Schon im vergangenen Jahr mussten die Halterner Schülerinnen und Schüler auf Klassenfahrten verzichten. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Klassenfahrt

Klassenfahrten trotz Corona? Halterner Schulleiter sind sich einig

Schon im vergangenen Jahr mussten Schüler auf Klassenfahrten verzichten. Wird es in diesem Jahr möglich sein? Die weiterführenden Schulen in Haltern haben bereits eine Entscheidung getroffen.

Für viele Schüler ist es das Highlight der Schulzeit: Klassenfahrten. Doch in Corona-Zeiten ist gerade das Reisen schwierig. An den weiterführenden Schulen in Haltern am See wurden deshalb für dieses Halbjahr alle Klassenfahrten abgesagt.

„Wir hoffen, dass sich zum Frühjahr die Lage entspannt“, sagt Ulrich Wessel, Schulleiter des Joseph-König-Gymnasiums. „Dann wollen wir die Klassenfahrten scheibchenweise nachholen.“ Alle Fahrten können aber nicht nachgeholt werden. Eine Fahrt für den Abiturjahrgang würde beispielsweise mit den Klausurterminen der Abi-Prüfungen kollidieren.

Außerdem würden die Reisekostenmittel nicht komplett ausreichen, um alle Schüler auf Klassenfahrt zu schicken. „Das Geld, was wir dieses Jahr nicht ausgegeben haben, kann leider nicht mit ins nächste Jahr übernommen werden“, erklärt Schulleiter Wessel. „Auch wenn das Budget nur ein untergeordnetes Argument ist.“

Schulleiter Wessel: „Ich möchte es nicht verantworten“

Das Hauptargument, warum die Klassenfahrten für dieses Jahr gestrichen wurden: „Ich möchte es nicht verantworten“, so Wessel. „In der Schule sitzen die Schüler mit Mundschutz in einem Klassenzimmer. Auf einer Klassenfahrt nach Borkum würden sie ungeschützt eng zusammen in einem Zimmer schlafen. Das möchte ich auch nicht meinen Kollegen zumuten.“

Ulrich Wessel, Schulleiter des Joseph-König-Gymnasiums, hofft, Klassenfahrten im Frühjahr nachholen zu können.
Ulrich Wessel, Schulleiter des Joseph-König-Gymnasiums, hofft, Klassenfahrten im Frühjahr nachholen zu können. © Jürgen Wolter (Archiv) © Jürgen Wolter (Archiv)

Deswegen werden die Fahrten erst einmal auf das zweite Halbjahr verschoben. Und auch dann soll der Aktionsraum auf Deutschland beschränkt werden.

Wie die Corona-Regeln aussehen würden, wenn eine Fahrt umgesetzt werden kann, bleibt ungewiss. Ob die drei Gs gelten, also geimpft, genesen und getestet, oder nur geimpfte und genesene Schülerinnen und Schüler (2G) mitfahren dürfen, „das muss man dann sehen“, sagt Wessel. „Alles andere ist Kaffeesatz-Leserei.“

Umsetzung der 2G-Regel ist auf Klassenfahrten nicht zulässig

Andere Schulen im Kreis Recklinghausen sehen da schon klarer. Zum Ärgernis einiger Eltern. Christina Wach hat zwei Töchter. Die Ältere (17) geht auf die Schule in Recklinghausen, die Jüngere (14) auf das Gymnasium in Haltern. In Recklinghausen sind bereits Klassenfahrten geplant.

Im nächsten Jahr soll es für die ältere Tochter mit ihrer Recklinghauser Schulklasse nach Hamburg gehen, jedoch unter einer Voraussetzung: Nur geimpfte und genesene Schülerinnen und Schüler dürfen teilnehmen. „Es gibt keine Impfpflicht in Deutschland, aber das ist ein Ruck in die Richtung“, sagt Christina Wach. „Ich finde es nicht richtig, das über die Schiene zu machen.“

Außerdem ist die Anwendung der 2G-Regel für Klassenfahrten nicht zulässig. Nach der Corona-Betreuungsverordnung NRW gilt die 3G-Strategie für die Teilnahme an schulischen Veranstaltungen. Zu schulischen Veranstaltungen zählen auch Klassenfahrten, die während des regulären Unterrichtzeitraums stattfinden.

„Und zwar auch in den Fällen, in denen die Teilnahme freiwillig ist“, heißt es aus dem Schulministerium. „Der Teilnehmerkreis bei Schulfahrten darf also nicht auf vollständig geimpfte oder genesene Schülerinnen und Schüler beschränkt werden.“ Falls Schulen doch eine 2G-Regel für schulische Veranstaltungen anwenden, wird das durch die Schulaufsicht geprüft.

Vor den Sommerferien wurden Klassenfahrten bereits storniert

An der Alexander-Lebenstein-Realschule in Haltern am See wurden bereits vor den Sommerferien alle Klassenfahrten für das erste Halbjahr gestrichen. Das lag an den Stornobedingungen der Reiseanbieter. „Die Kosten hätten wir sonst tragen müssen“, sagt Schulleiter Frank Cremer. „Die Lage vor den Ferien erschien uns so, dass wir das Risiko einer Klassenfahrt nicht eingehen können.“

Schulleiter Frank Cremer hat bereits vor den Sommerferien Klassenfahrten für dieses Halbjahr storniert.
Schulleiter Frank Cremer hat bereits vor den Sommerferien Klassenfahrten für dieses Halbjahr storniert. © Jürgen Wolter (Archiv) © Jürgen Wolter (Archiv)

Genau wie am Gymnasium sollen auch an der Realschule die Klassenfahrten im kommenden zweiten Halbjahr nachgeholt werden. Dann sollen, so hofft der Schulleiter, sowohl Klassenfahrten innerhalb Deutschlands als auch Austauschfahrten mit Partnerschulen in den Niederlanden und Frankreich stattfinden können.

Bis es soweit ist, sollen vermehrt Tagesausflüge stattfinden. „Viele Klassen fahren in den Kletterwald“, sagt Frank Cremer. „Durch solche Aktionen kommt der Teamgeist der Klassen nach der langen Schulschließung wieder in Gang.“

Anbieter stornieren Tagesausflüge wegen Mitarbeitermangel

Die Stärkung des Teamgeistes steht auch bei der Joseph-Hennewig-Schule an oberster Stelle. Deswegen sind vermehrt Tagesausflüge geplant. Aber auch dort steht die Hauptschule vor einem Problem: Bei vielen Anbietern mangelt es an Mitarbeitern.

Schulleiterin Dagmar Perret setzt vermehrt auf Tagesausflüge für ihre Schülerschaft, um den Teamgeist zu stärken.
Schulleiterin Dagmar Perret setzt vermehrt auf Tagesausflüge für ihre Schülerschaft, um den Teamgeist zu stärken. © Silvia Wiethoff (Archiv) © Silvia Wiethoff (Archiv)

„Wir müssen sehen, was man noch bekommen kann“, sagt Schulleiterin Dagmar Perret. „Ein Angebot für die Klassen 6 wurde jetzt abgesagt. Jetzt versuchen wir Alternativen zu finden.“

Längere Klassenfahrten sind nicht geplant. Das sei auch noch kein Thema, auch nicht bei den Eltern. „Andere Dinge sind im Moment wichtiger“, erklärt Dagmar Perret. „In der Zeit des Distanzlernens gab es Schüler, die ‚abgetaucht‘ sind und mit der Situation nicht zurechtkamen. Das müssen wir erst mal wieder ins Lot bringen. Danach kann man sich dann dem Klassenfahrts-Thema widmen.“

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In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
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