Klare Kante: „Touristen sollen zu Hause bleiben“ bedeutet Fremdenfeindlichkeit

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„Horden von Halbprimaten fallen ein“: Wütende Kommentare sind zum Verkehrschaos zu lesen. Wer keine Gäste in Haltern will, darf auch nicht in der Großstadt shoppen, meint unser Redakteur.

Haltern

, 03.07.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die sollen aus unserer schönen Stadt raus bleiben.“ - „Horden von Halbprimaten fallen bei uns ein.“ - „Bleibt doch zu Hause.“ Diese Kommentare waren in dieser Woche auf der Facebook-Seite unserer Redaktion zu lesen. Und es ging nicht einmal um Migrationspolitik. Sondern um Badegäste in Haltern am See.

Natürlich ist es ziemlich nervig, wenn man im Stau steht, wenn es an warmen Wochenenden auf den Halterner Straßen voll ist. Aber Kommentare wie die oben aufgelisteten zeugen von einer erschreckenden Fremdenfeindlichkeit. Nicht Rassismus oder Faschismus, aber es gibt ein anderes Wort für diesen Fall: Xenophobie. Laut Wikipedia „eine Einstellung, die Menschen aus einer anderen Region oder Gemeinde aggressiv ablehnt“.

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Im eigenen Garten sollen „die“ doch ein Planschbecken aufbauen, steht in den Facebook-Kommentaren. Abgesehen davon, dass es immer gefährlich ist, von „denen“ und „uns“ zu reden, ist diese Aussage außerdem absoluter Quatsch.

Offenbar kann sich der gut situierte Urheber solch eines Kommentars überhaupt nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die in Dachgeschosswohnungen ohne Balkon, geschweige denn Garten, leben. 45 Grad heiß wird’s in solchen Wohnungen, da müssen diese Leute einfach raus.

Es kann doch niemand eine Mauer an der Stadtgrenze wollen

Aber bloß nicht in unser schönes Haltern am See? Entschuldigung, aber das hört sich so an, als wolle man eine Mauer an der Stadtgrenze bauen. „Freizügigkeit im ganzen Bundesgebiet“ steht nicht ohne Sinn im deutschen Grundgesetz. Und außerdem leben viele Menschen in Haltern am See von den Touristen.

Vielleicht merken Sie schon: Hier schreibt einer, der in einer Großstadt des Ruhrgebiets aufgewachsen ist. Und ganz ehrlich: Wer keine auswärtigen Gäste in Haltern am See haben möchte, dem möchte ich auch verbieten, zum Shopping, zum Fußball und zu Konzerten in die Großstadt zu fahren.

Dort nehmen Sie dann nämlich den Anwohnern wertvolle Parkplätze weg, wenn Sie die Kosten für Parkhäuser sparen wollen. Dort in den Innenstädten gibt es kaum Parkplätze auf Privatgrundstücken, anders als an den allermeisten Wohnhäusern in Haltern am See.

Liebe Halterner, diese fünf bis sechs heißen Wochenenden im Jahr werden Sie auch mit etwas Verkehrschaos überleben. Die Alternativen wären theoretisch neue Umgehungsstraßen und Parkhäuser an den Seen. Die will schließlich erst recht niemand.

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