Als Landrat hat Bodo Klimpel, vormals 16 Jahre Bürgermeister von Haltern, jetzt sein Büro im Kreishaus an der Kurt-Schumacher-Allee in Recklinghausen. © Elisabeth Schrief
Chef im Kreishaus

Landrat Bodo Klimpel: Ein bisschen Haltern und viele neue Pläne

Nach 16 Jahren als Bürgermeister suchte Bodo Klimpel eine neue Herausforderung. Er bewarb sich als Landrat, wurde gewählt und hat nun sein Büro im Kreishaus. Etwas von Haltern vermisst er.

Sein neues Büro in der zweiten Etage des Recklinghäuser Kreishauses kennt Bodo Klimpel seit 20 Jahren. Damals besprach er als Stadtkämmerer Halterns hier in Begleitung von Bürgermeister Josef Schmergal mit Landrat Hans-Jürgen Schnipper und der Kommunalaufsicht die sich dramatisch verschlechternde Haushaltslage Halterns. Dass Bodo Klimpel Jahre später Schnipper beerben würde, ahnte er natürlich noch nicht.

In zwei Schritten näherte er sich der neuen Position. Vom Kämmerer zum Bürgermeister, vom Bürgermeister zum Landrat: „Ich bin 56 und möchte noch einmal etwas anderes machen“, mit diesem Satz erklärte er seine Kandidatur bei den Kommunalwahlen im September 2020. Nicht im ersten, aber im zweiten Anlauf – bei der Stichwahl – schaffte er die Mehrheit. „Ich fühle mich hier sehr wohl, auch, weil ich ausgesprochen freundlich aufgenommen wurde“, sagt Bodo Klimpel bei einem Besuch der Halterner Zeitung im Kreishaus.

„Das Büro ist eigentlich viel zu groß“

Ein bisschen Haltern hat er mitgenommen zu seinem neuen Arbeitsplatz: Ein auf Leinwand gezogenes Bild von der Lippedeich-Baustelle in Lippramsdorf, eine Collage mit Fotos von öffentlichen Auftritten als Bürgermeister, ein Erinnerungsbild vom Benefiz-Fußballspiel Stadtverwaltung gegen Presse, private Fotos und ein Deutschlandstühlchen. Das Büro ist groß, „eigentlich viel zu groß“.

Bodo Klimpel wurde am 3. November 2020 als neuer Landrat im Kreis Recklinghausen vereidigt.
Bodo Klimpel wurde am 3. November 2020 als neuer Landrat im Kreis Recklinghausen vereidigt. © Kreis Recklinghausen © Kreis Recklinghausen

Regale, Schränke, Konferenztisch und Schreibtisch füllen es aus. Alles unaufgeregt und funktional. Die lange Fensterfront gibt den Blick auf den Konrad-Adenauer-Platz frei. Auf ihm gastierte sonst traditionell einmal im Jahr der Roncalli-Zirkus, seit dem 15. Dezember steht dort das Impfzentrum.

Im Rahmen der Sanierung des Kreishauses – wofür im Sommer der Finanzierungsbeschluss gefasst wird – soll das Büro kleiner werden. Bodo Klimpel ist es recht. Was soll auch gerade er sagen, der sich so vehement gegen einen zunächst favorisierten teuren Neubau des Kreishauses ausgesprochen hatte. Seit jeher mahnt er den Kreis, „seine“ Städte nicht überzustrapazieren.

Jeder Arbeitstag im Kreishaus beginnt um 7.15 Uhr

„Die Kreisstädte dürfen nicht überlastet werden“, lautet Klimpels Credo seit Bürgermeisterzeiten. Er ist froh, dass es für sie über den Kreis nun eine 170-Millionen-Euro-Entlastung gibt, weil der Bund Hartz IV-Kosten übernimmt. „Städte müssen ihre wirtschaftlichen Handlungsfähigkeiten behalten“, sagt der ausgewiesene Finanzexperte. Und: „Wir müssen uns auf Dinge reduzieren, die wirtschaftlich erforderlich sind.“ Dazu gehöre kein überdimensioniertes Büro.

Statt auf den Halterner Galen-Park blickt Bodo Klimpel von seinem Schreibtisch aus nun auf den Konrad-Adenauer-Platz, wo das Impfzentrum aufgebaut wurde.
Statt auf den Halterner Galen-Park blickt Bodo Klimpel von seinem Schreibtisch aus nun auf den Konrad-Adenauer-Platz, wo das Impfzentrum aufgebaut wurde. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

Das betritt er jeden Morgen um 7.15 Uhr. Denn um 8 Uhr tagt der Corona-Krisenstab, Bodo Klimpel will sich vorab über die neuesten Zahlen informieren. Momentan ist die Organisation der Pandemie-Bekämpfung seine Hauptaufgabe. Das belgische Fernsehen war bei ihm: Eine Recklinghäuser Firma mit belgischem Hintergrund hat das Impfzentrum aufgebaut.

„Der Sender hat uns wirklich auf die Finger geschaut, jede Ecke gefilmt, jeden Schritt erklären lassen, um anschließend im Bericht süffisant die Frage zu stellen: Warum schafft es ein belgisches Unternehmen, in Deutschland noch vor Eintreffen des Impfstoffes ein so perfektes Impfzentrum aufzubauen und bei uns nicht?“, sagt Bodo Klimpel und schmunzelt über den Seitenhieb. Der Landrat wird sich übrigens auch impfen lassen.

Neue Ausbildungsgänge an den Berufskollegs

Abseits von Corona geht es darum, einen vestischen Klimapakt zu erarbeiten und die Vestischen Straßenbahnen mit wasserstoffbetriebenen Bussen auszustatten. Das seien Dinge, die wirklich in die Zeit passten und interessant seien. Zudem geht es um neue Bildungsgänge an den Berufskollegs. Einer davon ist das Angebot, eine Fachoberschulreife im Bereich Polizei- und Ordnungswesen zu erlangen, um dann Kommissar-Anwärter bei der Polizei zu werden. Bodo Klimpel findet es spannend, dass der Kreis Recklinghausen Polizeinachwuchs ausbildet für Stellen, die das Land bereitstellen möchte.

Erinnerungen, die Bodo Klimpel aus Haltern mitgebracht hat: Ein Foto vom Fußballspiel Stadtverwaltung gegen Presse in der Stauseekampfbahn und ein Miniatur-Deutschlandstuhl.
Erinnerungen, die Bodo Klimpel aus Haltern mitgebracht hat: Ein Foto vom Fußballspiel Stadtverwaltung gegen Presse in der Stauseekampfbahn und ein Miniatur-Deutschlandstuhl. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

Bodo Klimpel hat im Kreistag mit seinen 72 Sitzen keine Mehrheit hinter sich. Verhandlungen mit den Grünen sind gescheitert. Der Landrat nimmt es scheinbar gelassen. Er sei es gewohnt, ohne Mehrheiten seinen Job zu machen und er ist sicher: „Wir werden trotzdem eine ganz vernünftige Kreispolitik gestalten.“ Wobei er weder Spaß an Abstimmungsniederlagen noch an dem Austragen ideologischer Konflikte habe.

Von Gewohnheiten, Lieblingsorten und Eintöpfen

Seine Arbeitstage in Recklinghausen sind länger als in Haltern. Aber dennoch sei das Pensum gut zu schaffen, da zurzeit alle Repräsentationstermine ausfielen. Manchmal verwechselt er noch seine neue mit der alten Rolle und biegt morgens auf dem Weg zum Arbeitsplatz Richtung Halterner Rathaus ab. 16 Dienstjahre verfestigen Gewohnheiten. Und Vorlieben.

Bodo Klimpel vermisst seine Lieblingsbäckerei, seine Lieblingsmetzgerei und seine Lieblingspommesbude – Ziele, die er gerne in der Mittagszeit mal eben ansteuerte. Die Wege in die Recklinghäuser Innenstadt sind länger. Ab und an geht Bodo Klimpel nun in die Kantine des Kreishauses. Immer, wenn es leckeren Eintopf gibt.

Bodo Klimpel wohnt mit seiner Familie weiterhin in Sythen. Die morgendlichen Walkingrunden durch seine Wahlheimat schafft er schon lange nicht mehr. Da gebe es einiges nachzuholen. Wegen der Entfernung fährt er täglich mit dem Auto zum Arbeitsplatz. In der Fastenzeit könnte er eventuell einem seiner über 2000 Mitarbeiter nacheifern: Der fährt täglich von Lavesum mit dem Rad durch die Haard zum Kreishaus. Abstrampeln für ein großes Ziel – das ist Bodo Klimpel schließlich nicht fremd.

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Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
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Elisabeth Schrief

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