„Kneipenleben ist tot“: Neue Pläne für die Flaesheimer Traditionskneipe „Zum Dorfkrug“

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Die Gaststätte „Zum Dorfkrug“ hat das dörfliche Leben in Flaesheim jahrelang geprägt. In den letzten Jahren stand sie allerdings leer. Jetzt wird die Immobilie verkauft.

Flaesheim

, 10.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Theke ist blankgeputzt, das Regal dahinter mit Bierkrügen, Wein und Spirituosen gefüllt. Daneben sind Biergläser griffbereit aufgestellt, als sollten sie jeden Moment gefüllt werden. Ein Bierdeckel klemmt an der Scheibe des Vitrinenschranks und erinnert an eine offene Rechnung. Der Geruch von abgestandenem Zigarettenrauch liegt in der Luft. Am Tresen sind die Barhocker ordentlich aufgereiht. Alles hier im Dorfkrug in Flaesheim erweckt den Eindruck, als ob die Gaststätte gleich öffnet. Dabei ruht der Betrieb schon seit vielen Jahren. Und das bleibt auch so. Denn für die Immobilie, die eineinhalb Jahre lang zum Verkauf stand, hat sich jetzt ein Interessent gefunden.

Kneipe als Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens

Aktuell ist Ralf Pluta noch Eigentümer des 1900 erbauten Hauses an der Flaesheimer Straße. Seine Eltern Friedhelm und Rosemarie Pluta hatten das Gasthaus „Zum Dorfkrug“, das seit 1954 vom Ehepaar Brathe geführt worden war, 1975 übernommen und zunächst gepachtet, später dann gekauft. „Früher ging man nach der Arbeit erstmal in die Kneipe“, erinnert sich Sohn Ralf. Frikadellen, Schinkenplatten, Tiroler Speck und Schnitzel - „an guten Tagen bis zu 250 Essen“ - gingen über die Theke. Und natürlich viel Schnaps und Bier. Damals war die holzvertäfelte Thekensäule gespickt mit Bierdeckeln.

In der Gaststätte "Zum Dorfkrug" in Flaesheim spielte sich das gesellschaftliche Leben des Halterner Ortsteils viele Jahre lang ab.

In der Gaststätte "Zum Dorfkrug" in Flaesheim spielte sich das gesellschaftliche Leben des Halterner Ortsteils viele Jahre lang ab. © Ingrid Wielens

Die Mitglieder der Bärenkompanie des Schützenvereins, des Fußballvereins, des Taubenvereins und des Heimatvereins trafen sich hier regelmäßig. Und eben das ganze Dorf. Es gab viele spontane Feiern. Es wurden Karten gekloppt. Und es wurde gequatscht. Die Kneipe stand im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Radtouristen aus dem Ruhrgebiet kehrten an den Wochenenden ein, machten Rast im Biergarten mit 50 Sitzpätzen.

„Das Kneipenleben ist tot“

„Das waren noch wirklich gute Zeiten“, sagt Ralf Pluta. Bis 1995 führten seine Eltern den Betrieb gemeinsam. Nach dem Tod ihres Ehemanns machte Gastwirtin Rosemarie Pluta alleine weiter. Bis 2002, als sie das Gasthaus aus Altersgründen schließen musste.

„Heutzutage ist das Kneipenleben tot“, sagt Ralf Pluta. Der 61-Jährige, der in der Kneipe quasi aufwuchs und später in seiner Jugend häufig bei seinen Eltern aushalf, muss es wissen.

Denn 2005 hatte er noch einmal versucht, den Dorfkrug zu neuem Leben zu erwecken. „Das hat sich aber nicht mehr rentiert“, zieht er Bilanz. Hauptberuflich bei Evonik tätig, stand er spätnachmittags und sonntags hinter der Theke. „Das war einfach alles zuviel“, erinnert sich Ralf Pluta. 2009 wurde die Traditionskneipe endgültig geschlossen. Seitdem fanden vereinzelt noch private Feiern in der knapp 80 Quadratmeter großen Gaststätte statt. Auch ein Hundesalon hatte sich zwischenzeitlich dort eingerichtet.

Hausverkauf als letzte Alternative

Oben im ersten Stock des Hauses wohnt Ralf Plutas Sohn Mike. Für den 36-jährigen Monteur kam es nie in Frage, Kneipier zu werden. „Ich habe ja hautnah mitbekommen, was es heißt, Gastwirt zu sein“, sagt er.

Ein Bierdeckel klemmt am Vitrinenschrank hinter der Theke - als ob morgen ganz normal wieder geöffnet würde.

Ein Bierdeckel klemmt am Vitrinenschrank hinter der Theke - als ob morgen ganz normal wieder geöffnet würde. © Ingrid Wielens

Auch er packte in der Kneipe mit an. Arbeiten, wenn andere frei haben, bis spät in die Nacht und das bei mäßigem Verdienst - nein, das sei nicht sein Ding. „Also habe ich mich entschlossen, das Haus zu verkaufen“, sagt sein Vater. Ein Käufer hat sich nach langer Suche nun endlich gefunden.

Abriss nicht geplant

Noch will Ralf Pluta nicht verraten, um wen es sich bei dem Interessenten handelt. Die in die Jahre gekommene Immobilie solle auf jeden Fall erhalten bleiben und renoviert werden. Ein Schicksal wie das des Jägerhofs gleich nebenan, der abgerissen wird und seniorengerechten Wohnungen weichen muss, drohe dem Dorfkrug nicht, verspricht Pluta. „Die Räumlichkeiten werden privat genutzt.“ Überlegt werde lediglich, ob ein Teil parterre möglicherweise als Büroraum vermietet werden solle. Eins sei aber ganz bestimmt klar: Eine Kneipe an der Flaesheimer Straße 362 werde es nie wieder geben.

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