Asylkreis Haltern

Mit Fremden in einem Zimmer schlafen – Halterner Protest gegen Sammellager

Mitglieder des Halterner Forums und des Asylkreises beteiligten sich an einer Mahnwache gegen Sammellager für Flüchtlinge. Sie hatten klare Forderungen an die Politik.
Flüchtlingshelfer aus dem gesamten Kreis hielten vor dem Recklinghäuser Rathaus eine Mahnwache ab. Auch Teilnehmer aus Haltern waren dabei. © Asylkreis Haltern

Am Samstagvormittag hielten Flüchtlingshelfer aus dem Kreis Recklinghausen vor dem Recklinghäuser Rathaus eine Mahnwache gegen die menschenunwürdigen Lebensbedingungen der Geflüchteten in den „Ankerzentren“ (ZUE) als zentrale Sammellager in NRW ab.

Die vom Halterner Forum und Asylkreis initiierte Aktion wurde unterstützt von Amnesty, Pax Christi, der Gastkirche Recklinghausen, Attac, AMOS, den Grünen und Flüchtlingsräten Marl, Herten, Recklinghausen und Bochum. Es war der Auftakt weiterer geplanter Mahnwachen am 27. November vor dem Marler Rathaus und im Januar in Herten sowie danach in weiteren Städten reihum bis zur Landtagswahl.

Forderung: Isolation der Menschen beenden

Auf Flugblättern und Handzetteln wurde gefordert, die Isolation der Menschen in den Sammellagern zu beenden, das Ankommen zu fördern und faire Asylverfahren sicher zu stellen, verbunden mit einem Aufruf für eine zukunftsorientierte Erstaufnahme von Asylsuchenden in Deutschland. Das Leben in den Ankerzentren als Massenunterkünfte führe zur Isolation, Entrechtung uns Ausgrenzung. Die Ziele der Regierung, die Asylverfahren und die Aufenthaltsdauer zu beschleunigen und Kosten zu sparen, sei nicht erreicht worden. Das Konzept sei gescheitert.

Die Forderung der Teilnehmer der Mahnwache: „Die zentralen Unterbringungseinrichtungen sind abzuschaffen zugunsten einer sozialen Teilhabe und Integration von Anfang an.“ Darüber kamen die Akteure mit Passanten auf dem angrenzenden Wochenmarkt ins Gespräch.

„Keine Privatsphäre, mein Zimmer ist nicht abschließbar“

Die menschenunwürdige Situation in den Sammellagern verdeutlichten die Flüchtlingshelfer auf Schildern mit aufrüttelnden Zitaten von Betroffenen: „Ich habe keine Privatsphäre, mein Zimmer ist nicht abschließbar.“ „Ich darf zwei Jahre mein Essen nicht selber kochen.“ „Unsere Kinder dürfen nicht in die Schule und in den Kindergarten.“ „Ich darf nicht arbeiten, obwohl ich einen Job gefunden habe.“ „Das Allerschlimmste ist die Langeweile.“ „Ich würde gerne deutsche Freunde haben und Deutsch lernen – aber ich weiß nicht wie und wo.“ „Meine Kinder haben Angst vor Abschiebung – Tag und Nacht.“ „Ich muss mit fremden Menschen in einem Zimmer schlafen, trotz Corona.“

Einen Tag zuvor gab es erneut Meldungen von Corona-Ausbrüchen in einer zentralen Flüchtlingsunterkunft in NRW mit einer dreistelligen Zahl Mitbetroffener.

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