Männervereine ohne Steuervorteile? Halterner Schützenvereine sehen sich nicht gefährdet

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Ohne Frauen lässt sich das Vereinsleben in einer modernen Schützengilde nicht mehr pflegen. Allerdings bleiben sie nach wie vor von wesentlichen Bereichen ausgeschlossen.

Haltern

, 25.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vizekanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) will Männervereinen die Gemeinnützigkeit absprechen und ihnen damit die Steuervorteile streichen. Pech für die Schützen in Haltern, könnte man meinen. Eine Nachfrage bei der Schützengilde und dem Bürgerschützenverein Hamm-Bossendorf zeigt jedoch, dass diese nicht befürchten, künftig ihren finanziellen Gürtel enger schnallen zu müssen.

„Ich glaube, dass wir nicht zu der Kategorie der Vereine gehören“, kommentierte der Halterner Vizepräsident der Gilde, Frank Leopold, den Scholz-Vorschlag. Laut Vereinsssatzung dürfen Frauen nämlich durchaus Mitglied bei den Schützen in Haltern werden.

Sie genießen dann genau die gleichen Vorteile wie die männlichen inklusive Freikarten fürs Schützenfest und Berechtigung zum Sportschießen mit dem Luftgewehr. Ausgeschlossen sind sie allerdings vom Königsschießen und vom Mitmarschieren in den Kompanien.

Es geht um Vereine, die Frauen konsequent ausschließen

Ob der geforderten Gleichberechtigung im Sinne von Olaf Scholz damit Genüge getan ist, bleibt offen. „Es geht um Vereine, die konsequent und bewusst keine Frauen zur Mitgliedschaft zulassen ohne jeden sachlichen Grund“, hat der Spitzenpolitiker gerade in einem Interview mit dem Tagesspiegel argumentiert.

Wie sich das Ausschließen der Frauen von wesentlichen Bereichen auswirkt, bleibt unklar. „Die Prüfung der Gemeinnützigkeit obliegt den jeweiligen Finanzbehörden vor Ort, die ihre Bewertung anhand diverser Kriterien auf Basis der ihnen vorgelegten Unterlagen für jeden Einzelfall gesondert vornehmen“, beantwortete die Pressestelle des Bundesfinanzministeriums eine entsprechende Anfrage.

Sollte sich die Scholz-Idee durchsetzen, dürfen sich die Mitarbeiter des für Halterner Vereine zuständigen Finanzamts Marl auf zusätzliche Aufgaben freuen.

Schützen kleben nicht an alten Zeiten

Einen besonderen Reiz hat die Mitgliedschaft in der Halterner Schützengilde bisher nicht ausgeübt. Unter den rund 1190 Mitgliedern sind maximal 30 Frauen, teilte Frank Leopold mit. Diese Tatsache sei aber keineswegs ein Ausdruck dafür, dass die Halterner Schützen verknöchert an alten Zeiten festhalten würden.

Heute stehe das Miteinander von Frauen und Männern im Verein im Vordergrund. „Gerade in den kleineren Kompanien beteiligen sich heute ganze Familien am Vereinsleben“, erklärte Frank Leopold. Traditions- und Brauchtumspflege stehen zwar nach wie vor in den Statuten. Dennoch müsse sich auch eine Schützengemeinschaft dem gesellschaftlichen Wandel anpassen, wenn sie eine Zukunft haben wolle, so der Gildevizepräsident.

Die Gemeinnützigkeit betrifft beim Halterner Verein übrigens lediglich die Bereiche, die mit dem Schützenfest zusammenhängen. Das selbst gebaute Gildehaus gilt als wirtschaftlicher Zweckbetrieb. „Hier zahlen wir für jede Bratwurst und jedes Bier unsere Steuern“, so Frank Leopold.

Bei den Schützen Hamm-Bossendorf gibt es eine Damenkompanie

„Bei uns sind Frauen herzlich willkommen“, sagte der Vorsitzende der Hamm-Bossendorfer Schützen. Aus seiner Sicht sind sie im Verein voll integriert. Deshalb stehe der Verlust der Gemeinnützigkeit überhaupt nicht im Raum. Schließlich gibt es eine eigene Damenkompanie mit ungefähr 60 Mitgliedern, insgesamt sind es im Verein 205.

Männervereine ohne Steuervorteile? Halterner Schützenvereine sehen sich nicht gefährdet

Bei den Schützen in Hamm-Bossendorf ist eine Damenkompanie aktiv. © Bönig (Archiv)

Allerdings bleibt den Damen auch hier der Schuss auf den Königsvogel verwehrt. Sie dürfen aber um die Krikedien-Königswürde mitschießen. „Hier hatten wir schon Königinnen“, erklärte Horst Seeland.

Die KFD nimmt Männer in ihren Fördervereinen auf

Die katholische Frauengemeinschaft in Haltern fühlt sich laut Sprecherin Anne Lackner doppelt dafür gerüstet, die Gemeinnützigkeit zu behalten. Bisher sei es nur wenigen bekannt, aber es könnten auch Männer Mitglied des Fördervereins werden. Auf Diözesanebene sei beispielsweise Münsters Oberbürgermeister Markus Wilhelm Lewe (CDU) beigetreten.

In Haltern habe man dafür bisher noch wenig Werbung betrieben, sagte Anne Lackner.

Außerdem erfülle die KFD eine weitere Bedingung für Steuervorteile, denn sie setze sich gerade in jüngster Vergangenheit ganz massiv für die Rechte der Frauen ein, betonte Anne Lackner. Bekanntlich unterstützt sie die Initative „Maria 2.0“, von der die Gleichberechtigung von Frauen innerhalb der Kirche auf allen Ebenen gefordert wird.

Dass sich die katholischen Frauen in ihren Gemeinschaften nur zum Kaffeetrinken treffen, sei ein lange existierendes Klischee gewesen. Schon immer sei es um die Aufklärung über die eigene Rolle gegangen. Deshalb hätten früher manche Männer ihren Frauen verboten, sich der KFD anzuschließen, weil sie Aufwiegelung befürchteten.

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