Mitten im Corona-Chaos - Turnen und Spielen auf eigene Gefahr

Corona-Tagebuch

Es sind schwierige Zeiten für Krankenhäuser, findet unsere Kolumnistin Mareike Graepel. Jetzt wird trotzdem die neue Turnstange im Garten eingeweiht - zur Not mit alten Matratzen gesichert.

von Mareike Graepel

Haltern

, 15.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Feierliche Zermonie auf der „Baustelle“ - endlich dürfen die Turnstangen eingeweiht werden.

Feierliche Zermonie auf der „Baustelle“ - endlich dürfen die Turnstangen eingeweiht werden. © Mareike Graepel

Während wir alle darauf gewartet haben, zu hören wie das Leben weitergeht und welche Lockerungen eintreten werden, hat Irland bereits entschieden, für einige weitere lange Wochen den Lockdown-Zustand beizubehalten – vielleicht tatsächlich so lange, wie es dauert, eine Impfung zu finden.

Das Gesundheitssystem dort ist schon unter normalen Umständen am Rande seiner Handlungsfähigkeit und wird immer wieder von Skandalen gebeutelt – die Sorge, die Kapazitäten könnten im Falle eines „Ansturms“ an Corona-Patienten nicht ausreichen, ist groß. Und berechtigt.

Das wissen unsere Kinder nicht, und wir versuchen, so wenig wie möglich schwarz zu malen. (Ich habe Mick Jagger und die Stones mit ihrem „Paint it black“ aus meinen Playlists verbannt.) Aber sie hören natürlich ganz automatisch Nachrichten und bekommen mit, was uns bewegt.

Schwierige Zeiten für Krankenhäuser

„Warum finden manche Menschen es doof, dass die Betten im Krankenhaus leer bleiben – das ist doch gut, oder Mama?“ Ja, denn das bedeutet, dass unser aller Bemühungen irgendetwas bewirken, und um es mit Kabarettist Christoph Sieber zu sagen: „Wenn ich mein Kind mit Sonnencreme eincreme, beschwere ich mich hinterher ja auch nicht, dass es keinen Sonnenbrand bekommen hat.“

Was das alles finanziell für Krankenhäuser bedeutet, ist schwieriger zu erklären und ich möchte die Kinder noch eine Weile vor der Erkenntnis schützen, dass auch ein Hospital ein Wirtschaftsunternehmen ist und Kosten/Nutzen-Entscheidungen treffen muss. Als Kind wiegt man sich so schön in der Sicherheit, dass man dort schlicht wieder gesund gemacht wird – was in den allermeisten Fällen ja auch so ist.

Aber eine Freundin in London hat es – nur semi-scherzend – auf den Punkt gebracht: „Wenn du in den letzten Wochen noch nicht gerufen hast: Hör´ sofort damit auf! Wir können auf keinen Fall in die Notaufnahme fahren, weil du (wahlweise:) da runtergefallen bist/dir etwas gebrochen hast/eine Platzwunde genäht werden muss! - Hast du dann überhaupt Kinder?“

Turnen und Spielen - Auf eigene Gefahr

Mhm, und wir eröffnen heute im Garten endlich die von Orla heißersehnten Turnstangen, die es als Gutschein zu Weihnachten gab und die wegen Bodenfrost und Zeitmangel erst jetzt fertig einbetoniert werden konnten, mit einer kleinen Zeremonie um die Mittagszeit (wir werden keine Flasche Sekt dagegen werfen, aber eine kurze Rede halten und allzeit Gutes Aufschwingen wünschen – und immer eine Handbreit Rasenfläche unterm Kiel, äh, Körper).

Vielleicht lege ich zur Sicherheit bis zum Ende der Corona-Zeit ein paar alte Matratzen darunter? Davon hätte ich zwei in der Garage, die im Zuge des Corona-Ausmistens (wie Millionen anderer entrümpeln wir ja auch brav) als überflüssig aufgefallen sind. Sie sind schon zu alt und haben zu viele Kinderzimmer-Momente (von der Magen-Darm-Grippe bis zum Kirschsaft-im-Bett-trinken/verschütten) erlebt, als dass wir sie noch spenden könnten.

Und da wird mir noch mal ganz deutlich bewusst, wie gut wir es haben. Wir haben ein Zuhause, in dem wir sicher sind. Wir haben fließend Wasser und Seife (ganz tolle! Aus dem Unverpackt-Laden!) und können uns regelmäßig waschen. Wir können einkaufen (jetzt auch endlich wieder selbst – ein verrücktes Gefühl. Ich war so lange nicht mehr in einem Supermarkt, ich werde überrascht sein, wie das da alles aussieht jetzt!) und haben keinen Hunger und keine Not.

Und übrigens – wir haben seit Beginn der Krise nur zwei Mal Klopapier gekauft und nichts gehamstert. Ha!

bilinguale Missverständnisse

Allerdings haben wir unsere ganz eigenen Klopapier-Probleme. Jetzt, da Orla temporär (!) ein eigenes Handy hat, erstellt sie eifrig Gruppen. Unsere Familiengruppe hat ihr nicht ausgereicht und sie hat noch eine neue erstellt – mit beiden Omas drin. Sehr lustige bilinguale Missverständnisse gibt es gratis dazu.

Zum Beispiel, als die irische Oma sich bedankt hat, dass sie hinzugefügt wurde und schrieb: „Dance, Orla.“ Und Orla so: „Soll ich? Soll ich jetzt tanzen?“

In eine dieser Gruppen schickte der Daddy ein Bild von einer leeren Klopapierrolle, die er auf dem Halter vorfand: „Was stimmt hier nicht?“ Orlas lapidare Reaktion: „Wechsel die doch selbst. Ist doch ganz einfach.“ Ach was.

Lonely Planet: Die Backpacker-Bibel „Lonely Planet“ schließt ihre Büros in Melbourne und London, melden die Nachrichtenagenturen heute morgen. Für viele Reisefans ein Schock. Wer dennoch von fernen Ländern träumen möchte, kann sich hierhin träumen: Auf die Seychellen. Oder nach Bondi Beach: https://www.coastalwatch.com/surf-cams-surf-reports/nsw/bondi-beach. Oder nach Ameland: https://webcam.nl/ameland/. Oder wohin auch immer die Sehnsucht einen gern schicken würde.
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