Nach Urlaub in Risikoländern: Wer meldet sich, wer kontrolliert es?

hzCorona-Auflagen

Wer Urlaub macht in einem Risikogebiet, muss sich nach der Rückkehr beim Gesundheitsamt melden und in häusliche Isolierung gehen. Doch wer macht das überhaupt? Und wird es kontrolliert?

Haltern

, 27.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Türkei ist eines von vielen Ländern, die vom Robert-Koch-Institut angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie als Risikogebiet eingestuft worden sind. „Verstehen kann ich das nicht“, sagt Jasmin Sahin, die mit ihrem Mann Osman einen Imbissbetrieb an der Lippstraße in Haltern betreibt. „Vermutlich geht es bei dieser Reisewarnung nicht nur um Hygiene- und Infektionsschutz, sondern auch um Politik.“ Im deutsch-türkischen Verhältnis knirsche es weiterhin. „Die Reisewarnung dient wohl als probates Mittel, Zugeständnisse zu verlangen. Denn die Situation vor Ort ist nicht so schlimm, dass diese Warnung rational nachvollziehbar ist“, findet sie.

Ein Besuch in der Heimat komme für sie und ihren Mann aktuell nicht in Frage. Als „Risiko-Urlauber“ müssten sie nach der Rückkehr unverzüglich in eine 14-tägige häusliche Isolation. „Wir könnten dann ja auch unseren Imbissbetrieb in diesen Zeitraum nicht öffnen. Das hätte einen wirtschaftlichen Schaden zur Folge, den wir uns als Selbstständige nicht einfach so leisten können. Wir würden gerne einen Heimatbesuch machen, aber unter diesen Umständen geht es nicht.“

Corona-Einreiseverordnung in NRW

Sie glaube, dass in diesem Sommer einige ihrer türkischen Landsleute wegen der Coronakrise auf Urlaub oder Verwandtenbesuche in der Heimat verzichten, sagt Jasmin Sahin. „Grundsätzlich gehen die Menschen in unserem türkischen Bekanntenkreis unterschiedlich mit der aktuellen Situation um.“

Reisende, die aus Risikoländern zurückkehren, müssen sich nach der Rückkehr telefonisch, per E-Mail oder über ein Online-Formular beim Gesundheitsamt melden. So sieht es die aktuelle Corona-Einreiseverordnung in NRW vor, wenn man keinen aktuellen negativen Coronatest vorlegen kann.

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Kontrolliert wird das allerdings selten. Nach Angaben von Kreissprecher Jochem Manz haben sich in den vergangenen Wochen 1034 Menschen „aktiv bei uns gemeldet. Die Daten geben wir an die zuständigen Ordnungsbehörden vor Ort weiter“. 90 Prozent der Urlauber seien in der Türkei gewesen, einige aber auch in Ländern wie Ägypten, der Dominikanischen Republik und den USA.

Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld belegt werden kann

„Eine nennenswerte Zahl“, so Manz, verschweige allerdings die Reise in ein Risikogebiet und trage im schlimmsten Fall dazu bei, das Coronavirus zu verbreiten. Wer gegen die Bestimmungen der Einreiseverordnung verstößt, begehe eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld belegt werden kann.

Halterns Stadtsprecher Thomas Gerlach sieht jedoch keine Möglichkeit einer flächendeckenden Kontrolle. Die Städte könnten Verstöße nur ahnden, wenn sie Hinweise auf Reiserückkehrer aus Risikogebieten erhalten. „Wir sind auf entsprechende Mitteilungen angewiesen. Ansonsten gibt es für uns keine Möglichkeiten, hiervon Kenntnis zu erlangen.“

Künftig sollen rückkehrende Urlauber aus Risikogebieten bei ihrer Ankunft an deutschen Flughäfen auf das Coronavirus auf eigenen Wunsch hin getestet werden. Das geht aus dem Beschluss hervor, auf den sich die Gesundheitsminister der Länder am Freitag geeinigt haben.

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