Karl-Heinz Füßner ist stolz auf seinen Oldtimer von 1944. Der Dogde gehörte der US-Armee und kam in Verbindung mit dem D-Day nach Europa. © Privat
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Mit Militär-Oldtimer Molly – Spurensuche nach Orten des 2. Weltkriegs

Karl-Heinz Füßner fährt ein altes Fahrzeug der US-Armee. Mit seiner „Molly“ begibt er sich auf Spurensuche nach Motiven des Zweiten Weltkriegs und vergleicht Alt mit Neu.

Wenn Karl-Heinz Füßner mit seinem Oldtimer durch die Straßen fährt, ist ihm Aufmerksamkeit gewiss. Sein Dogde WC 51 von 1944 ist ein absoluter Hingucker. Das Fahrzeug der US-Armee gelangte gegen Ende des Zweiten Weltkriegs nach Europa und war beim Kampf gegen Hitler-Deutschland im Einsatz.

„Das Auto trägt die Ausweisnummer der 17. Airborne Division“, sagt der gebürtige Halterner, der heute in Senden lebt und als Angestellter in einem Autohaus in Lünen beschäftigt ist. Diese Luftlande-Einheit stieß unter dem Kommando des XIII. Corps von General Simpsons 9. Armee nach Osten vor und eroberte am 29. März Haltern.

Befreiung von der Nazi-Herrschaft

„Sie haben meine Heimatstadt von der Nazi-Herrschaft befreit“, sagt Karl-Heinz Füßner. Der „Holtwicker Junge“ ist stolz darauf, dass sich sein Fahrzeug, das er in Telgte erstand und liebevoll „Molly“ nennt, in nahezu originalgetreuem Zustand befindet.

Es ist auch noch die Halterung vorhanden, in der die Gis ihr Gewehr transportierten. „Ich habe bei meinen Ausflügen aber keine Waffen dabei“, lacht der 53-jährige Fahrzeugbesitzer. Statt eines Gewehrs steckt er einen Baseballschläger in den Schaft – zu Dekorationszwecken. „Schlagen würde ich damit niemanden“, betont er.

Der Dogde von Karl-Heinz Füßner ist ein absoluter Hingucker.
Der Dogde von Karl-Heinz Füßner ist ein absoluter Hingucker. © Karl-Heinz-Füßner © Karl-Heinz-Füßner

Ausflüge mit „Molly“ in die nähere Umgebung sind etwas Besonderes. Denn bei einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h wird man in dem offenen Wagen ordentlich durchgeschüttelt. „Meistens fahre ich mit 60 bis 70 km/h durch die Gegend“, sagt ihr Besitzer, das führe zu Entspannung und Entschleunigung.

Am liebsten hört er dabei passende Musik, zum Beispiel von Glenn Miller oder andere Songs aus den 1940-er Jahren. Seit einiger Zeit hat Karl-Heinz Füßner sein Hobby um einen weiteren Aspekt erweitert.

Nach dem Krieg wurde der ehemalige Reichskanzler im Hauptquartier der US-Armee an der Römerstraße in Haltern verhört.
Nach dem Krieg wurde der ehemalige Reichskanzler im Hauptquartier der US-Armee an der Römerstraße in Haltern verhört. © Archiv Benjamin Gloeckner © Archiv Benjamin Gloeckner
Karl-Heinz Füßner fotografierte seinen Oldtimer vor dem Haus. So kann man die alte Umgebung mit der neuen vergleichen.
Karl-Heinz Füßner fotografierte seinen Oldtimer vor dem Haus. So kann man die alte Umgebung mit der neuen vergleichen. © Karl-Heinz-Füßner © Karl-Heinz-Füßner

Altes mit Neuem vergleichen

Er forscht nach Foto- und Filmdokumenten von historischen Gebäuden und Plätzen im Zweiten Weltkrieg. Dann macht er sich mit seiner „Molly“ auf den Weg, um ein Bild des Fahrzeugs in der jeweiligen aktuellen Ansicht zu schießen und Alt mit Neu zu vergleichen. Ein Bericht der Halterner Zeitung über Hitlers Reichskanzler Franz von Papen, der gegen Ende des Krieges in Haltern festgehalten und verhört wurde, führte Karl-Heinz Füßner zur Römerstraße.

Fotostrecke

Oldtimer “Molly” ist ein echter Hingucker

Hier befand sich das Hauptquartier der 9. US-Armee in Haltern. Filmaufnahmen zeigen Franz von Papen beim Verlassen des Gebäudes. Karl-Heinz Füßner fotografierte seinen Oldtimer vor dem Haus und stellte die Aufnahmen in die Facebook-Gruppe „Finding the location WW1 & WW“. Auf den weiteren Spuren der 17. Airborne Division entdeckte er in den Ruhr Nachrichten auch ein altes Foto vom Schloss Nordkirchen. Die Gemeinde wurde am 30. März 1945 (Karfreitag) von der US-Armee befreit.

Zwei Oldtimer auf Tour

Karl-Heinz Füßner und sein Oldtimer-Fan Daniel Olesch, der einen Dogde Command sein eigen nennt, sorgten mit ihren Fahrzeugen für ein ungewöhnliches Fotomotiv vor der Schlossanlage. Auch hier orientierten sie sich an einer historischen Vorlage.

Am Karfreitag rollten amerikanische Panzer vor das Schloss Nordkirchen.
Am Karfreitag rollten amerikanische Panzer vor das Schloss Nordkirchen. © Archiv Werner Overbeck © Archiv Werner Overbeck
Der Dogde WC 51 von Karl-Heinz Füßner und der Dogde Command von Daniel Olesch vereint vor dem Schloss Nordkirchen.
Der Dogde WC 51 von Karl-Heinz Füßner und der Dogde Command von Daniel Olesch vereint vor dem Schloss Nordkirchen. © privat © privat

In Ottmarsbocholt machte „Molly“ an einem Gedenkstein Station, der an mutige Bürger erinnert. Diese waren am 30. März 1945 den amerikanischen Truppen, die aus Lüdinghausen kamen, mit weißen Fahnen entgegen gelaufen und hatten so dafür gesorgt, dass ihr Dorf friedlich übergeben wurde. „Die hatten doch bestimmt noch einige Nazis im Nacken, die anderer Meinung waren“, vermutet Karl-Heinz Füßner.

Auch die Brille, die Karl-Heinz Füßner auf diesem Foto trägt, ist originalgetreu. Sie stammt aus dem Jahr 1940.
Auch die Brille, die Karl-Heinz Füßner auf diesem Foto trägt, ist originalgetreu. Sie stammt aus dem Jahr 1940. © privat © privat

Kontakte in der ganzen Welt

Sein neues Interesse und die Aktivitäten in den sozialen Medien bescheren ihm Aufmerksamkeit in der ganzen Welt. Er pflegt Kontakte in den USA und in vielen Ländern Europas. So trägt die Beschäftigung mit den Bildern und Relikten des Krieges auf ganz eigene Weise zu Völkerverständigung und Frieden bei.

Gemeinsam mit seiner Frau Tanja plant Karl-Heinz Füßner die Teilnahme an einer Oldtimer-Parade am 80. Jahrestag des D-Day am 6. Juni 2024 in der Normandie. 22 Jeeps und Dogdes aus dem Freundeskreis sind schon angemeldet. Dafür muss „Molly“ noch durchhalten, wovon angesichts der einfachen, aber robusten Technik auszugehen ist.

Über die Autorin
Redaktion Haltern
Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen und hinter jeder Zahl steckt eine ganze Welt. Das macht den Journalismus für mich so spannend. Mein Alltag im Lokalen ist voller Begegnungen und manchmal Überraschungen. Gibt es etwas Schöneres?
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Silvia Wiethoff
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