Die Steverbrücke am Walzenwehr ist gesperrt, weil sie nicht mehr sicher trägt. Eine von der Politik ausgesuchte Alternative sieht ähnlich aus, ist aber wesentlich robuster und stabiler. © Benjamin Glöckner
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Millionenprojekt am Halterner Walzenwehr – neue Brücke hat einen Balkon

Die Blaue Brücke über die Stever wurde vor 15 Jahren schnell und günstig gebaut, dafür ist sie schon marode. Eine neue soll her, alle Parteien sind sich einig. Nur die SPD enthält sich.

Eine neue Fußgängerbrücke über die Stever am Walzenwehr kostet schätzungsweise 2.653.700 Euro. Die Politik hatte sich im März mehrheitlich für die vorläufige Planung einer „Schrägseilbrücke in Stahlbauweise mit geneigten Pylonen“ entschieden. Das Münsteraner Ingenieurbüro Thomas & Bökamp führte die Planungen fort und legt nun eine Entwurfsplanung und Kostenschätzung vor. Bei der Abstimmung im Ausschuss Bauen und Digitalisierung am 15. Juni im Rathaus enthielt sich die SPD wegen der unklaren Kostensituation. Das letzte Wort hat nun der Rat.

„Die Kostenschätzung ist ein Glücksspiel“, sagte Dirk Becker (FDP) im Rathaus. Trotz der Bedenken stimmten CDU, Grüne, WGH und FDP für den Bau dieser Brücke. Markus Ernst (CDU) zeigte eine Hintertür auf. „Wir müssen den Brückenbau nicht um jeden Preis umsetzen. Wenn sich die Kosten dramatisch ändern, können wir die Ausschreibung wieder aufheben.“

Stadt hofft stark auf eine Förderung durch das Land

Das Büro weist schon jetzt ausdrücklich darauf hin, dass das Verhältnis von Angebot zu Nachfrage sowie Lieferengpässe bei verschiedenen Baumaterialien zu unvorhersehbaren Preisaufschlägen führen können. Umso so stärker hofft die Stadt auf eine Förderung durch das Land – zu 70, bestenfalls zu 95 Prozent.

So wird die Brücke finanziert

Im städtischen Haushaltsplan sind für das Jahr 2022 Brückenbaukosten in Höhe von 2.500.000 Euro veranschlagt. Demgegenüber steht eine erwartete Zuwendung in Höhe von 1.750.000 Euro (70 Prozent). Bei erfolgreicher Aufnahme in das Programm „Stadt und Land“ kann sich die Zuwendung auf 95 Prozent der Investitionssumme erhöhen.

Die jetzige „Blaue Brücke“ am Walzenwehr ist schon 15 Jahre nach Einweihung marode und deshalb seit Monaten gesperrt. „Sie ist ausgemergelt und das finde ich ungeheuerlich“, erklärte Arno Huesmann (SPD). Er zeigte kein Verständnis dafür, dass man sich jetzt für eine ähnliche Konstruktion entscheide und dafür wesentlich mehr Stahl und Beton verbaue.

Radfahrer und Fußgänger haben Platz zum Verweilen

Die neue Brücke soll zwei 16 Meter hohe Pylone erhalten. Sie ist vier statt wie bisher drei Meter breit und ist zusätzlich mittig an beiden Seiten mit Balkonen ausgestattet, um Fußgängern und Radfahrern Platz zum Verweilen zu bieten. Hierdurch erhöhen sich die Baukosten um etwa 50.000 Euro. Das Geländer wird im Holm beleuchtet, das schützt nach Aussage von Baudezernent Siegfried Schweigmann vor Vandalismus und erleichtert die Wartung.

Die Traglast wird um das 20-fache der jetzigen Brücke erhöht. So ist in Zukunft möglich, was vorher undenkbar war: mit einem Fahrzeug auf die Brücke zu fahren.

Wenn die alte Brücke abgerissen wird, sollen die Bestandteile größtmöglich recycelt werden. Die Grünen bestehen auf eine Kompensation der durch Abriss und Neubau entstehenden Menge an Treibhausgasen (CO2-

Äquivalente). Ein Verfahren zur Berechnung der CO2-Äquivalente ist nach Auskunft von Siegfried Schweigmann aber noch nicht in die Praxis eingeführt.

Bauverwaltung spielt den Ball zurück

Daher führten Recherchen nach einem Büro, das eine solche qualifizierte Berechnung durchführen könnte, bisher noch nicht zu einem Erfolg, erklärte die Bauverwaltung. Schweigmann spielte den Ball an Grünen-Ausschussmitglied Jennifer Freckmann zurück: „Vielleicht finden Sie eine Lösung.“

Wenn der Rat am 24. Juni seine Zustimmung gibt, kann die Planung konkretisiert werden. Mit einer Förderzusage rechnet die Stadt Ende 2021/Anfang 2022. Danach werden die Arbeiten ausgeschrieben, um „baldmöglichst“ (Schweigmann) anfangen zu können. „Wir wollen doch alle schnell eine neue Brücke haben“, spricht er Erholungssuchenden am See aus der Seele.

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Elisabeth Schrief

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