Lippeverband stellte Deichplanung vor

Schiffe bringen Material

Im Herbst beginnen die Bauarbeiten für die neuen fünf Kilometer langen und bis zu 14 Meter hohen Lippedeiche. Die größte Sorge der Lippramsdorfer, sie könnten durch massiven LKW-Verkehr bedrängt werden, ist genommen. Das benötigte Bodenmaterial kommt hauptsächlich mit Schiffen.

HALTERN

, 09.09.2015, 17:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lippeverband stellte Deichplanung vor

Der Kohleabbau unter Lippramsdorf und daraus folgende Bergsenkungen machen einen Hochwasserschutz an der Lippe erforderlich. Am Zechengelände AV 8 beginnt der neue fünf Kilometer lange Deich.

Diese gute Botschaft trug Projektleiter Udo Peters Dienstagabend ins Rathaus. Im Ausschuss Bauen und Verkehr stellten er und Christian Manthey vom Ingenieurbüro Spiekermann die Gesamtplanung für den Zeitraum bis 2023 vor.

„Um den Wünschen der Stadt entgegenzukommen und die An- und Abtransporte zu optimieren, hatte der Lippeverband extra zusätzliche Umweltkriterien in die Vergabeunterlagen eingefügt“, erklärte Udo Peters. Politik und vor allem Baudezernent Wolfgang Kiski hatten Druck gemacht, die Bürger vor Lärm und Schmutz zu schützen. So liefern nun Schiffe den für den Deich benötigten Boden zu 60 Prozent – Wolfgang Kiski geht sogar von 80 Prozent aus – im Hafen Auguste Victoria an; eine Bandanlage befördert die Erde vom Wesel-Datteln-Kanal zur Baustelle an der Lippe.

37 Einzelmaßnahmen

Der restliche Boden rollt per LKW entweder über die Wulfener Straße und die Römer-Lippe-Route zur Lippe oder über die Lippramsdorfer Straße und das Schachtgelände. Der Radweg wird ab Frühjahr 2016 vorübergehend gesperrt, er führt dann durch Lippramsdorf.

Die Deichrückverlegung und die Lippegestaltung umfassen 37 Einzelmaßnahmen. In den nächsten drei Jahren baut der Lippeverband zunächst die Deiche in Lippramsdorf-Mersch und im Bereich des Chemieparks. Dafür werden auf Lippramsdorfer Seite 870.000 Kubikmeter Boden verbaut, auf Marler Gebiet (Deich Süd II) 550.000 Kubikmeter. „Wir sind optimistisch, im Oktober beginnen zu können“, sagte Udo Peters. Ab 2016 wird das neue Pumpwerk Meinken gebaut, 2018 folgen die Deiche Nord I (ab Oelder Brücke Richtung Kusenhorst) und Süd I (Sickingmühle) sowie die Anlegung der 60 Hektar großen Aue. Insgesamt besteht ein Bodenbedarf von rund drei Millionen Kubikmetern.

Vor Hochwasser geschützt

„Die neuen Deiche werden im Schutz der alten gebaut, sodass Lippramsdorf wie Marl jederzeit vor Hochwasser geschützt bleiben“, erklärte Udo Peters zum Prozedere. Die Kosten, rund 90 Millionen, teilen sich Land und RAG Deutsche Steinkohle. Elf Jahre sind seit der ersten Planung bis zum nahenden Spatenstich vergangen. Die Bürgerinitiative für Lebensqualität und Umweltschutz (BLU) kündigte im Ausschuss eine Bürgerversammlung an.

Die Aussage des Lippeverbandes, der Deich aus Waschbergematerial biete hervorragenden Hochwasserschutz war im Juli 2004 ins Wanken geraten. Die Landesregierung und Bezirksregierung forderten einen Neubau, nach vielen, teuren Gutachten fiel 2008 endgültig die Entscheidung zum Neubau nach aktuellen technischen Erkenntnissen. Im Juli 2013 erfolgte der Planfeststellungsbeschluss durch die Bezirksregierung Münster.

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