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Maria 2.0 in Haltern - Frauen ziehen nach einer Woche Kirchenstreik Bilanz

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Mit der Protestaktion Maria 2.0 kämpfen Frauen für Gleichberechtigung in der katholischen Kirche. Ihr Weg ist noch lang.

Haltern

, 18.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Für eine Woche sind Halterner Frauen ihren Gotteshäusern ferngeblieben und haben Kirchendienste verweigert. Auf Anregung der Frauengemeinschaft Region Haltern haben sie sich damit vom 11. bis 18. Mai der Protestaktion „Maria 2.0“ angeschlossen.

Ein Vergleich zu ihrem gefühlten Status in der katholischen Kirche ist dabei durchaus gewünscht. Die Frauen fühlen sich von wesentlichen Bereichen ihrer Kirche ausgeschlossen und fordern die Gleichberechtigung mit allen Konsequenzen. Das umfasst auch die Priesterweihe.

„Wir wollen nicht nur Kaffee kochen“, haben die Münsteraner Initiatorinnen des Streiks ihre Forderungen selbstbewusst untermauert. Sie wollen sich mit der zugewiesenen Rolle der Frau in der Kirche und ihren männlich dominierten Machtstrukturen nicht mehr zufriedengeben. Diese Themen sowie die Fragen zur Sexualmoral und dem Zölibat, ebenso zur Aufklärung der Missbrauchsfälle wurden in dieser Woche auch in Haltern rege diskutiert.

Maria 2.0 trifft in Haltern auf viel Resonanz

„Es hat viele Nachfragen gegeben“, bestätigte Anne Lackner, die sich in Haltern gemeinsam mit einem Team besonders stark für die Rechte der Frauen in der Kirche macht. Die Halterner Unterstützerinnen von Maria 2.0 hätten viel Solidarität erfahren.

Auch mit den Halterner Pfarrern stehen die Frauen im Dialog. „Wir fühlen uns verstanden und ermutigt“, ließ Anne Lackner wissen. In Gesprächen vor der Kirchentür sei häufiger zu hören gewesen, dass Halterner über einen Kirchenaustritt nachdenken, weil sie die Organisation Kirche in ihrer jetzigen Form nicht mehr fördern wollen. Von diesem Personenkreis würde Maria 2.0 und die Forderung nach Erneuerung der Kirche besonders positiv wahrgenommen, erklärte Anne Lackner.

Natürlich sei auch Kritik geäußert worden, die den Frauen unter anderem am vergangenen Sonntag vorwarf, dass sich der Kirchenprotest nicht mit dem Muttertag vertrage. Dazu Anne Lackner: „Gerade wir als Mütter haben die Verantwortung gegenüber unseren Kindern und Enkeln“, Haltung zu zeigen und an der Zukunft von Kirche mitzuwirken.

Bischof Felix Genn äußert sich nicht zur konkreten Aktion

Die Halternerinnen setzen darauf, dass sich aufgrund der großen Resonanz der Aktion, an der sich Frauen in ganz Deutschland beteiligen, auch die Kirchenleitung bewegen wird. „Man kann unsere Anliegen nicht komplett ignorieren“, sagte Anne Lackner.

Dass sie einen langen Atem benötigen werden, zeigt die Antwort auf eine Anfrage beim Bistum Münster, in dessen Zuständigkeitsbereich die Idee von Maria 2.0 geboren wurde. „Zu der konkreten Aktionsform der Initiative äußern wir uns nicht“, teilte die bischöfliche Pressestelle mit.

Beschrieben wird auch der Weg, den sich die deutsche Kirchenführung vorstellt: „Die Deutsche Bischofskonferenz hat auf ihrer letzten Vollversammlung in Lingen beschlossen, einen synodalen Weg als Kirche in Deutschland zu gehen. Hierbei werden unter anderem die Fragen thematisiert, die auch die Initiative Maria 2.0 stellt: Macht, Partizipation und Gewaltenteilung in der Kirche, die Sexualmoral der Kirche und die priesterliche Lebensform.

Bischof sieht sich im Dialog mit den Frauen

Der Bischof von Münster, Felix Genn, ist zudem auch zu diesen Fragen im Dialog mit der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) im Bistum Münster, mit der Frauenkommission im Bistum Münster und mit dem katholischen Frauenbund (KDFB).“

Die Frauen in Haltern wollen nicht nachlassen, für ihre Rechte zu kämpfen. Sie kündigen an, sich mit ihren Anliegen auch bei der nächsten Glaubenswoche in Haltern im September einzubringen.

Kommentar von Redakteurin Silvia Wiethoff

„Warum tritt Bischof Felix Genn nicht einfach mal vor seine Kirchentür, geht auf die Frauen zu und sucht das Gespräch?“, das kann man sich angesichts der Stellungnahme des Bistums Münster zur Aktion Maria 2.0 fragen. Wie ihre Vorbilder in Münster und Tausende Frauen bundesweit haben auch in Haltern die Unterstützerinnen des einwöchigen Kirchenstreiks ihr Anliegen kreativ und lebendig vorgebracht.

Die Bilder von Frauen, die vor den Kirchen Wortgottesdienst abhalten, sprechen für sich. Dem digitalen Zeitalter entsprechend haben sich diese über die sozialen Medien bis in den letzten Winkel Deutschlands (und der Welt) verbreitet.

Leider hat es die Kirchenführung verpasst, mit Bildern vom Dialog mit Frauen vor den Gotteshäusern zu antworten. Die Zustimmung für die Aktion Maria 2.0 aus den Reihen der Bischöfe ist eher vereinzelt und verhalten. Die Mehrheit lehnt sie laut Berichten sogar ab.

Dieses Versäumnis, vielleicht auf die Rücksicht auf den Papst in Rom zurückzuführen, ist bedauerlich. Stattdessen erfolgt das, was wir bei der katholischen Kirche zur Genüge kennen: Das Pochen auf die Einhaltung von Hierarchien.

So bleiben noch zu viele Bilder von reinen Männerrunden, die sich als Hüter des Wissens und Bewahrer des Glaubens verstehen. Das wirkt wie aus der Zeit gefallen, meine Herren!

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