Das junge Ensemble probt regelmäßig im Lea-Drüppel-Theater. © privat
Kulturecke

Lea-Drüppel-Theater: Junges Ensemble trotzt mit Zuversicht der Krise

Halterns Kulturszene ist vielfältig. In der Rubrik „Kulturecke“ geben wir lokalen Künstlern, Bands und Vereinen eine Plattform. Heute: Das junge Ensemble vom Lea-Drüppel-Theater.

Ein Theater kann noch so klein oder noch so groß sein. Es strahlt immer eine gewisse Heimeligkeit und knisternde Atmosphäre aus. Schwere Vorhänge oder plüschige Sitzreihen sucht man im Lea-Drüppel-Theater vergebens. Dafür stößt man hier auf offene Arme und eine unheimliche Herzlichkeit.

Ich bin mit Silke Eumann und Hans-Dieter Speikamp im ehemaligen Kino an der Zaunstraße verabredet. Das kleine Theater haben die Halterner inzwischen fest in ihr Herz geschlossen. Und: Es ist ein fester Bestandteil der Kulturszene in Haltern am See geworden.

Die Theaterpädagogin Silke Eumann betreut das sogenannte „junge Ensemble“ des Theaters. „Wir sind jetzt im vierten Jahr“, erzählt Silke Eumann stolz. „Wir warten darauf, endlich unsere dritte Produktion auf der Bühne zeigen zu dürfen.“ Der Enthusiasmus verschwindet für einen kurzen Moment aus ihrem Gesicht. Wegen der Coronakrise musste die im März geplante Premiere für das Stück „Momo, Greta, Wir“ verschoben werden. „Wann wir jetzt genau Premiere feiern dürfen, steht leider in den Sternen,“ ergänzt sie.

„Die Gelder und Zuschüsse für diese Produktion sind gesichert,“ schaltet sich Hans-Dieter Speikamp, verantwortlich für das Sponsoring und die Finanzen, ein. Das Lea-Drüppel Theater gehört zur Trägerschaft der freien Jugendhilfe und darf daher, gemäß aktueller Corona Schutzverordnung, unter bestimmten Randbedingungen ihre Proben weiter durchführen. Das junge Ensemble besteht zurzeit aus 14 Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 25 Jahren. „Das spannende und schöne hier, ist der Zusammenhalt der Gruppe. Es geht hier jedem nicht nur um die Schauspielerei, wir sind viel mehr schon zu einer richtig guten Einheit verschmolzen.“

Musiker und Komponist

Das Lachen im Gesicht von Silke Eumann ist wieder da, als sie von ihren Schützlingen erzählt. Unterstützt wird sie bei ihrer Arbeit von Niclas Floer, Musiker und Komponist. Die Stücke sind selbst geschrieben und entstehen zum Teil auch in den Köpfen der Kinder. Bei „Momo, Greta, Wir“ geht es um den Klimawandel. Eumann: „Ein Thema, dass uns alle angeht und die Jugendlichen mehr beschäftigt, als wir Erwachsenen es glauben wollen.“

Momo und Greta haben eine Menge gemeinsam. „Wir haben uns zu Beginn des Projektes hier auf den Theaterboden gelegt und uns gegenseitig die Geschichte von Momo vorgelesen. Im Anschluss ist das Stück entstanden. Jeder hat irgendwie seinen Teil dazu beigetragen“, erzählt Silke Eumann. Sie kommt im Ursprung aus dem Impro-Theater und lässt aus dieser Erfahrung heraus viele Elemente in die Arbeit mit dem „jungen Ensemble“ einfließen.

Auf der Bühne wird jedoch dann nicht mehr improvisiert. Da gibt sie ihren Schauspielern eine feste Richtschnur an die Hand. Die Lieder entstehen ebenfalls gemeinsam, den letzten Schliff gibt Niclas Floer. Man spürt diese Gemeinschaft und das Arbeiten Hand in Hand. Silke Eumann und Niclas Floer sind selbstständig. Die Corona-Hilfe der Bundesregierung greift bei ihnen jedoch nicht, weil sie sie keine Betriebskosten im eigentlichen Sinn nachweisen können. „Wir finanzieren unser Theater über unsere Mitglieder, den ein oder anderen Sponsor und Zuschüsse des Landesjugendamtes“, schildert Hans-Dieter Speikamp. „Dadurch können wir uns Niclas und Silke erlauben und für die beiden ist es eine kleine Einnahme.“

Durch die Corona-Sorgen lassen sie sich ihren Spaß an der Arbeit aber nicht nehmen. „Ich habe theatertherapeutische Arbeitsmethoden und da ist es mir wichtig, dass nicht nur das Stück professionell aufgeführt wird. Wir wollen den Jugendlichen hier einen Raum geben, sich zu entwickeln. Haltung zu lernen und eine eigene Meinung zu haben“, erzählt Silke Eumann.

Mit 12 Jahren die Jüngste im Ensemble

Die ersten jungen Schauspieler tauchen auf und schauen neugierig und vorsichtig durch die Tür. Antonia ist mit 12 Jahren die Jüngste im Ensemble. Sie spielt eine „Fegerin“ und eine „gute Bürgerin“ und findet das lernen von Englisch-Vokabeln wesentlich leichter, als das Lernen ihres Textes. Als ich Finja danach frage, was ihr hier am meisten Spaß macht, schaut sie mich mit großen fragenden Augen an. „Die Gruppe natürlich. Wir sind alle irgendwie so zusammen.“

Dann stimmt Niclas Floer die Schauspieler auf die Probe ein. Sie stehen, mit ausreichend Abstand und Mundschutz, im Kreis und beginnen mit Dehnübungen. Dann summen sie Töne. Durch die Masken klingt alles etwas verschwommen. Die jungen Schauspieler wirken noch etwas unsicher. Der Fremde mit dem Notizblock hemmt vielleicht ein wenig, aber nach ein paar Minuten sind sie in ihrem Element.

Ihre Sprech-, und Körperspannungsübungen machen sie freudig und unbeschwert. Als Floer am Klavier Platz nimmt und das Ensemble in den Refrain einstimmt, ist sie wieder da, diese knisternde, heimelige Atmosphäre.

Weitere Infos unter: www.lea-drueppel-theater.de

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