In den Halterner Kitas (hier ein Symbolbild) soll bald wieder der Regelbetrieb einsetzen. © picture alliance / dpa
Coronavirus

Kita-Öffnung: Halterner Eltern sind skeptisch – wünschen sich Perspektive

Ab Montag (22.2.) sollen die Kitas in NRW erste Schritte in Richtung Normalbetrieb wagen. Doch einige halten das für verfrüht. Wie stehen Eltern aus Haltern zu dem Thema? Ein Stimmungsbild.

Die Kindertagesstätten in Haltern bereiten sich darauf vor, der Empfehlung von NRW-Familienminister Joachim Stamp zu folgen. Ab Montag (22.2.) soll eine Phase anlaufen, in der die Betreuungseinrichtungen wieder für alle Kinder geöffnet sind. Der Appell, wenn möglich seine Kinder zu Hause zu betreuen, gilt dann nicht mehr.

Die Kinderbetreuungseinrichtungen sollen nun wieder für alle Jungen und Mädchen geöffnet werden. Der Regelbetrieb wird stufenweise aufgenommen. Erst eingeschränkt, später dann mit immer weniger Einschränkungen.

Aber ist das angesichts der aktuellen Inzidenz-Werte und der Probleme bei der Corona-Impfstoffbeschaffung in Deutschland ein kluger Schachzug der Politik? Einige Eltern sehen das skeptisch. „Obwohl der Inzidenzwert bei uns in Haltern ja vergleichsweise niedrig ist, habe ich ein mulmiges Gefühl“, sagt zum Beispiel Marc Heermann, dessen Kinder Bente und Jesper den Kindergarten St. Maria Magdalena in Flaesheim besuchen.

Kontrolle über das Virus

„Ich persönlich halte die Kitaöffnungen in diesem Umfang für verfrüht“, erklärt der Familienvater. „Aus meiner Sicht wäre es die bessere Strategie, den Inzidenzwert erst noch weiter nach unten zu drücken, um noch mehr Kontrolle über das Virus zu bekommen.“

Zugleich könne er aber auch genauso verstehen, dass sich viele Eltern im Hinblick auf die soziale Entwicklung der eigenen Kinder wieder mehr Kontaktmöglichkeiten wünschen. „Und vielen, die jetzt zugleich Home-Office und Kinderbetreuung leisten müssen, fällt vermutlich auch ein Stein vom Herzen.“

Experten warnen vor einer möglichen dritten Welle der Corona-Pandemie. Viele Virologen befürchten, dass durch zu schnelle Lockerungen die Zahl der Neuinfektionen in kurzer Zeit wieder drastisch steigen könnte und dann erneut alles auf Null gesetzt werden muss.

Diese Regeln gelten ab Montag für Kitas in NRW:

  • Das Betreuungsangebot in Kitas in NRW wird vorerst um zehn Stunden pro Woche gekürzt.
  • Kinder dürfen nur in festgelegten Gruppen in Kitas betreut werden.
  • Kranke Kinder dürfen nicht in die Kitas gebracht werden – zum Beispiel auch nicht bei einem leichten Schnupfen.
  • Einen uneingeschränkten Regelbetrieb in den Kindertagesstätten wird es nicht geben – solange die Erzieherinnen und Erzieher nicht geimpft sind und/oder das Infektionsgeschehen komplett nachlässt.
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kitas wird das Recht eingeräumt, sich regelmäßig auf Corona testen zu lassen.

„Ich glaube, dass insgesamt eine große Unsicherheit herrscht und eine echte Perspektive fehlt“, sagt Kristin Frentrop, deren Sohn Mats die Städtische Kita Conzeallee besucht. Sie und ihr Mann seien letztlich aus beruflichen Gründen auf eine verlässliche Betreuung angewiesen.

Nun wird das Betreuungsangebot jedoch vorerst um zehn Stunden pro Woche gekürzt, außerdem seien in der Städtischen Kita feste Bring- und Abholzeiten vorgegeben. „Wir müssen uns wieder neu aufstellen. Einfach ist das nicht. Die Verzweiflung wird insgesamt nicht geringer. Es ist ein Spagat.“

Von den gewählten Vertretern aus dem Jugendamtselternbeirat der Stadt wollte sich öffentlich niemand zur Situation äußern. Eine entsprechende Anfrage unserer Redaktion an die Pressestelle der Stadt blieb ohne Ergebnis.

Regelmäßig Testmöglichkeiten für Kita-Personal

Bei den Familien bestehe ein hoher Bedarf an Kinderbetreuung, weiß Cordula Borgsmüller, die sich als Verbundleitung um die Tageseinrichtungen für Kinder der Katholischen Kirchengemeinde St. Sixtus kümmert. Während des eingeschränkten Pandemiebetriebs in den vergangenen Wochen habe die Auslastung zwischen 30 bis 50 Prozent gelegen. „Ab Montag sind dann alle Kinder eingeladen die Kindertagesbetreuung zu nutzen“, sagt sie.

Die Betreuung werde zunächst im eingeschränkten Regelbetrieb stattfinden. „Es darf nur feste Gruppen geben und es bleibt bei der landesweiten Kürzung des Betreuungsumfangs um 10 Stunden pro Woche.“ Zur Unterstützung bei der Einhaltung der Hygienemaßnahmen sollen in den Einrichtungen weiterhin Alltagshelfer zum Einsatz kommen. „Für unser Personal wird es außerdem zwei Mal pro Woche die Möglichkeit geben, sich testen zu lassen.“

Über den Autor
Redaktion Haltern
1982 in Haltern geboren. Nach Stationen beim NRW-Lokalfunk, beim Regionalfernsehen und bei der BILD-Zeitung Westfalen 2010 das Studium im Bereich Journalismus & PR an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen erfolgreich beendet. Sportlich eher schwarz-gelb als blau-weiß orientiert. Waschechter Lokalpatriot und leidenschaftlicher Angler. Motto: Eine demokratische Öffentlichkeit braucht guten Journalismus.
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Daniel Winkelkotte
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