Ein spektakuläres Foto aus Lavesum: Der Recklinghäuser Naturfotograf Christian Henrich ist sicher, dass er einen echten Wolf vor der Kameralinse hatte. Die Wildtiere sind nachtaktiv und menschenscheu, Begegnungen am Tag sind äußerst selten. © Christoph Henrich
Prüfung durch Lanuv

Kommt der Wolf jetzt Haltern näher? – Ein Foto aus Lavesum

Hat sich jetzt ein Wolf das Truppenübungsgelände Lavesum als Revier ausgesucht oder war er nur auf dem Durchmarsch? Christoph Henrich ist sicher, dass er ihn erwischt hat. Mit der Kamera.

Wölfe lieben ruhige Rückzugsräume, das Truppenübungsgelände in Lavesum wäre für sie ein prädestiniertes Revier. Hat es nun tatsächlich einen Wolf dorthin verschlagen? Christoph Henrich könnte das Beweisfoto dafür haben.

Morgens um 9 Uhr wartet der Naturfotograf in der Heubachniederung nahe des Torfvennteichs auf schöne Motive. Er will drei junge Steinkäuze in ihrem Nest fotografieren. Dass er an diesem Tag eine Begegnung der besonderen Art haben würde, ahnt er nicht.

Ein Foto aus dem rollenden Tarnzelt heraus

„Plötzlich tauchte ein Wolf auf“, schildert er seine Beobachtungen. Der 56-Jährige ist ziemlich sicher, dass es tatsächlich ein Wolf war. „Erst hat er mich gar nicht gesehen, dann ist er stehen geblieben und hat unbewusst direkt in meine Kamera geschaut“, erzählt Christoph Henrich, der 150 Meter entfernt in seinem rollenden Tarnzelt, seinem Auto, saß. Erst durch das Klicken der Kamera habe der Wolf gemerkt, dass er hier in der Lavesumer Natur nicht allein war. Christoph Henrich berichtet, der Wolf sei aus Richtung des Merfelder Bruchs gekommen.

„Das war ein einmaliges Erlebnis“, ist der Recklinghäuser noch sehr beeindruckt von seiner morgendlichen Fotopirsch. Seit zehn Jahren widmet sich der selbstständige Kaufmann der Naturfotografie, „einen Wolf habe ich noch nie in freier Natur gesehen. Das war ein Highlight!“

Fachleute sollen nun letzte Gewissheit bringen

Seine am 11. Juni auf dem ehemaligen Militärgelände gemachten Fotos hat er vor zwei Tagen dem Landesamt für Naturschutz zur Verfügung gestellt. Die Fachleute sollen nun letzte Gewissheit bringen, dass Christoph Henrich tatsächlich einem Wolf begegnet ist. „Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis.“

In Halterns Nachbarschaft, in Schermbeck, wurden 2018 die ersten Wölfe gesichtet. Schon 1996 sind die Wildtiere von Polen gekommen, dann nach Niedersachsen gezogen und 2020/21 erstmals in Nordrhein-Westfalen aufgetaucht. Hier ist nach Auskunft von Niels Ribbrock (Biologische Station Kreis Recklinghausen) mit weiteren Reviergründungen zu rechnen. 1200 bis 1400 Rudel verträgt Deutschland, deutschlandweit gibt es laut Ribbrock aktuell rund 300. Auch in der Hohen Mark wurde der Wolf gesichtet, aber aktuell hält er sich dort nicht auf, ist Niels Ribbrock sicher.

Nahrungserwerb ist für den Wolf anstrengend

Werden junge Wölfe geschlechtsreif, müssen sie den Familienverband verlassen. Folglich suchen sie sich ein neues Revier, gern auch in der Nähe der Eltern.

Wölfe brauchen ruhige Räume, oft werden ihnen in Deutschland enge Grenze durch Autobahnen (wie die A 31), Kanäle oder Flüsse gesetzt. Ein Wolf kann mühelos weite Strecken laufen, ohne viel Energie aufwenden zu müssen. Mit seiner Energie muss er gut haushalten, weil der Nahrungserwerb sehr anstrengend ist, erläutert Niels Ribbrock. Der Wolf ist geschützt und darf nicht bejagt werden. Daten über ihn werden unter www.wolf.nrw.de gesammelt und öffentlich zugänglich gemacht.

Die Wolfsbeauftragte des Nabu, Katharina Stenglein, hält es für möglich, dass Christoph Henrich tatsächlich einen Wolf getroffen hat. Der Lanuv hat zunächst die Meldung von Christoph Henrich aufgenommen, schickt aber noch niemanden vor Ort, wie es hieß, um Losungen zu suchen. Der Wolf bewege sich, es sei sehr unwahrscheinlich, ihn zu finden.

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Elisabeth Schrief

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