Nach Infektion und Isolierstation: Kultwirt „Günni“ ist wieder zu Hause

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Günter Hildebrandt, Wirt der Halterner Szenekneipe „Schänke“, ist nach seiner Corona-Infektion auf dem Weg der Besserung. Am Freitag durfte er das Krankenhaus verlassen.

Haltern

, 17.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich freue mich so sehr. Das kann ich gar nicht in Worten beschreiben“, teilte der 63-Jährige bei einem Telefongespräch mit unserer Redaktion am Freitag mit. „Endlich darf ich wieder zu meiner Familie und etwas Musik im heimischen Wohnzimmer hören“, so der Kultwirt. Die Entzündungswerte und sein Fieber seien zurückgegangen. Die Lunge müsse sich aber noch weiter erholen.

Der beliebte Wirt hatte seine Infektion vor einer Woche selbst auf Facebook veröffentlicht. Viele Freunde und Stammgäste des Lokals hatten sich daraufhin große Sorgen gemacht. Denn: „Günni“, wie ihn fast alle nennen, hatte in diesem Jahr bereits einige Rückschläge erlitten. Erst im Frühjahr hatte er sich nach einer Krebsdiagnose einer schweren Operation unterziehen müssen.

Großer Dank an die Ärzte

„Die Ärzte hatten wenig Hoffnung, dass ich diese Infektion überstehe“, sagt Günter Hildebrandt. Doch er habe versucht, sich nicht hängen zu lassen. „Das Mittel gegen Ebola, was ich erhalten habe, konnte bereits vor wenigen Tagen abgesetzt werden. Ich fühle mich auch wieder besser.“ Den Ärzten im Halterner Krankenhaus sei er von tiefstem Herzen dankbar. „Sie haben alles gegeben und mir immer wieder Mut gemacht.“

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Äußerst glücklich, so erzählt er weiter, sei er auch über die zahlreichen Genesungswünsche und aufmunternden Worte gewesen, die ihn erreicht haben. „Solch eine emotionale Unterstützung hätte ich nie erwartet. Ich habe sogar Briefe im Krankenhaus erhalten. Ich bin allen, die mich unterstützt haben, sehr dankbar.“

Zu Hause müsse er nun aber noch weiter in Quarantäne bleiben. In wenigen Tagen sei ein Abstrich für eine Testung geplant. Seine Lunge habe sich bislang nicht vollständig vom Virus erholt. „Ich benötige etwa einen Liter Sauerstoff pro Tag. Das wird mich wohl noch etwas beschäftigen.“

Zukunft der Schänke ungewiss

Wie geht es mit der Schänke weiter? „Das ist eine Frage, über die ich mir in den nächsten Wochen Gedanken machen muss“, gibt er offen und ehrlich zu. Der Pachtvertrag laufe noch bis Ende des kommenden Jahres.

Dass es in Zukunft nicht einfacher wird, liege dabei auf der Hand. In diesem Jahr habe er mit seiner Kneipe bisher nur etwa 30 Prozent der üblichen Einnahmen erzielt. „Wir leben mit unserem Konzept vom klassischen Thekenbetrieb.“ Wenn man sich die vielen Maßnahmen aufgrund der aktuellen Corona-Entwicklung anschaue, dann sei aber klar, „dass es der Todesstoß für solche Lokale sein dürfte.“

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Wer den Wirt, der die Schänke seit mittlerweile 17 Jahren betreibt, kennt, weiß, dass es ihm und seiner Frau schwer fallen wird, die Szenekneipe aufzugeben. „Wir haben in der Vergangenheit so viele schöne Abende mit nationalen und internationalen Musikern in unserer Kneipe erlebt. Unsere Gäste sind wie eine Familie für uns. Irgendwann kommt aber der Punkt, an dem man loslassen muss“, sagt Günter Hildebrandt. Dennoch wolle er alles versuchen, damit es weitergehen kann. Denn er weiß: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

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