"Lebensfreunde" kämpfen gegen Depressionen

Treffen unter Seelenverwandten

Am Anfang waren sie zu zweit. Wolfgang Chlebna, einer der Gründer der Halterner Selbsthilfegruppe „Lebensfreunde“ erinnert sich an den verzagten Beginn seiner Mission, für andere Menschen mit Depressionen da zu sein. Umso größer ist seine Freude, dass in den letzten zwei Jahren die Zahl der Lebensfreunde mächtig gewachsen ist.

HALTERN

, 15.08.2017, 14:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wolfgang Chlebna ist Gründer und Leiter der Selbsthilfegruppe Lebensfreunde.

Wolfgang Chlebna ist Gründer und Leiter der Selbsthilfegruppe Lebensfreunde.

„Wir treffen uns einmal wöchentlich montags im Bodelschwinghhaus, Bodelschwinghstraße in Flaesheim, in Dorsten sogar fünfmal wöchentlich an verschiedenen Orten“ – Vollbeschäftigung für den bärigen Mann mit dem Herzen auf dem rechten Fleck, der selbst einmal unter Depressionen gelitten hat und gut nachempfinden kann, wie es anderen Menschen in dieser niederschmetternden Episode des Lebens gehen kann.

„Es hilft, dass man reden kann“, sagt eine Gruppenteilnehmerin. Eine andere weiß: „Depressionen gehen nicht von alleine weg, so eine Phase kann sehr lange dauern, auch wenn medikamentöse und psychotherapeutische Hilfe gewährleistet ist.“ Ein dritter Teilnehmer erklärt: „Mich begleiten depressive Episoden seit 40 Jahren, ich bin froh, dass ich hier unter Menschen bin, die mich verstehen.“

Mit dem Verstehen sei das nämlich so eine Sache, sagt Wolfgang Chlebna: „Menschen, die noch nie unter einer Depression gelitten haben, fehlt oftmals das Feingefühl.“ Das führe bei Ämtergängen, bei Gesprächen mit den Angehörigen oder Arbeitgebern zu tief verstörenden Missverständnissen bei den Betroffenen: „Eine Depression ist kein Beinbruch. Psychische Krankheiten werden gesellschaftlich immer noch als Marotte angesehen, die kommt und geht.“

Wolfgang Chlebna empfiehlt Angehörigen und Freunden von depressiven Menschen deshalb gerne das Buch „Das Leben mit dem schwarzen Hund“: „Das ist ein Bilderbuch für Erwachsene, in dem einfach und klar umschrieben wird, warum depressive Menschen sind wie sie sind.“

Eine Depression ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung, die sich laut Psychotherapeutenkammer NRW oft wiederholen und in Phasen äußern kann: „Unbehandelt dauert eine depressive Episode durchschnittlich sechs bis acht Monate“, sagen Psychotherapeuten. „Leider verstehen das Arbeitgeber und Kollegen oftmals nicht, dass man so lange deswegen ausfallen kann“, meint eine junge Gruppenteilnehmerin in Wolfgang Chlebnas Runde.

Sie selbst habe wegen Depressionen ihre Lehre vorzeitig beenden müssen. „Arbeitgeber werden hellhörig, wenn sie eine Krankschreibung von einem Neurologen oder Psychiater in Händen halten“, sagen die Lebensfreunde. Der Widerstand der Umwelt – „Reiß dich doch mal zusammen“ – vertiefe die melancholische Stimmung eines depressiv Erkrankten noch weiter.

Die Lebensfreunde treffen sich montags von 18 bis 20 Uhr, im Bodelschwinghhaus, Bodelschwinghstraße. Ansprechpartner ist Wolfgang Chlebna, Tel. (02362) 21 66 16.

 

Umso wohltuender empfinden die Lebensfreunde die Gruppentreffen: „Hier muss man sich nicht erklären, man kann einfach nur kommen und zuhören oder auch erzählen, ganz wie man will“, erzählt eine Teilnehmerin. „Hier ist es oft sehr lustig, wir lachen sehr viel zusammen. Und wir stärken andere, denen es nicht gut geht“, wissen die Teilnehmer. Die behagliche Atmosphäre, das gute Aufgehobensein bei den Lebensfreunden hat sich herumgesprochen.

„In Arztpraxen und in der Tagesklinik liegen unsere Flyer aus, wir werden aber auch von Ärzten und Therapeuten weiterempfohlen“, freut sich Wolfgang Chlebna. Die gute Seele der Lebensfreunde wird von seinen Seelenverwandten als verlässliche Stütze wahrgenommen: „Wolfgang ist immer da, wenn man ihn braucht.“

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