Je nach Inzidenzwert könnten die Schulen kommende Woche bereits wieder leer bleiben. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Nach langem Hin und Her: Schulen in Haltern ab Montag im Wechselunterricht

Endlich herrscht Klarheit: Ab Montag wird es in Haltern Wechselunterricht geben. Dabei hatten der Kreis Recklinghausen und die Stadt Haltern eigentlich andere Pläne.

Distanz- oder doch Wechselunterricht? In den Halterner Schulen wurde am Freitag dringend auf eine schnelle Nachricht aus Düsseldorf gewartet. Die kam dann auch am späten Abend: „Die Landesregierung schafft in einer Landesverordnung schon jetzt die Vorgaben, die den noch ausstehenden geplanten bundeseinheitlichen Regelungen entsprechen“, hieß es in der Mitteilung.

Demnach starten die Schulen in Nordrhein-Westfalen und damit auch in Haltern am Montag in den Wechselunterricht – mit Ausnahme der Schulen in den Kommunen, die über einer Inzidenz von 200 liegen. Am Freitagabend lag der Kreis Recklinghausen noch unter 200.

Nicht betroffen von dieser Maßgabe und daher weiterhin im Präsenzformat zulässig ist allerdings auch in den Über-200-Kommunen nach Auskunft der Landesregierung der Unterricht

  • für die Abschlussklassen der allgemeinbildenden Schulen, der Berufskollegs und der Förderschulen sowie die entsprechenden Semester im Bildungsgang Realschule des Weiterbildungskollegs,
  • in der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe, des beruflichen Gymnasiums und der Bildungsgänge des Weiterbildungskollegs.

Zuvor hatte die Stadt Haltern am Freitagnachmittag die Leitungen der Schulen dazu aufgerufen, am Montag (19. April) nicht in den Präsenz- oder Wechselunterricht zu starten, sondern zunächst im Distanzunterricht zu verbleiben. Auch die städtische Musikschule bleibt nach Auskunft der Stadt geschlossen.

„Wir brauchen eine Verfügung des Ministeriums oder des Kreises“

Es habe sich dabei jedoch lediglich um eine Empfehlung gehandelt, meinte Frank Cremer, Schulleiter der Alexander Lebenstein Realschule. „Wir als Schulleiter können auf Anweisung der Stadt oder der Empfehlung des Kreises nicht einfach die Schule schließen. Wir brauchen eine Verfügung des Schulministeriums oder eine des Kreises, die nur in Absprache mit dem Schul- oder Gesundheitsministerium erfolgen kann.“

Landrat Bodo Klimpel: „Die Zeit rennt“

Um eine Verfügung in Absprache mit dem Land zu erwirken, hatte Landrat Bodo Klimpel bereits am Donnerstag (16. April) zusammen mit den Bürgermeistern der zehn kreisangehörigen Städte, darunter auch Andreas Stegemann in Haltern, ein Schreiben an die Ministerin verfasst. Darin hatte er um die Zustimmung des Landes zum Verbleib im Distanzunterricht gebeten.

Danach hatte der Kreis Recklinghausen am Freitagmittag den Schulen nahegelegt, ab dem kommenden Montag im Distanzunterricht zu bleiben. „Weil die Zeit rennt und die Lage sich so zugespitzt hat, haben wir die Entscheidung für die Schulen des Kreises heute getroffen und empfehlen den Bürgermeistern, dies auch an ihren Schulen umzusetzen“, hatte Landrat Klimpel gesagt.

Kreis Recklinghausen könnte bald 200er-Inzidenz knacken

Demnach bleiben die Berufskollegs in Trägerschaft des Kreises in der kommenden Woche im Distanzunterricht. Ausgenommen von der Regelung sind die Abschlussklassen. Davon betroffen ist auch das Hans-Böckler-Berufskolleg mit seiner Dependance in Haltern. Ob dieser Beschluss allerdings durch die aktuelle Entscheidung des Landes gekippt wird, stand am späten Freitagabend noch nicht fest.

Aktuell steuert der Kreis Recklinghausen auf eine Inzidenz von 200 zu. Am Freitag (16. April) lag der Wert laut Landeszentrum für Gesundheit NRW (LZG) bei 189,9. Damit könnte der 200er-Wert schon bald erreicht werden. Wäre dies an drei aufeinanderfolgenden Tagen der Fall, dürfte es im Kreis Recklinghausen ohnehin nur noch Distanzunterricht geben.

„Wir müssen auch am Wochenende flexibel handeln“

Für die Schulleiter bedeutet das Hin und Her einen großen Aufwand. „Die späte Entscheidung macht es schwierig, alles zu organisieren“, sagt Veronika Beher, Sprecherin der Halterner Grundschulen und Schulleiterin der Silverbergschule.

Dass die Lage gerade schwierig ist, verstehe sie. Aber: „Sowohl Eltern als auch Lehrer kommen an ihre Grenzen, was die Organisation betrifft. Allerdings gibt es auch gerade damit keinen anderen Umgang. Wir müssen auch am Wochenende flexibel handeln.“ Das Gute sei, dass die beiden Unterrichtsformen und die Organisation den Eltern bekannt seien.

Die Leiterin der Silverbergschule steht jedoch noch vor einer weiteren Herausforderung: „Wir als Grundschule haben das größere Problem, am Wochenende die Notbetreuung zu organisieren. Wir werden die Eltern schnellstmöglich informieren.“

Über den Autor
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Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad
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