Mitten im Corona-Chaos: Jogginghosen an den Beinen und Schokolade im Gesicht

Coronavirus-Blog

Keine Schule, kein Ausgang - das ist Lagerkoller in kleinen Dosen! Unsere Familien-Kolumnistin Mareike Graepel aus Haltern am See gibt Tipps und Anregungen (nicht nur) für Eltern.

von Mareike Graepel

Haltern

, 29.03.2020, 15:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Joggingklamotten und Schokolade um die “Schnüss” - wir haben die Kontrolle über unser Leben verloren, aber heute ist das okay...

Joggingklamotten und Schokolade um die “Schnüss” - wir haben die Kontrolle über unser Leben verloren, aber heute ist das okay... © Mareike Graepel

Gut, dass uns alle Karl Lagerfeld jetzt nicht sehen kann. Oh, Moment, vielleicht kann er uns sehen, von da, wo er jetzt ist. Auweia, der 2019 verstorbene Modeschöpfer muss sich in diesen Wochen ja im Grabe umdrehen: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, hat er mal in einer Talk-Sendung gesagt. Der Arme: Zurzeit tragen überdurchschnittlich viele Menschen Klamotten, die sie nie ins Büro oder zur Schule tragen würden.

Da keine/r das Haus, und wenn nur ganz kurz, verlässt, ist bequeme Kleidung, die niemand kritisieren könnte, zumindest bei uns zuhause sehr „en vogue“. Orla trägt seit zwei Wochen gar keine Jeans mehr, oder einen Rock, nur noch Jogginghose. Mir soll es recht sein, sie scheint ihr Leben für eine Achtjährige trotzdem gut im Griff zu haben, und die Jogginghosen lassen sich leicht waschen und im Zweifel auch eben in den Trockner schmeißen.

Anziehen und stylen, als hätte man ein Meeting

Aber ich mache das anders. Nicht nur, weil ich gar keine Jogginghose besitze (nur Laufhosen und die sind ja so wie Leggings, und nicht wirklich zum Rumlungern geeignet), sondern vor allem um mich nicht komplett aufzugeben (siehe Home-Office-Tipps). Das ist es, was Herr Lagerfeld meinte, oder? Wenn man aufhört, sich Gedanken über sein Äußeres zu machen, wird es mit jedem Tag schwieriger, wieder zurück zu finden in die Normalität. Und die ist ja bis mindestens zum 20. April noch ausgesetzt.

Ich ziehe mich also jeden Tag an, als hätte ich ein wichtiges Meeting oder ein Interview. Ich föhne mir die Haare als hätte ich ein Date, dabei geflissentlich ignorierend, dass meine Frisur täglich mehr aus der Form gerät… aber hey, sogar dem wenig eitlen Papa hier im Haus wurden seine Haare zu unkontrolliert, ich musste sie ihm – auf seine Verantwortung! – schneiden. (Gut, er sieht jetzt aus, als müsste er in Nord-Dublin Passanten überfallen, aber das wächst ja alles wieder.)

Wenn ich in ein paar Wochen schon buschige Augenbrauen, eine ungewachste Bikinizone und fünf (?) Kilo zu viel auf die Waage bringe, dann wenigstens nicht auch noch in Jogginghose!

Livestream aus dem Fitnessstudio

Die einzige Ausnahme natürlich: Sport im einsamen Wald oder (gerade eben vor wenigen Momenten selbst gestestet!) im Arbeitszimmer – dazu darf natürlich Sportswear getragen werden. Mit einem Livestream-Video des Fitnessstudios auf der Handy-App habe ich „Body-Styling“ gemacht. Sah vielleicht albern aus, wie ich da vor meinem Smartphone auf dem (nicht angezündeten!) Kamin herum gehampelt habe – na, und? (Ich sehe auch im Fitnessstudio albern aus, da ist das hier allein viel weniger blamabel!)

Und weil heute Sonntag ist, haben wir kollektiv alle Scheu vor Blamagen gemeinsam über Bord geworfen und auch noch Muffins gebacken – und den Schneebesen und die Schüssel ab- bzw. ausgeleckt, ohne höfliche Zurückhaltung. Karl Lagerfeld würde Orla in Jogginghose, mich in Fitnessoutfit und uns beide mit Schokolade im ganzen Gesicht angucken und sagen: „Ihr habt die Kontrolle über euer Leben nicht nur verloren, die kriegt ihr auch nie wieder.“ Wetten doch? Spätestens morgen früh ziehe ich wieder richtige Klamotten an. Nach dem Joggen.

Home-Office-Tipps für die Woche:

  • To-Do-Listen machen – und in die Aufgaben in Prioritäten unterteilen („dringend“, „wäre gut, wenn’s klappt“ und „geht auch noch nächste Woche“ (letzteres dann aber auch Umtragen auf nächste Woche!)). Listen helfen bei der Übersicht und es ist äußerst befriedigend, Dinge als erledigt abstreichen zu können. Und: Es hilft, wenn die Familie/der Partner sieht, dass man Verpflichtungen hat, die erledigt werden müssen.
  • Pausen machen: Und zwar nicht am Rechner! Gehen Sie in den Garten oder auf den Balkon, in die Küche oder ins Wohnzimmer, nur für zehn Minuten. Trinken Sie einen Tee oder Kaffee und genießen Sie es, kurz abzuschalten. Komplett. Danach sind Sie produktiver, garantiert!
  • Nutzen Sie Skype, FaceTime, WhatsApp, Zoom, Microsoft Teams oder was auch immer, um mit Kolleg*innen in Kontakt zu bleiben. Das wirkt der Einsamkeit entgegen und beugt dem planlosen Herumtreiben (und Zeit verplempern) vor.

  • Informieren Sie sich beim Arbeitgeber, Steuerberater und in den Medien, wie Ihre besondere Situation (und jede ist im Moment besonders!) auch in den nächsten Wochen aussehen soll: Kurzarbeit? Zuschüsse? Urlaub? Zwangsurlaub? Was passiert mit der Firma, für die ich arbeite? Das müssen Sie recherchieren und die nächsten Wochen und Monate im Blick haben.

  • Feierabend! Zelebrieren Sie den Feierabend, auch wenn Sie nicht nach Hause gehen können, weil Sie ja schon zu Hause sind. Verlassen Sie den Schreibtisch und fahren den Rechner runter. Freuen Sie sich auf die Freizeit, und lesen Sie ein Buch oder wählen einen schönen Film aus. Tun Sie so, als gingen Sie ins Kino und machen sich Popcorn zum „Tatort“.
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