Land bremst Kreis wegen Corona-Initiative für Haltern aus

hzCoronavirus

Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie auch in Haltern hatte der Kreis Recklinghausen für einzelne Kommunen gefordert. Die bisher beispiellose Initiative ist vom Land abgelehnt worden.

Haltern

, 02.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stimmung im Recklinghäuser Kreishaus ist zurzeit nicht die allerbeste: Mit Kritik hat Landrat Cay Süberkrüb auf die ablehnende Haltung des Landes im Zusammenhang mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus reagiert. Hierfür hatte sich Süberkrüb stark gemacht, weil die Inzidenzwerte in einzelnen Kommunen, darunter Haltern und Gladbeck, bedrohlich steigen.

Höchste Zeit, aktiv zu werden

So beläuft sich die Inzidenz, also die Zahl der Neu-Infektionen der letzten sieben Tage pro 100.000 Einwohner, in Haltern am See auf knapp 35, genauer: 34,2. In Gladbeck liegt der entsprechende Wert sogar bei 59,5. „Höchste Zeit, aktiv zu werden“, erklärte Kreissprecherin Lena Heimers am Donnerstag auf Anfrage. Doch um weitere Schutzmaßnahmen anordnen zu können, fehlt dem Kreis Recklinghausen auch weiterhin die rechtliche Handhabe. Dabei ist Landrat Süberkrüb „sicher, dass etwas getan werden muss“.

Zum Hintergrund: Solange die Inzidenz den vom Land festgelegten Schwellenwert 35 bzw. für weitere Maßnahmen 50 kreisweit nicht erreicht, hält NRW an der bestehenden Coronaschutzverordnung und der damit verbundenen Vorgehensweise fest. Beim Schwellenwert 35 werden weitere Absprachen mit dem Landesamt für Gesundheit und der Bezirksregierung getroffen, beim Schwellenwert 50 wird direkt das NRW-Gesundheitsministerium kontaktiert.

Andere Bewertung für Ballungsräume gefordert

Der Kreis Recklinghausen mit seinen über 600.000 Einwohnern und seiner Lage an Ruhrgebiet und Münsterland fordert aber, die Region als Ballungsraum „anders zu bewerten als andere, beispielsweise ländlichere Regionen Nordrhein-Westfalens“. Befürchtet wird: Ist die Zahl der Infektionen in einer Kommune besonders hoch, kann dieser Zustand schnell auch auf andere angrenzende und nahe liegende Kommunen übergreifen. Daher seien punktuelle Maßnahmen erforderlich.

„Ich bedauere sehr, dass das Land diese Einschätzung nicht teilt“, erklärte Cay Süberkrüb. Er hatte gehofft, mit Genehmigung aus Düsseldorf eine Allgemeinverfügung für weitere Maßnahmen anordnen zu können.

Das Infektionsgeschehen zeigt im Kreis sehr unterschiedliche Ausmaße. Ein Beispiel: Während es in Waltrop derzeit nur zwei aktive Infektionen gibt, sind es in Gladbeck 70. „Der Inzidenzwert für den gesamten Kreis liegt bei 23,9 und zeichnet ein verzerrtes Bild“, sagt Süberkrüb. „Wir und auch die Städte Gladbeck und Haltern können dem Bürger nicht plausibel erklären, warum nichts unternommen wird, um die Infektionen einzudämmen.“

Maskenpflicht und Teilnehmerbegrenzung bei Feiern

Vorschläge für weitere Maßnahmen im Falle grünen Lichts aus Düsseldorf lägen bereits parat, hieß es. Dazu zähle neben einer weiteren Begrenzung von Teilnehmern bei Feiern auch die Rückkehr zur Maskenpflicht an Schulen. „Ich habe bereits Ende August darauf hingewiesen, dass ich es für nicht verantwortlich halte, die Maskenpflicht in Schulen zurückzunehmen“, betonte der Landrat.

Lesen Sie jetzt