LWL-Klinik: Wie die Natur psychisch kranken Kindern hilft

Therapie

Die LWL-Klinik in der Haard macht sich in Therapien für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche die Natur zu Nutze: Ruhe im Wald und der Umgang mit Tieren sollen die Patienten unterstützen.

Haltern/Marl

, 13.11.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Petra Wiethoff ist Fachfrau für die tiergestützte Therapie und begleitet die Kinder und Jugendlichen in den Therapiestunden.

Petra Wiethoff ist Fachfrau für die tiergestützte Therapie und begleitet die Kinder und Jugendlichen in den Therapiestunden. © LWL

Wenn Alina (Name geändert) zu ihrer Therapiestunde geht, begrüßen sie die Esel Friedemann und Marta. Auch Ziegen, Heidschnucken, Meerschweinchen, Kaninchen und Damwild wohnen im zwei Hektar großen Tiergehege der Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Ihre Aufgabe: Jungen Menschen mit psychischen Erkrankungen helfen, gesund zu werden.

„Die Stunden mit Friedemann und den anderen Tieren sind für mich der Höhepunkt der Woche“, sagt Alina. Die 15-Jährige wurde in der Schule ausgegrenzt und gemobbt, zog sich daraufhin völlig zurück und verweigerte den Schulbesuch. Die Tiere hier nehmen Alina jedoch an, wie sie ist. „Denen ist egal, ob jemand dick oder dünn ist, blaue oder rote Haare hat“, erklärt Petra Wiethoff. Als zertifizierte Fachkraft für tiergestützte Intervention begleitet sie die Kinder und Jugendlichen bei ihren Therapiestunden mit den Tieren.

Umgang mit Tieren wirkt aktivierend

Wiethoff sagt, durch die Interaktion mit den Tieren lernten die jungen Patienten, Vertrauen zu anderen Lebewesen zu fassen. Ein Vorteil sei, dass sie dabei nicht sofort über traumatische Erfahrungen sprechen müssten, wenn sie dazu noch nicht bereit sind. Viele Patienten mit psychischen Erkrankungen seien körperlich wenig aktiv. Auch das ändere die Arbeit im Tiergehege der Klinik. „Fellpflege, Füttern, Spaziergänge, all das wirkt aktivierend“, sagt Petra Wiethoff.

Neben der tiergestützten Therapie macht sich die LWL-Klinik auch das umliegende Waldgebiet Haard zu Nutze: „Als natürlichen Ort, um der Unruhe im Alltag entgegenzuwirken“,erklärt Konrad Staschenuk, Waldpädagoge an der LWL-Klinik.

Auf die Geräusche der Natur konzentrieren

Für viele Kinder sei es anfangs schwierig, ein paar Minuten innezuhalten und sich auf die Geräusche der Natur zu konzentrieren. Nach und nach gelinge das aber immer besser. „Im Wald gibt es keine Überstimulierung, die Geräusche werden als sehr beruhigend empfunden“, sagt Staschenuk. Gleichzeitig biete die Natur den idealen Rahmen für die jungen Patienten, um selbst kreativ zu werden und zu lernen, Herausforderungen aus eigener Kraft zu bewältigen.

Tiergestützte Therapie und Waldpädagogik müssten dennoch beispielsweise durch Gesprächstherapie ergänzt werden, betont Klinikdirektor Dr. Claus-Rüdiger Haas. „Gerade für Kinder und Jugendliche ist auch das familiäre Umfeld extrem wichtig.“ Deshalb seien die Therapeuten regelmäßig in engem Kontakt mit den Angehörigen der Patienten. Auch Alina weiß, dass noch ein weiter Weg der Genesung vor ihr liegt. Aber: „Friedemann und seine Freunde unterstützen mich dabei.“

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