Konsens und Kritik: Ortskern von Lavesum schützen, keine Windräder in Hullern

hzAusschuss Stadtentwicklung

Windräder in Hullern wollen nur die Grünen, ein einheitliches Dorfbild in Lavesum alle Parteien. Vor vollen Zuhörerrängen gab es im Ausschuss nicht nur versöhnliche Töne.

Haltern

, 28.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei wichtige Themen im Ausschuss Stadtentwicklung und Umwelt waren das neue Lavesumer Wohngebiet „Am Schafstall“ sowie der geplante Bau von zwei Windrädern am Eingang von Hullern. In beiden Ortsteilen herrscht ein diffuses Unbehagen, entsprechend voll war der Ratssaal am Donnerstagabend.

In Hullern beantragt eine Gesellschaft mit Sitz in Bremen den Bau von zwei 241 Meter hohen Windenergieanlagen - fast 100 Meter höher, als die vor Jahren im Rahmen der Windvorrangzonen-Planung faktisch akzeptierten, dann aber doch nie gebauten vier Anlagen. In Hullern regt sich großer Widerstand, weil - so die Kritik - der Mindestabstand zur Wohnbebauung weniger als 700 Metern beträgt und Windräder die Entwicklung des von den Hullernern gewünschten Baugebietes Buttstraße in Frage stellen.

Kreis soll die geplanten Anlagen zurückstellen

CDU, SPD, Wählergemeinschaft und FDP wollen wie die Bürgerinitiative „Ein Herz für Hullern“ aus diesen Gründen keine neuen Windräder. CDU und SPD hatten das schon zuvor durch Anträge untermauert. Die Ausschuss-Mitglieder beschlossen Donnerstagabend mehrheitlich, die Stadt möge beim Kreis als Genehmigungsbehörde beantragen, die geplanten Anlagen zurückzustellen, außerdem solle sie das vom Kreis angefragte Einvernehmen versagen. Die Grünen trugen diesen Beschluss nicht mit.

„Alle Bemühungen einer zukünftigen Dorfentwicklung werden konterkariert“, kritisierte Dr. Heinz-Werner Vissmann (WGH) aus Hullern. Außerdem werde angesichts der mangelnden Abstände das Gebot der Rücksichtnahme missachtet. Dieser Argumentation wollte Michael Zimmermann (Grüne) nicht folgen.

„Steuereinnahmen kann Haltern gut gebrauchen“

Die Grünen halten die Anlagen durchaus für genehmigungsfähig; „Wir können nicht auf Landes- und Bundesebene für die Energiewende eintreten, vor Ort aber den dafür notwendigen Bau von Windenergieanlagen verhindern.“ Die Planung eines neuen Wohngebietes sieht er nicht gefährdet. Zusätzlich verwies Zimmermann auf die Gewerbesteuereinnahmen, die Haltern gut gebrauchen könne. Deshalb sollten sich Verwaltung und Politik aktiv an der Suche nach Standorten und Beteiligungsmöglichkeiten durch Energiegenossenschaft oder Stadtwerke beteiligen. Scharf kritisierte er die Bürgerinitiative.

Diese hatte in einem Leserbrief in der Halterner Zeitung Politikern wie Verwaltung vorgeworfen, die Bürger systematisch und immer dreister zu verballhornen. Zudem hatte sie „Verständnis dafür gezeigt, dass Bürger eine Alternative für dieses System“ suchen. „Ich kenne kein besseres System als den demokratischen Rechtsstaat und habe kein Verständnis für diese verbale Entgleisung“, sagte Zimmermann auch mit Blickrichtung ins Publikum.

Mehr Einsatz auch für Lavesum gewünscht

Einen Seitenhieb auf die Parteien teilte Oliver Bussmann (FDP) aus, der in Lavesum rund 500 Meter von einem Windrad entfernt wohnt und unter Schattenschlag leidet. „Damals hätte ich mir einen solchen Einsatz wie jetzt für Hullern auch von der CDU und SPD in Lavesum gewünscht“, sagte er deutlich.

Geschlossenheit zeigten die Parteien aber, als es um die Gestaltung des Ortskerns von Lavesum ging. Auf Antrag der CDU wird der Bebauungsplan „Am Schafstall“ inklusive Gestaltungssatzung ausgedehnt auf das Biko-Markt-Grundstück (hier ist laut CDU eine massive zweieinhalbgeschossige Bebauung geplant) bis hin zur alten Gaststätte Haus Eggebrecht. Sämtliche Bauanträge sollen nun bis zur Genehmigung des Bebauungsplanes zurückgestellt werden. „Wir wollen eine geordnete dörfliche Entwicklung“, begründete Andreas Stegemann den Antrag der CDU-Fraktion.

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