Lockere Sprache trotz herber Tiefschläge: Lesung mit Muriel Baumeister

hzSchauspielerin in Haltern

Die deutsch-österreichische Schauspielerin Muriel Baumeister trug in Haltern aus ihrer Autobiografie vor. Sie berichtete auch von ihrem langen Weg aus der Alkoholsucht.

Haltern

, 07.10.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wegen Corona war die Lesung verschoben worden. Am Dienstagabend schließlich waren 110 Besucher der Einladung von Stadtbücherei und Förderverein der Stadtbücherei gefolgt. Die Lesung „Hinfallen ist keine Schande, nur Liegenbleiben“ fand in der Aula des Schulzentrums statt. Stadtbücherei-Leiterin Andrea Coenen Brinkert freute sich, für diese erste literarische Veranstaltung nach dem Corona-Lockdown die bekannte Schauspielerin Muriel Baumeister gewonnen zu haben.


Aus ihrem Buch „Hinfallen ist keine Schande, nur Liegenbleiben“, welches mittlerweile viermal auf der Spiegel-Bestsellerliste gestanden hat, las die gebürtige Österreicherin und Wahlberlinerin rund zwei Stunden lang vor. Dabei fesselte sie ihr Publikum schon beim ersten Kapitel mit einer lockeren, humorvollen Sprache, mit der sie ihre von Tiefschlägen durchzogene Lebensgeschichte erzählte.

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Auch Baumeister freute sich, nach dem langen Berufsstopp wieder in die Öffentlichkeit hinauszugehen und ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Geschichtenerzählen, nachkommen zu können. Dabei lobte sie auch den Mut ihres Publikums in der Coronazeit: „Mut heißt nicht, keine Maske zu tragen oder auf Coronapartys zu gehen. Mut heißt, auf sein Herz zu hören und verantwortungsvoll am Leben teilzunehmen. Danke, dass Sie gekommen sind!“

Buchseiten nach Bad in der Wanne verklebt

Kleine „Pannen“ während der Lesung unterstrichen die charismatische Art der Schauspielerin. Als sie Schwierigkeiten beim Umschlagen der Seiten hatte, erklärte sie, das Buch sei ihr am Vorabend in die Badewanne gefallen und daher etwas aufgequollen und verklebt.

Heimat tanken und Seelenpflaster bekommen

Die Tochter einer Tänzerin und eines Bühnenschauspielers berichtete von einer behüteten Kindheit in einer liebevollen Familie in der österreichischen Bergen, in die sie heute noch so oft es geht zurückkehrt, um „Heimat zu tanken“. Die Muriel, die in Österreich lebt, sei sie gern. Hier bekomme sie die Seelenpflaster, die sie brauche.

Gut 100 Zuhörer verfolgten begeistert die Lesung in der Aula des Schulzentrums.

Gut 100 Zuhörer verfolgten begeistert die Lesung in der Aula des Schulzentrums. © Antje Bücker

Muriel Baumeister erzählte von ihrem ersten Casting als junges Mädchen für „Ein Haus in der Toscana“, von ihrer engen Freundschaft zu Götz George, der Verleihung des Lilly-Palmer-Preises der Goldenen Kamera als beste Nachwuchs-Schauspielerin und wie sie bereits mit 16 Jahren zum Alkohol kam. „In diesem Beruf konsumiert jeder Alkohol. Jedes positive und negative Erlebnis in meinem Leben verband ich mit Alkohol.“ Prominent zu sein, habe Schattenseiten, erklärte sie. Neben den Erfolgen hätten ihr Kritik, Respektlosigkeit und Aggressivität sehr zu schaffen gemacht. Der ständige Pressehype, der Druck der Gesellschaft und das mangelnde Privatleben machten ihr mehr und mehr das Leben schwer.

„Trocken werden ist einfach. Trocken bleiben eine Kunst“

In ihrem Buch berichtet sie von drei Therapieanläufen und dem schwierigen Weg aus der Abhängigkeit zurück ins Leben. Ihr besonderer Dank gilt neben Freunden und Familie insbesondere ihren drei Kindern: „Kinder sind sehr liebesfähig und verzeihen viel. Ich selbst konnte mir lange nicht verzeihen, dass ich ihnen in dieser Zeit keine gute Mutter war.“ Heute ist die 48-Jährige seit drei Jahren trocken und weiß nach ihrem harten „Weg durch die Hölle“, wie wichtig Zusammenhalt, Zuversicht und Zufriedenheit sind, aber auch eine positive Haltung zum Leben. „Ich bin tief gefallen, aber Liegenbleiben war für mich keine Option.“

Bevor Sie nach der Lesung Fragen aus dem Publikum beantwortete und ihre Bücher am Büchertisch der Buchhandlung Kortenkamp signierte, gab sie noch einen Rat mit auf den Weg: „Was auch immer Sie vorhaben, machen Sie es und der Tag gehört Ihnen!“

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