Zahlreiche Halterner haben sich am Montagabend zu einer friedlichen Mahnwache auf dem Marktplatz versammelt. © Jürgen Wolter
Protestaktion

Mahnwache und neue Polizei-Taktik sollen „Spaziergängern“ in Haltern die Lust verderben

Hunderte Halterner haben sich am Montag in der Innenstadt versammelt. Die meisten von ihnen, um an der Mahnwache gegen „Spaziergänger“ teilzunehmen. Die Polizei änderte im Vorfeld ihre Taktik.

Für 50 Leute war die Mahnwache angemeldet. Etwa 200 Halterner Bürgerinnen und Bürger haben sich letztlich am Montagabend, 10. Januar, auf dem Alten Markt zusammengefunden. Ihre Botschaft: Friedlich gegen die demonstrieren, die sich Montag für Montag zu „Spaziergängen“ durch die Innenstadt treffen.

„Ich bin überwältigt“, sagt Maaike Thomas. Sie hat die Mahnwache im Vorfeld bei der Polizei angemeldet. „Es ist gut, dass die Spaziergänger sehen: So viele Leute stehen auf der anderen Seite.“ Damit meint sie die Seite, die sich an die Corona-Regeln hält, Maske trägt und sich impfen lässt. Die „Montagsspaziergänger“ wollen mit ihren stummen Protesten nämlich das Gegenteil zum Ausdruck bringen: ihre Corona- und Impf-Skepsis.

„Die werden heute keinen Meter laufen“

Die Polizei hat im Vorfeld des Montagsspaziergangs ihre Taktik geändert. „Die werden heute keinen Meter laufen“, sagt Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber um kurz vor 18 Uhr. Zwischen 18 und 18.30 Uhr setzen sich die „Spaziergänger“ normalerweise in Bewegung. Treffpunkt ist die Muttergottesstiege. In kleinen Grüppchen laufen sie von dort dann die Rekumer Straße auf und ab.

Laut Polizei-Schätzungen waren es rund 200 Gegendemonstranten.
Laut Polizei-Schätzungen waren es rund 200 Gegendemonstranten. © Jürgen Wolter

Der Plan der Polizei für den 10. Januar: Die „Spaziergänger“ sollen an der Muttergottesstiege in Empfang genommen werden. Dort werden sie über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt und aufgefordert, einen Versammlungsleiter zu nennen. Geschieht dies nicht, können sie nur stationär ihr Grundrecht ausüben, „aber nicht spazieren“, erklärt Andreas Wilming-Weber.

Die Polizei hat sich für diese veränderte Vorgehensweise entschieden, da es in Haltern eine „verfestigte Struktur unter den Spaziergängern“ gibt, wie die Beamten es nennen. Das machen sie daran fest, dass es jede Woche mehr Teilnehmer werden, die noch mehr Leute mit Flyern mobilisieren wollen. „Da kann man Haltern nicht mit anderen Städten im Kreis Recklinghausen vergleichen“, sagt Andreas Wilming-Weber.

Die Polizei zeigte in der Rekumer Straße Präsenz.
Die Polizei zeigte in der Rekumer Straße Präsenz. © Jürgen Wolter

Circa 50 „Spaziergänger“ waren unterwegs und damit deutlich weniger als in den Vorwochen. Anders als die Polizei zu Beginn prophezeit hat, sind die „Spaziergänger“ um kurz nach 18 Uhr doch einige Meter gelaufen. „Sie haben sich kurz in Bewegung gesetzt, dann sind sie in die Seitenstraßen verschwunden“, resümiert der Polizeisprecher. „Unser Signal ist gelungen.“ Gegen sieben Personen wurde Anzeige wegen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz erhoben.

Halterner Ärzteschaft beteiligt sich ebenfalls an friedlicher Mahnwache

Auch die Leute auf Seiten der Mahnwache schätzen ihre Aktion als gelungen ein. Unter ihnen waren am Montagabend auch die Halterner Ärzte. „Wir wollen heute ein Zeichen setzen und Flagge zeigen“, sagt Dr. Dirk Heufers stellvertretend für die Ärzteschaft. „Wir vertreten alle die Corona-Impfung und es ist jedes Mal ein Schlag ins Gesicht, wenn jemand behauptet, dass es die Corona-Krankheit nicht geben würde.“

Auch die Halterner Ärzteschaft hat sich an der friedlichen Mahnwache beteiligt.
Auch die Halterner Ärzteschaft hat sich an der friedlichen Mahnwache beteiligt. © Jürgen Wolter

Begleitet von der Mahnwache vor der Sixtus Kirche ging in den Geschäften an der Rekumer Straße erneut das Licht aus. Die Aktion „Licht aus! Keine Bühne für Spaziergänger“ wurde von der Werbegemeinschaft der Einzelhändler ins Leben gerufen und hat für großes Medienecho gesorgt.

Eine Mahnwache soll es vorerst nicht noch einmal geben. „Wir haben heute ein großes Zeichen gesetzt“, sagt Ralf Hanses, der sich um die Organisation gekümmert hat. „Aber es bleibt erstmal eine einmalige Aktion.“

Über die Autorin
Volontärin
In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
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