Negativzinsen drohen: Bürger legen immer mehr Geld auf die hohe Kante

Gut Verdienende legen immer mehr Geld bei Halterner Banken an. Wer von Kurzarbeit betroffen ist, muss dagegen Einkommensverluste verkraften. Corona verschärft soziale Unterschiede.
Die Zinspolitik könnte auch bald für Negativzinsen auf Sparkonten sorgen. © picture alliance/dpa

Es gibt bei den beiden Halterner Banken keine vermehrte Nachfrage nach Krediten, auch nicht aus der Wirtschaft. Die schwindenden Einnahmen einiger Gewerbe durch Corona hätten etwas anderes vermuten lassen. In Haltern ist die Lage eher umgekehrt. Es ist mehr Geld da, als die Banken gebrauchen können. Grund ist die Negativzinspolitik von Europäischer Zentralbank (EZB) und Bundesbank. Wollen sie dort Geld anlegen, müssen sie selbst Zinsen zahlen. 0,5 Prozent sind es aktuell bei der EZB.

Haltern hat einen relativ hohen Anteil wohlhabender Bürger an der Gesamtbevölkerung, das verstärkt das Problem für die ortsansässigen Institute. Wer jetzt weiterhin gut verdient und nichts fürs Einkaufen oder Urlaubsreisen ausgibt, legt Geld auf die hohe Kante. Für größere Einlagen vereinbaren die Banken inzwischen Verwahrentgelte, das heißt, auch der Anleger muss zahlen. Ob sie flächendeckend kommen, darüber gehen die Einschätzungen der Geldinstitute noch auseinander. Die Entwicklung deutet sich aber an, solange sich die europäische Zinspolitik nicht ändert.

Andererseits: Dieses Problem hätten andere gern. Viele Beschäftigte einzelner Branchen sind seit Beginn der Coronakrise durchgängig von Kurzarbeit betroffen. Das ist immer mit Einkommensverlusten verbunden. Die soziale Schere klafft durch Corona weiter auseinander.