Sphärische Klänge bei Corona-Kurzkonzerten der Sythener Gitarrentage

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Bei den Sythener Gitarrentagen war alles etwas anders als in den letzten Jahren. Coronabedingt gingen drei Kurzkonzerte mit identischem Programm am Sonntag über die Bühne am Schloss Sythen.

von Heidemarie Siegel

Sythen

, 11.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lichte Momente in unsicheren Zeiten, so mochte manch einer der Zuhörer empfunden haben, der einem der drei Kurzkonzerte der diesjährigen Sythener Gitarrentage lauschen durfte.

Wobei schon die Mehrzahl bei den Tagen nicht stimmt – unter den gegebenen Einschränkungen hatte die Kulturstiftung Masthoff aus den traditionell zwei Tagen einen einzigen gemacht und unter dem Motto „3XGitarreX3“ für drei Konzerte mit identischem Programm drei dem Publikum wohlbekannte Künstler gewinnen können: das Amadeus Guitar Duo, bestehend aus Dale Kavanagh und Thomas Kirchhoff, Hans-Werner Huppertz sowie Dale Kavanagh als Solistin, die mit Eigenkompositionen das jeweilige Konzert eröffnete.

Titel passt recht gut zur Stimmung

Das erste dieser recht unterschiedlichen kurzen Stücke trug den Titel: „Going Nowhere“, was recht gut zur Stimmung passt: Wissen wir doch alle nicht, wohin diese Zeit uns führen wird. Mit technischem Können und einfühlsamer Musikalität präsentierte Dale Kavanagh ihre Kompositionen, man hörte iberische Impressionen, modern Jazziges oder Blues-Ähnliches, mal fließend, mal statisch mit fast perkussiver Basslinie, mal schien eine Reminiszenz an Bach durchzuschimmern.

Diese „Going Nowhere“-Stimmung ließ klar werden, welche Kostbarkeit es ist, mit anderen Menschen zusammen einem künstlerischen Ereignis beizuwohnen, das, wie bei allen darstellenden Künsten, in dieser Form einzigartig und unwiederholbar ist. Die Dankesworte, die fast jeder Konzertbesucher beim Abschied an den Veranstalter richtete, zeigten die Sehnsucht, die die meisten Menschen nach solchen Erlebnissen verspüren. Im Vortrag von Hans-Werner Huppertz, der zu Beginn zwei Werke von Agustin Barrios (1885-1944) anstimmte, klang diese unterschwellige Wehmut mit, insbesondere beim Vals op 8,3, weniger bei den tänzerischen Rhythmen der temperamentvolleren Danza Paraguya Nr. 1.

Manches kam tänzerisch-beschwingt, fast wienerisch daher

Der Komponist der folgenden fünf Stücke, Vicente Emilio Sojo (1887-1974) , habe nach Aussage von Hans-Werner Huppertz u.a. auch in Europa Kirchenmusik studiert, was man den Stücken ob ihrer recht strengen Form auch anhören könne. Sie wiesen so auch teilweise choralartige oder barocke Anklänge auf, manches kam tänzerisch-beschwingt, fast wienerisch daher, verleugnete aber nicht die südamerikanisch-iberischen Wurzeln. Dem gekonnt-sicheren, zugleich innigen Vortrag des unprätentiös musizierenden Künstlers wurde mit begeistertem Beifall gedankt.

Amadeus Guitar Duo ist ein alter Bekannter

Zum guten Schluss betraten gewissermaßen alte Freunde des Sythener Gitarrenpublikums auf die Bühne: das Amadeus Guitar Duo. Das perfekt aufeinander eingespielte Paar begann mit dem 1. Satz der Transkription des Streichquartetts Nr. 2 des russischen Komponisten Alexander Borodin (1833-1887), von Thomas Kirchhoff beschrieben als eine Musik, in der nicht viel geschehe, die aber mit acht Minuten schöner Melodien zu erfreuen wisse. Das folgende Werk von Gaspar Sanz (1640-1710) sei zwar alt, klinge aber frisch – unter den Fingern des Duos war diese Beschreibung von Thomas Kirchhoff jedenfalls absolut zutreffend, klang doch der rasche zweite Satz sehr temperamentvoll, fast rockig.

Es folgte eine selbst zusammengestellte Suite aus Stücken des zeitgenössischen Komponisten André Jolivat (1905-1974) , Praeludio e Cancona und Andante Melonconico aus der Serenade von 1956. Im Wechsel dazu erklangen Werke von Johann Sebastian Bach, BWV 539 Fuga d-Moll, von der Fassungen für Violine, für Laute und die hier gewählte, vierstimmige für Orgel und nun für zwei Gitarren eingerichtete existieren.

Sphärische Klänge an heißem Tag

Die Musik von Jolivat erinnere ihn an Sphärenklänge, Vorgänge im Kosmos oder Planeten im All, erläuterte Thomas Kirchhoff. Der Wechsel zwischen diesen gegensätzlichen Werken, jenem sphärischen von Jolivat, dessen zweites Stück dunkel, geheimnisvoll, fahl und labyrinthisch wirkte, war spannend, zumal er mit BWV 1006a zu einem lichten, hoffnungsfrohen Ende führte. Begeisterter Beifall der coronabedingt wenigen Zuhörer belohnte die Künstler am Schluss eines heißen Tages.

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