Kirchenasyl: Verfahren wird in Deutschland abgewickelt

Evangelische Gemeinde

Drei Monate Kirchenasyl sind vorbei: Die evangelische Kirchengemeinde Haltern hatte zwei junge Flüchtlinge aus dem Irak aufgenommen. Ihnen drohte die Rückführung in ein bulgarisches Flüchtlingslager. Jetzt gab es positive Nachrichten vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

HALTERN

, 03.11.2016, 16:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Kirchenasyl: Verfahren wird in Deutschland abgewickelt

Pfarrerin Regine Vogtmann, Theo Haggeney und Ellen Großekemper (v.l.) im Jugendbereich des Bodelschwinghhauses, in dem die beiden Iraker untergebracht waren.

Zum Hintergrund: Da die beiden Iraker auf ihrer Flucht zunächst in Bulgarien per Fingerabdruck registriert worden waren, hätte ihr Asylverfahren nach dem Dublin-Abkommen auch in diesem Land abgewickelt werden müssen. In Bulgarien waren sie aber nicht in einem Lager, sondern in einem Gefängnis untergebracht, unter menschenunwürdigen Bedingungen. Bei der Verlegung in ein weiteres Gefängnis flüchteten sie mit einer kleinen Gruppe und schlugen sich bis nach Deutschland durch.

Ende Februar erhielten sie den Bescheid zur „Rücküberstellung“, der die bulgarischen Behörden zugestimmt hatten. Beide besuchten zu diesem Zeitpunkt einen Sprachkurs bei der VHS Dülmen, Haltern, Havixbeck. Innerhalb eines halben Jahres, bis zum 19. August, hätte die Rücküberstellung stattfinden müssen. Der Rechtsanwalt der Brüder befürchtete aber, dass die beiden nicht nur nach Bulgarien zurückgeschickt, sondern aufgrund ihrer Flucht aus dem „Lager“ sofort ins Gefängnis kommen würden.

Daraufhin wandte sich die Dozentin an Pfarrerin Regine Vogtmann von der evangelischen Gemeinde in Haltern. Diese ebnete gemeinsam mit den Gemeindegremien den Weg, den beiden Irakern zur Überbrückung dieser Frist eine Bleibe im Bodelschwinghhaus in Flaesheim zu ermöglichen. Gleichzeitig wurden alle Schritte eingeleitet, das Asylverfahren nach Deutschland zu verlagern. Unterstützt durch zahlreiche Helfer aus der Gemeinde und dem Halterner Asylkreis und in Kooperation mit der Stadt Haltern verbrachten die Brüder deshalb drei Monate im Flaesheimer Kirchenasyl.

„Die Flüchtlinge begeben sich damit in einen geschützten, aber keineswegs rechtsfreien Raum“, erläutert Regine Vogtmann. Inzwischen haben beide Brüder vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) den Bescheid erhalten, dass ihr Asylverfahren jetzt in Deutschland abgewickelt wird. Sie wohnen jetzt wieder in der Unterkunft im Jägerhof in Flaesheim. „Da beide als kurdische Muslime aus der umkämpften Region um Mossul stammen, bestehen durchaus Chancen, dass sie als Asylbewerber anerkannt werden“, so Regine Vogtmann.

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