Mitten im Corona-Chaos: Wann ist Bettruhe?

Coronavirus

Die Schlafenszeit ist eine komplizierte Angelegenheit, wenn es seit Wochen keine Schule oder Kita mehr gibt. Vor allem, wenn das eigene Kind heimlich noch aufbleibt - um mit Oma zu chatten.

von Mareike Graepel

Haltern

, 10.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Heimlich unter der Bettdecke texten, mit Oma chatten oder einen Film gucken - das hat das gute, alte Lesen im Moment offenbar abgelöst...

Heimlich unter der Bettdecke texten, mit Oma chatten oder einen Film gucken - das hat das gute, alte Lesen im Moment offenbar abgelöst... © Mareike Graepel

Klar gibt es den Osterhasen. Natürlich. Bis zum letzten Osterfest habe ich das zumindest noch durchgezogen, und glaubwürdig vermittelt, dass der eben sehr fix ist und deswegen nicht zu sehen ist.

Jetzt haben wir so oft über Corona und Viren geredet und warum man die nicht sehen kann, aber trotzdem seine Hände waschen muss (für alle Kinder mit Hasen oder anderen Haustieren: Auch im Umgang mit den Fellnasen ist regelmäßiges Händewaschen jetzt wichtig!), dass ich nicht genau weiß, ob das den Osterhasen in der Phantasie meiner kleinen Tochter realistischer oder unrealistischer macht, aber nun gut, wir werden sehen…

Anschaulicher Trick erklärt die Wirksamkeit vom Händewaschen

Um zu erklären, wie das funktioniert mit dem Schutz vor Corona, haben wir etwas nachgemacht, was ich im Internet schon gesehen hatte. Dieser coole Trick mit dem Wasser und dem Pfeffer hat auch Alva und Orla die Augen geöffnet.

Dazu füllt man zwei Suppenteller mit Wasser und gibt in beide etwas gemahlenen Pfeffer. Dann erklärt man den Kindern, dass der Pfeffer das Virus darstellt und bittet sie, mit dem Zeigefinger in einen der Teller zu stippen (in den gleichen!). Dann lässt man die Kinder die Finger mit den vielen kleinen Pfefferstaubkörnchen genau betrachten. Hunderte kleben an der Haut.

Dann wird der Zeigefinger der anderen Hand mit etwas Spülmittel eingerieben und darf in den anderen Suppenteller getunkt werden. Wie der Blitz scheint der Puffer auseinander zu stieben, drängt ganz an den Rand der Tellers. Um die Spüle-Finger bleibt klares Wasser zurück und nicht mal der geringste Hauch von Pfeffer ist auf der Kinderhaut zu finden – faszinierend.

Sehr leicht zu Hause nachzumachen und so unfassbar anschaulich, dass das selbst der arroganteste Mensch unter der Sonne – und das sind Kinder hoffentlich ja eh nicht – nicht ignorieren kann.

Regeln und Ausnahmen

Dass uns allen die Trennung von Freundinnen und Freunden, Großeltern und Co. zu schaffen macht, ist ja nichts Neues. Dass das manchmal zu sehr die Regeln der normalen Ausnahme-Genehmigungen überdehnenden Aktionen führt, ist da bei den ja auf natürlichste Art und Weise opportunistischen Kindern nur logisch.

Gestern Abend war ich ja mit einer, nein neben einer, Freundin im Nachbarauto im Autokino. Kurz bevor der Film anfing, bimmelte mein Handy (ironischerweise haben wir uns „Das Perfekte Geheimnis“ angesehen, aber die eintreffende Nachricht war keine, die mich in Verlegenheit gebracht hätte…).

Es war der Daddy, der empört mitzuteilen hatte, dass er Orla zwar ordnungsgemäß ins Bett gebracht, aber offensichtlich dabei ihre neue Handy-Hand-Verlängerung übersehen hatte. Nach einer halben Stunde „Bettruhe“ kam Orla nämlich ins Wohnzimmer spaziert, mit dem Telefon in der Hand und einer Video-Chat Oma in Irland im Display, der sie irgendein Spielzeug von Schleich auf dem großen Esstisch zeigen wollte. Die Oma hatte sich nichts dabei gedacht, in Irland ist es ja auch eine Stunde früher.

Online bis zum Sonnenaufgang

„Ähm, Orla, was machst du da?“ fragte der Erziehungsberechtigte zu Recht erstaunt. „Oh, hi, Papa,“ – als hätte sie ihn zum ersten Mal gesehen im Wohnzimmer – „ich hab mit Oma unter der Bettdecke gechattet, lustig, oder?“ Lustig, tja. Wie man’s nimmt. Ab jetzt bleiben die Handys unten bei uns, wenn Schlafens- oder Lesezeit ist.

Genau das werden sich im Übrigen auch Bekannte von uns überlegen – deren Sohn Paul (8) hat es nämlich dieser Tage ganz cool gebracht und heimlich auf dem Tablet die ganze Nacht nicht nur zwei ganze Star-Wars-Filme, sondern auch noch zwei Folgen der dazu passenden neuen Serie geguckt. Bis um sechs Uhr, als die Sonne aufging, ohne einzuschlafen.

Ich würd’s dem Kind nicht verraten, aber das ist schon ein kleines bisschen beeindruckend. Ich schlafe ja schon nach der Tagesschau ein, manchmal. Außerdem schimpfe ich bereits, wenn Alva heimlich noch liest, mit der Taschenlampe unter der Bettdecke (als ob wir das nicht alle getan hätten)…

Film-Tipps für Ostern: Wer jetzt mit seinen Kindern nicht Star Wars gucken will, dem sei zu anderen fantastischen Reisen in ferne Welten geraten, von denen wir auch während Corona träumen dürfen. Hier unsere Top 5: 1. „Wo die wilden Kerle wohnen“ – ein zauberhafter Film über einen Jungen namens Max, der riesige Monster zähmt. 2. „Die unendliche Geschichte“ – Bastian und Atrejus Abenteuer gehen immer, sind ja unendlich, logisch! 3. „Momo“ – wir lassen uns die Zeit nicht (mehr) stehlen, von den grauen Herren in den grauen Anzügen, mit den Zigarren aus unserer Lebenszeit. 4. „Ferien auf Saltkrokan“ – Urlaub machen, wenigstens vor dem Fernseher, so geht das gut! 5. „Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten“ – sehr lohnenswert, spannend und lehrreich dazu!
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt

Keine Schule, kein Ausgang - das ist Lagerkoller in kleinen Dosen! Unsere Familien-Kolumnistin Mareike Graepel aus Haltern am See gibt Tipps und Anregungen (nicht nur) für Eltern. Von Mareike Graepel

Lesen Sie jetzt