Neue Stühle statt Computer?

Haltern Abiturienten haben auf ihnen gespannt aufs Zeugnis gewartet. Kabarettfreunde bogen sich auf ihnen vor Lachen, und so manch einer ist bei trockenen Reden auf ihnen sanft eingeschlummert.

06.11.2007 / Lesedauer: 2 min

etzt haben die Stühle in der Aula des Schulzentrums ausgedient. 65 000 Euro will die Stadt für 550 neue Stühle ausgeben. Weil nur noch 15 000 Euro im Haushalt zur Verfügung stehen, muss die Verwaltung das Geld zusammenkratzen. Deshalb stand gestern eine außerplanmäßige Ausgabe von 50 000 Euro auf der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses. Das Geld stammt vor allem aus den Etatansätzen der Schulen für Computerausrüstung.

Beim SPD-Fraktionsvorsitzenden Heinz Wiengarten stieß dies auf Kritik: "Ich glaube, hier werden die falschen Prioritäten gesetzt." So marode seien die Stühle nicht. Er habe auf ihnen viele schöne Veranstaltungen überstanden.

Bürgermeister Bodo Klimpel widersprach in doppelter Hinsicht. Er habe sich persönlich davon überzeugt, dass die Sitzmöbel in einem "grottenschlechten Zustand" sind. Es sei aber auch keinesfalls geplant, den Schulen grundsätzlich die jetzt beanspruchten Mittel zu entziehen. Bei der Schlussabrechnung des Haushalts werde das Geld wieder den Schulbudgets zur Verfügung gestellt. "Den Schulen wird nichts weggenommen", betonte Klimpel. Die Bildung der Schüler habe für ihn oberste Priorität. CDU-Fraktions-Chef Franz Schrief unterstützte den Bürgermeister. Zu einem funktionierenden Schulbetrieb gehöre eine Aula. Stühle und Teppich seien aber mittlerweile in einem Zustand, der nicht mehr hinnehmbar sei. Der Teppich müsse schon deshalb ausgetauscht werden, weil er eine Gefahr darstelle.

Bis zu zehn Wochen beträgt die Lieferzeit, so dass die Gäste des Neujahrsempfangs wohl noch auf den alten Stühlen Platz nehmen müssen, aber die nächsten Abiturienten werden sicher auf neuen Sitzmöbeln zittern dürfen. Thomas Liedtke

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