt Interessenten abweisen oder auf das geplante Gewerbegebiet entlang der Münsterstraße vertrösten. Am Prozessionsweg stehen nur noch 1,5 Hektar zum Verkauf. Die Stadt fürchtet, dass Unternehmen abwandern, weil sie keine Perspektiven sehen.

Photovoltaik-Fläche

Die Stadtwerke planen im Rahmen ihrer Klimaschutz-Ziele im Außenbereich eine Photovoltaik-Freiflächenanlage als neues wirtschaftliches Standbein. Zwei Standorte sind ausgeguckt und werden konkret planerisch verfolgt. Diese etwa 10 Hektar großen Flächen sollen im Regionalplan explizit mit zweckgebundener Nutzung gekennzeichnet und damit für das Stadtwerke-Vorhaben gesichert werden.

Sythen ist ein Dorf

Stadt und Politik fordern mehr Möglichkeiten für weiteren Wohnungsbau in Haltern. Siedlungsschwerpunkte sind jetzt Haltern-Mitte und Sythen. Gewünscht wird zusätzlich die Stärkung des Ortsteils Lippramsdorf, der über eine eigene Nahversorgung verfügt, wo wohnbauliche Nachverdichtung möglich ist und gerade vorbereitet wird. In Sythen ist allerdings eine Nachbesserung notwendig, so Bürgermeister Klimpel. Derzeit ist Lehmbraken bezüglich einer Weiterentwicklung ausgeklammert, weil der Abstand zum Siedlungsbereich Sythen-Mitte 100 Meter beträgt. Gleiches gilt für den Abstand zwischen Stadtmitte und Bossendorf. „Eine Nicht-Darstellung dieser beiden Siedlungsbereiche ist für mich nicht nachvollziehbar“, schreibt Klimpel in seiner Stellungnahme. „Warum sollte eine räumliche Trennung erfolgen, wenn seit jeher Sythen als ein Ort angesehen wird?“

Klimaschneise

Der Regionalplan sieht eine Frischluftbahn vom Annaberg über die Conzeallee bis zum Stadtkern vor. Ziel ist, die luft- und klimahygienischen Verhältnisse zu verbessern. Für die Stadt ist wichtig, dass diese Vorgabe nicht zur Einschränkung der kommunalen Planungshoheit führt. Denn im Bereich des Sportplatzes Conzeallee können noch Teilflächen wohnbaulich nachverdichtet werden.

Nur Camping

Einverstanden ist die Stadt damit, dass die Fläche des geräumten und aufgegebenen Kreisjugendzeltplatzes am Stockwieser Damm als Campingplatz und Ferienhausgebiet vom Kreis beziehungsweise einem Investor entwickelt und vergrößert wird. Die Grünen allerdings erhoben ein Veto: Sie sind gegen eine Erweiterung und wollen lediglich eine Darstellung als Sondergebiet „Camping und Wochenendplatz“ zulassen. Diesem Änderungsantrag folgten die anderen Parteien nicht.

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