Neue Vorwürfe gegen Caritas

Initiative sieht Missbrauch

HALTERN/RECKLINGHAUSEN Die „Initiative Solidarisches Recklinghausen“ wirft der Caritas und der Jugendwerkstatt Haltern nicht nur den rechtswidrigen Einsatz von Ein-Euro-Jobbern vor.

von Von Thorsten Fechtner

, 15.01.2010, 18:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

  • Die Jugendwerkstatt Haltern habe sieben Ein-Euro-Jobber, drei Langzeitarbeitslose mit Beschäftigungszuschuss sowie zwei Jugendliche mit Sozialstunden eingesetzt. Abgerechnet wurde das alles aber als Facharbeiterlohn.
  • Die Jugendwerkstatt habe weder die Kosten noch die Erlöse aus diesem Sanierungsauftrag in ihren Büchern unter „Renovierungen“ verbucht. Das hätte aber im Bereich Grünflächenpflege der Jugendwerkstatt erfolgen müssen, so Beyer-Peters.

„Uns geht es darum, dass diese Praxis mit den Ein-Euro-Jobbern beendet wird“, sagt Beyer-Peters, auch wenn dadurch die Caritas „bedauerlicherweise einen Imageschaden erleidet“. Der Einsatz der Ein-Euro-Jobber sei durch nichts gerechtfertigt gewesen. Alle drei Kriterien für den Einsatz solcher Kräfte seien nicht erfüllt gewesen: Es sei keine zusätzliche Arbeit gewesen, sie sei nicht wettbewerbsneutral gewesen und es habe auch kein öffentliches Interesse. Beyer-Peters betonte, dass er nicht glaube, dass die Vestische Arbeit davon gewusst habe. Er fordert sie dennoch zu mehr Kontrollen auf.

Die Vestische Arbeit habe die Pflicht, die Ein-Euro-Jobber darüber zu informieren, dass sie falsch eingesetzt worden seien. Beyer-Peters weiß von einem Beschäftigten, der Schadensersatz von 1500 Euro gegenüber der Caritas geltend macht. Beyer-Peters fordert: Alle eingesetzten Ein-Euro-Jobber sollen Schadenersatz erhalten. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Essen den Eingang der Strafanzeige gegen Willi Grave, Geschäftsführer der Caritas Haltern, bestätigt. Der Vorsitzende der Caritas für die Stadt Recklinghausen, Ludger Twachtmann, stellte auf Nachfrage klar, dass die Jugendwerkstatt für „Hilfsarbeiten“ ein Angebot gemacht und damit die Ausschreibung gewonnen habe.

Und die Caritas Recklinghausen habe gezahlt. Es sei alles in Ordnung gewesen. „Wie hätten wir als Auftraggeber kontrollieren können, welche der zahlreichen Arbeiter im Hause Ein-Euro-Jobber sein sollen?“, fragt Twachtmann. Ulrich Kupke, Sprecher der Vestischen Arbeit, bestätigte gestern, dass das Geld, dass die Vestische Arbeit für die Ein-Euro-Jobber gezahlt habe, wieder zurückerstattet worden sei. „Das Konto ist ausgeglichen, das Verfahren beendet.“ Den Vorwurf der fehlenden Prüfung lasse er aber nicht gelten, die Vestische Arbeit würde unangemeldet Einsätze überprüfen. „Wir lassen uns aber nicht unter Druck setzen.“

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