Die Halterner Innenstadt könnte künftig wegen der neuen Regelungen wieder menschenleer sein. © Niklas Berkel

Kreis beschließt Notbremse ab 200: Diese Regeln gelten dann in Haltern

Mit dem Übertreffen einer Corona-Inzidenz von 200 im Kreis Recklinghausen kommen neue Regeln auf die Halterner Bevölkerung zu. Damit könnten fast alle Lockerungen zurückgenommen werden.

Es war knapp, aber mit Stand von Freitag (16.4.) hat der Kreis Recklinghausen eine Inzidenz von 200 noch nicht überschritten. Bei 189,9 lag der Wert laut Landeszentrum für Gesundheit NRW (LZG). Damit ist der Wert in den vergangenen Tagen sprunghaft gestiegen: Am Montag war noch ein Wert von 145,4 übermittelt worden.

Auf die Entwicklung des rasanten Anstiegs hat der Kreis nun mit einer Notbremse reagiert. Diese Regelungen gelten ab dem 16. April im gesamten Kreisgebiet. Dort heißt es: „Wenn die kreisweite Sieben-Tage-Inzidenz den Wert 200 drei Tage in Folge überschreitet, gilt ab dem übernächsten Tag die Notbremse im Kreis Recklinghausen.“

Click & Meet nicht mehr möglich

Konkret hieße das: Sollte der Kreis am Samstag (17.4.) den Inzidenz-Wert von 200 überschreiten und dann an drei aufeinanderfolgenden Tagen bei einem Wert von über 200 bleiben, würde die Notbremse ab Mittwoch (21.4.) gelten. Das bestätigte Pressesprecherin Lena Heimers am Freitagvormittag (16.4.).

Wenn die Notbremse greift, ist es dann im Kreisgebiet nicht mehr erlaubt, mit einem negativen tagesaktuellen Testergebnis Kultur- und Freizeiteinrichtungen oder Geschäfte zu besuchen. „Weiterhin möglich ist das Abholen von Einkäufen per Click and Collect“, teilt der Kreis mit. Das Einkaufen per „Click & Meet“ wäre also abgeschafft.

„Wir sind gezwungen zu handeln“

Körpernahe Dienstleistungen, bei denen der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, sind mit Erreichung der 200er-Grenze untersagt – mit Ausnahme von medizinisch notwendigen Leistungen und Frisör-Dienstleistungen. Kosmetik- oder Nagelstudios müssten also wieder schließen.

„Mit Blick auf die stetig steigende Inzidenz und vor allem auf die geringen freien Kapazitäten auf den Intensivstationen sehen wir uns gezwungen, zu handeln“, erklärt Landrat Bodo Klimpel.

Er ergänzt: „Wir wissen, dass die dauerhaften Einschränkungen an den Nerven zehren, aber mit dieser neuen Welle gilt es erneut, sich zurückzunehmen und Kontakte auf das Notwendigste zu beschränken. Nur gemeinsam können wir eine Überlastung des Gesundheitssystem verhindern.“

Halterns Bürgermeister Andreas Stegemann sieht die Notbremse des Kreises, die zuvor mit allen Bürgermeistern abgestimmt wurde, positiv: „Aufgrund der hohen Infektionszahlen und sinkenden Anzahl an Intensivbetten ist es der einzig richtige Weg, diese sinnvollen Maßnahmen zu ergreifen.“

„Wünschen uns eine überregionale Lösung bei der Ausgangssperre“

Zum Thema Ausgangsbeschränkungen hat sich der Kreis Recklinghausen bisher noch nicht geäußert. Zwar beschäftigt sich der Krisenstab mit der Ausgangssperre. „Aber sie ist eines der letzten Mittel, weil es die größte Einschränkung für die Menschen darstellt“, sagt Pressesprecherin Lena Heimers.

Zudem erklärt sie, dass der Kreis lediglich Allgemeinverfügungen erlassen kann – das niedrigste rechtliche Mittel, was es gibt. Darüber kommen Verordnungen und Gesetze. „Daher ist es für den Kreis schwierig, eine Ausgangsbeschränkung zu veranlassen. Andere Kommunen haben bereits Ausgangssperren verhängt, sind jedoch im Anschluss vom Gericht aufgefordert werden, diese wieder zu aufzuheben. Daher wünschen wir uns immer eine überregionale Lösung“, sagt Heimers.

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Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad