Eine erhebliche Umsatzsteigerung, die den Apotheken derzeit mancherorts nachgesagt wird, kann Dr. Hannes Müller nicht bestätigen. © Patrick Radtke
Apotheken

Neue Corona-Schutzmasken-Verordnung verärgert Apotheker

Die Bundesregierung hat einen wichtigen Teil der Corona-Schutzmasken-Verordnung geändert. Die Apotheker seien deswegen „enttäuscht“ – auch in Haltern.

Die Apotheken in Deutschland sollen in der Coronavirus-Pandemie angeblich erheblich profitieren. Dies meinen derzeit viele Menschen. Dass das nicht der Fall ist, meint dagegen der Sprecher der Apothekenkammer Westfalen-Lippe. Ein Halterner Apotheker bestätigt dies. Die Apotheken sind zudem „enttäuscht“ von der Regierung, sagt die Apothekensprecherin des Kreises, Juliane Stark-Kreul. Es gebe aber etwas, „was uns richtig gut tut“.

Die wirtschaftliche Situation für die meisten Apotheken sei gesund, sagt Michael Schmitz, Geschäftsführer Kommunikation der Apothekenkammer Westfalen-Lippe. „Die Umsätze sind recht stabil“, erklärt er. Dass die Apotheken jetzt aber ihre Umsätze erheblich gesteigert hätten, bestreitet er.

Was Michael Schmitz beobachtet, sei eine Verschiebung der Einnahmequellen. Durch den Rückgang von Erkältungs- oder Durchfallerkrankungen würden die Bürger weniger in ihre Hausapotheke investieren – mit Hygieneartikeln könnten die Apotheken dies aber auffangen.

Freiverkäufliche Medikamente verkaufen die Apotheken eher selten, das bestätigt der Halterner Apotheker Dr. Hannes Müller: „Der Verkauf von freiverkäuflichen Medikamenten ist deutlich gesunken.“ Dafür macht auch er den Rückgang von Erkältungs- und Durchfallerkrankungen verantwortlich. Als einen weiteren Grund nennt er den Wegfall von Urlaubsreisen, denn dadurch würden auch für die Reiseapotheke weniger Medikamente gekauft.

Corona-Schutzmasken-Verordnung wurde geändert

Den diesbezüglichen Umsatzrückgang gleichen die Apotheken aber vor allem durch den Verkauf von FFP2-Masken aus, sagt Hannes Müller: „Der Maskenverkauf gleicht die Kundenzahl etwas aus.“ Ein Beschluss der Bundesregierung Ende Januar verärgerte die Apotheken jetzt aber.

Aus der überarbeiteten Coronavirus-Schutzmasken-Verordnung (SchutzmV) geht hervor, dass die Apotheken die FFP2-Masken für Risikopatienten nur noch für 3,90 Euro brutto statt wie bisher für 6 Euro brutto abrechnen können. Demnach dürfen Apotheken nur noch das neue Honorar für den zertifizierten Mund-Nasen-Schutz abrechnen, die mit dem zweiten Coupons eingelöst werden. Der zweite Coupon ist ab dem 16. Februar bis zum 15. April einlösbar.

Die Erklärung der Regierung für den jetzt niedrigeren Abrechnungssatz: „Als die Bundesregierung die Maskenabgabe für Ältere und Risikogruppen Anfang Dezember organisiert hat, lagen die Durchschnittspreise für die Produkte bei 4,29 Euro.“ Mittlerweile seien die Preise aber deutlich gesunken.

10 kostenfreie FFP2-Masken für Alg-II-Bezieher

  • Mit der Absenkung des FFP2-Honorars für die Apotheken möchte die Bundesregierung einer weiteren Gruppe kostenlose FFP2-Masken finanzieren.
  • Etwa 5 Millionen Alg-II-Bezieher bekommen je zehn FFP2-Masken. Diese müssen bis zum 6. März in den Apotheken abgeholt werden.
  • Dazu bekommen sie ein Schreiben ihrer Krankenkasse. Dieses und einen Lichtbildausweis müssen sie dann in der Apotheke vorlegen.
  • Die Schreiben sollen demnächst verschickt werden, teilte die Bundesregierung mit.
  • Für Empfänger von Arbeitslosengeld II, die neu zum Kreis der Anspruchsberechtigten gehören, gilt auch der neue Preis Abrechnungssatz.

Doch die hätten im Dezember massenweise Masken bestellt, um die Nachfrage bedienen zu können, erklärt Juliane Stark-Kreul, Apothekensprecherin des Kreises. Alle für den teureren Preis bestellten FFP2-Masken seien nun aber noch gar nicht abverkauft. Die Apotheken sind deshalb verärgert. „Es ist blöd, dass wir die Masken teurer eingekauft haben und jetzt weniger dafür bekommen“, sagt Hannes Müller. Etwas dagegen unternehmen könnten die Apotheken nicht.

Apothekensprecherin zieht Taschengeld-Vergleich

Juliane Stark-Kreul zieht einen Vergleich: „Wenn ich meinem Kind 15 Euro Taschengeld verspreche und dann zwei Wochen später nur noch zehn Euro gebe, beschädige ich mein Vertrauen und mache mich unglaubwürdig.“

„Trotz des Dämpfers“ ist die Kreis-Apothekensprecherin aber glücklich. Im Gespräch habe ein Kunde den Apotheken einen guten Job bescheinigt. „Solch ein Lob tut gut. Dann merken wir, warum wir den Job gerne machen.“

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Niklas Berkel
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