Kristina Brummet (l.) und Sandra Lindemann starteten eine Online-Petition, damit das Wäldchen an der Erikastraße erhalten bleibt. Im Winter füttern die Nachbarn in diesem Wäldchen die Vögel, seit Beginn des Protests steht hier ein Playmobil-Pferd. © Elisabeth Schrief
Gegen Waldrodung

Nachbarn wollen mit Petition Bebauung an der Erikastraße verhindern

Anwohner der Erikastraße in Sythen gründeten eine Bürgerinitiative, um die Abholzung des Wäldchens zugunsten neuer Wohnhäuser zu stoppen. Über 300 Unterschriften haben sie bereits gesammelt.

Der Protest gegen die geplante Bebauung des kleinen Wäldchens an der Erikastraße in Sythen geht weiter. Statt neue Wohnhäuser zu genehmigen, soll die Stadt sich für den Erhalt dieses Mischwaldes einsetzen, sagen Nachbarn. Sie gründeten die Bürgerinitiative Erikawäldchen, starteten eine Online-Petition und verteilen nun überall im Ort kleine Flyer mit der Einladung, das Anliegen zu unterstützen.

Um dieses Wäldchen zwischen Münsterstraße (r.) und Erikastraße (l.) geht es: Es soll teilweise neuer Wohnbebauung weichen. © privat © privat

„Hier funktioniert Natur noch“, sagt Sandra Lindemann. Sie ist vor knapp acht Jahren zur Erikastraße gezogen. „Ich habe mich so gefreut, Waldkäuzchen, Igel und Fuchs beobachten zu können“, erzählt sie. Im Winter füttern die Nachbarn die vielen Singvögel des Wäldchens. „Hier wachsen Eichen, aber mit Eichenprozessionsspinnern haben wir überhaupt kein Problem“, sieht Kristina Brummet einen Beweis dafür, dass hier im Wäldchen die Welt in Ordnung ist. Sie wohnt seit 1973 an der Erikastraße.

Ironie: Zum Lachen wäre dem Baum sicherlich nicht, wenn er wüsste, dass er abgeholzt wird. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

Beide Akteurinnen wissen, dass das gut 6000 Quadratmeter große Areal seit rund 50 Jahren als Bauland ausgewiesen ist. „Aber alle reden nun von Klimaschutz. Da müssen die Politiker doch nachdenken, ob die Entscheidung von damals heute noch zeitgemäß ist“, fordert Kristin Brummet die Politik zum Handeln auf.

Nachbarn sagen: „Rotbuchen sind über 100 Jahre alt“

Dass es sich bei dem Grünzug als Abgrenzung zur Münsterstraße um Wildwuchs handele, wie Projektentwickler und Stadt sagen, will Kristina Brummet nicht akzeptieren. Auf alten Luftbildern könne man erkennen, dass es keine Brachfläche gewesen sei. Hier gebe es Rotbuchen, die nachweislich über 100 Jahre alt seien.

Im Oktober soll die Fläche für die neue Bebauung vorbereitet werden. Geplant sind ein Reihenhaus mit drei Parteien und ein Doppelhaus. Junge Bauwillige haben bereits Grundstücke für sich reservieren lassen. Der ursprüngliche Privatbesitzer hatte das Grundstück an einen Investor weiterveräußert.

Kinder haben in dem Wäldchen ein Baumhaus gebaut. Der Besitzer des Grundstücks hat jahrelang die Nutzung als Abenteuerspielplatz zugelassen. Dass das Wäldchen Bauland ist, hätten sie nicht gewusst, sagen die Nachbarn. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

„Uns geht es nicht nur um das Wäldchen, sondern grundsätzlich um den zunehmenden Flächenverbrauch in Haltern“, sagen Kristina Brummet und Sandra Lindemann. Es müsse endlich ein Wandel stattfinden. Dass das eine besondere Herausforderung angesichts des knappen Wohnraums in Haltern ist, wissen sie. Mit Blick auf die verheerende Flutkatastrophe an der Ahr weisen sie auch darauf hin, dass das Wäldchen eine perfekte Versickerungsfläche bei Starkregen sei.

345 Bürger bekundeten bislang Solidarität

Die Bürgerinitiative ist überzeugt, genug Argumente für den Erhalt des Wäldchens zu haben. In Sythen verteilte sie Flyer und die Einladung, sich mit einer Unterschrift an der Online-Petition zu beteiligen. „Die Geschäfte im Ort waren sofort bereit, unsere Flyer auszulegen“, freut sich Kristina Brummet.

Jede Unterstützung ist der BI willkommen, der Erfolg stehe zwar in den Sternen, aber sie wolle nichts unversucht zur Rettung des Wäldchens lassen. 345 Bürgerinnen und Bürger haben bislang durch ihre Unterschrift Solidarität bekundet.

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Elisabeth Schrief

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