Brigitte Neuberth bedauert, dass der Kinderschutzbund die Kinderkiste aufgeben muss. © Jürgen Wolter
Kinderkiste

Kinderschutzbund: Aus für die „Kunterbunte Kinderkiste“ Haltern

Der Kinderschutzbund Haltern muss seinen Kleiderladen „Kunterbunte Kinderkiste“ spätestens im Herbst schließen. Daran ist Corona nicht ganz unschuldig.

Er war mehr als 40 Jahre die Anlaufstelle für Eltern mit geringem finanziellen Budget, wenn sie für ihre Kinder Kleidung, Schuhe oder auch Bücher und Spiele suchten: der Kleiderladen, den der Kinderschutzbund Haltern unter dem Namen „Kunterbunte Kinderkiste“ führte. Jetzt ist in wenigen Monaten Schluss.

„Die Vereinskasse ist leer, wir sind in wenigen Monaten pleite“, sagt Brigitte Neuberth, seit 1997 erste Vorsitzende des Kinderschutzbunds Haltern.

Der Laden an der Lavesumer Straße 1d ist seit vielen Monaten wegen der Corona-Lockdowns geschlossen, konnte nur im September 2020 zwischenzeitlich noch einmal kurz öffnen. „Wir haben keine Einnahmen mehr, aber die Kosten laufen weiter“, sagt Brigitte Neuberth. Neben der Miete für das 100 Quadratmeter große Ladenlokal fallen auch noch erhebliche Nebenkosten an, vom Hausmeister über die Grünpflege bis hin zu Strom, Heizung und Entsorgungskosten.

Ladenlokal wird gekündigt

„Jetzt kommen wir an unsere Grenzen“, sagt Brigitte Neuberth. Der Vorstand des Kinderschutzbundes hat sich deshalb entschlossen, den Mietvertrag zu kündigen. „Spätestens im Herbst ist Schluss, wir wissen nicht genau, welche Kündigungsfrist wir aktuell einhalten müssen.“

Neben den Kosten spielt auch die Altersstruktur der Helferinnen und Helfer eine Rolle. „Wir sind alle zwischen 65 und 80 Jahre alt“, sagt Brigitte Neuberth. „Und leider findet sich kein Nachwuchs, wir bräuchten jüngere Leute, die hier mithelfen würden, um einen Übergang zu gewährleisten.“

Der Kinderschutzbund Haltern war im Dezember 1978 gegründet worden. Schwerpunkt der Arbeit war immer der Kleiderladen. Dort konnten gut erhaltene Kindersachen gespendet und von Kunden gegen eine Spende erworben werde. Zuletzt öffnete er drei Mal in der Woche.

Zusätzlich organisierte der Verein Aktionen zur Spielplatzumgestaltung, zum Babyschwimmen, bot Bastelnachmittage und Theaterfahrten an und unterstützte Kinder von Familien in Notsituationen unter anderem auch mit einer Hausaufgabenhilfe. Teilnahme an Feiern zum Weltkindertag im Trigon, am Weihnachtsmarkt oder beim Parkfest gehörten ebenfalls zu den Aktivitäten.

Vorsitzende tritt nicht mehr an

Der erste Kleiderladen fand zunächst im evangelischen Gemeindehaus statt, später gab es Stationen an der Weseler- und an der Münsterstraße. Danach war der Kleiderladen in den ehemaligen Pavillons am heutigen Berufskolleg untergebracht, bevor er 2005 im Landelokal an der Lavesumer Straße eingerichtet werden konnte, nicht nur als Laden, sondern auch als Treffpunkt.

Jetzt also das Aus nach über 40 Jahren. Ob der Verein mit seinen zurzeit 37 Mitgliedern noch weiterhin existieren wird, ist ebenfalls fraglich. Brigitte Neuberth will nicht mehr als Vorsitzende kandidieren. „Nur neue Leute und neue Spenden könnten jetzt noch etwas bewegen“, sagt sie.

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Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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