In dem früheren Büro eines Immobilienmaklers (r.) am Disselhof (gegenüber dem Café Zentral/Schwarzer Adler) richtet ein Verein das erste Halterner Gebetshaus ein. © Schrief
Für alle Konfessionen

Neues Gebetshaus in Haltern: 24 Stunden Gesang und Anbetung

Wer vom Disselhof in die Mühlenstraße einbiegt, kommt an einem Haus vorbei, das eine neue Bestimmung erhalten hat. Hier sollen künftig bei Tag und Nacht die Gebete nicht mehr verstummen.

Es ist ein Raum, in dem bei Tag und Nacht gebetet und gesungen wird. Keine Kirche, doch zum Verweilen einladend. Mal ist es hier laut, mal ganz ruhig und besinnlich. Mal beten hier viele, mal nur einige wenige. „Es zählt der Blick auf Gott“, sagt eine der Gründerinnen. Etwas außerhalb von Raum und Zeit geht es in dem ehemaligen Büro eines Immobilienmaklers um Lobpreis und Anbetung (praise and worship). Halterner – Männer wie Frauen – im Alter zwischen aktuell 14 und 65 Jahren wollen, sobald Corona-Lockerungen es erlauben, ihr Gebetshaus Haltern am Disselhof mit Leben füllen.

Eine Pilgerreise in den Wallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina hat das Leben von acht Frauen verändert. Nach dieser prägenden Reise schloss sich eine Gruppe zusammen, die sich seitdem regelmäßig jede Woche in der Sythener Schlosskapelle zum gemeinsamen Gebet trifft. Zusätzlich gestaltet sie seit fast fünf Jahren eucharistische Anbetungen und Nachtanbetungen.

Vorbilder in Augsburg und Kansas City

Rita Saalmann aus Lippramsdorf gehört zu dieser Gebetsgruppe: „Wir sind die letzten fünf Jahre in einer Schule des Gebets gewesen, durften in der Beziehung zu Gott wachsen und haben außergewöhnliche Erfahrungen mit seiner Liebe machen dürfen.“ 2019 sei der Wunsch entstanden, eigene Erfahrungen an andere Menschen weiterzugeben. Daraus entstand der Verein „Gebetshaus Haltern am See“. Vorbilder fanden sie in Augsburg und in Kansas City/USA.

„Unsere Vision ist, einen Ort in Haltern zu schaffen, wo es möglich ist, Jesus bei Tag und bei Nacht anzubeten. 24 Stunden pro Tag, 7 Tage die Woche“, erklärt Rita Saalmann. Im Gebetshaus könne man beten einüben und auch unterschiedliche Gebetsformen lernen. „Durch Lobpreis und Anbetungslieder bekommen viele Menschen einen einfachen, aber sehr emotionalen Zugang zum Glauben; Richtschnur sind das Alte und Neue Testament“, erläutert sie, die mit ihrer Familie auf einem Bauernhof im Ortsteil Eppendorf lebt.

Ein Blick durchs Fenster in den Gebetsraum, der gerade eingerichtet wird. © Schrief © Schrief

Im Halterner Gebetshaus wird in starker Fürbitte für die Anliegen der Welt und der Kirche gebetet – gerne auch mit Glaubensgeschwistern anderer christlicher Konfessionen gemeinsam. Diese sind eingeladen, stundenweise Gebetszeiten zu übernehmen. Kerngebet ist der Lobpreis: Geehrt wird Gott mit Instrumenten und Gesang. Da ist die E-Gitarre genauso willkommen wie die Harfe. Grundsätzlich stehen die Türen für alle Menschen offen, egal, ob gläubig oder nicht.

„Wir arbeiten unabhängig von der Pfarrei St. Sixtus, aber unsere Türen stehen für gemeinsame Projekte von katholischer und evangelischer Gemeinde sowie von Freikirchen offen.“ Richtschnur des Handelns sei allerdings die Lehre der katholischen Kirche. Das Gebetshaus soll jedoch die Möglichkeit schaffen, sich mit Glaubensgeschwistern unterschiedlicher Konfessionen auszutauschen und so in der Ökumene zu wachsen.

Kirche neu entdecken und moderner gestalten

Der Verein finanziert sich ausschließlich über Spenden. Die Mitglieder freuen sich über Einmalspenden, aber noch dringender brauchen sie Daueraufträge, damit sie übers Jahr planen können.

Wer das Gebetshaus unterstützen möchte, kann das gerne auf folgendes Konto tun: Gebetshaus Haltern am See e.V., DE55 4016 4528 0280 0837 00

Spendenquittung und weitere Fragen bitte per E-Mail an: praise.and.worship@web.de

Für Rita Saalmann und ihre Mitstreiter ist ganz wichtig, dass sie der Kirche keine Konkurrenz machen wollen. So nach dem Motto: Ihr habt es nicht drauf, wir können es besser. „Nein, wir lieben unsere Kirche, und wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass Menschen von Gott fasziniert werden und die Schönheit der Kirche für sich entdecken.“ Allerdings lege man Wert auf ein modernes Gewand. „Die Kirche ist in der heutigen Zeit zu spröde und alt“, findet die Gruppe.

Wegen der Corona-Pandemie hat sich die Öffnung des Gebetshauses verzögert. Geplant ist möglicherweise Mitte Juni ein Tag der offenen Tür, um den Raum, aber auch das Besondere, die „Herz-zu-Herz-Beziehung zwischen Mensch und Gott, vorzustellen.

Das Gebet verstummt nie

Die Halterner orientieren sich an das Gebetshaus Augsburg und dessen Gründer Johannes Hartl. Der wird im Alter von 14 Jahren von der Idee angesteckt, mit anderen jungen Leuten zusammen länger am Stück zu beten. Die ersten Gebetsnächte und Gebetswochenenden finden in den 90er-Jahren mit anderen Jugendlichen statt, die wie Johannes Hartl zur Charismatischen Erneuerung in der katholischen Kirche gehören.

Bei einem Besuch im „International House of Prayer“ in Kansas City gewinnt die Vision Klarheit, ein Zentrum in Deutschland zu eröffnen, in dem das Gebet bei Tag und bei Nacht nicht verstummt.

Die ersten Gebetstreffen finden in einer Privatwohnung statt, die offenen Vortragsabende in der Pfarrkirche. Immer mehr Menschen kommen dazu – und zwar Christen aus allen Konfessionen. Seit September 2011 wird an 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr im Gebetsraum gebetet.

Über die Autorin
Redaktion Haltern
Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
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Elisabeth Schrief
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