Öffentliche Toiletten in Haltern sind rar gesät – Wildpinkeln ist teuer

Corona-Lockdown

Zwei von drei öffentlichen Toiletten in Haltern sind derzeit in Betrieb. Wer aber beim Spaziergang rund um den Stausee mal eben auf die Toilette muss, hat ein Problem.

Haltern

, 10.01.2021, 14:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Diese öffentliche Toilette in Haltern ist momentan geschlossen.

Diese öffentliche Toilette in Haltern ist momentan geschlossen. © Jürgen Wolter

Viele Möglichkeiten, etwas während des Lockdowns zu unternehmen, gibt es aktuell nicht. Der eine oder andere nutzt seine freie Zeit gerne mal für einen gemütlichen Spaziergang rund um den Stausee oder - trotz geschlossener Geschäfte - für einen Bummel durch die Innenstadt. Nur was ist, wenn plötzlich die Blase drückt? Restaurants und Cafés sind zu, eine öffentliche Toilette gibt es nur seitlich der Sixtuskirche.

Das Toilettenhäuschen in der Kirchgasse ist rund um die Uhr zugänglich. 50 Cent kostet die Benutzung. Die Reinigung der Toilette wird von der Stadt organisiert.

50 Cent kostet die Benutzung der öffentlichen Toilettenanlage in der Stadt.

50 Cent kostet die Benutzung der öffentlichen Toilettenanlage in der Stadt. © Florian Wilms

Die zweite - momentan nutzbare - öffentliche Toilette ist die der Caritas am Bahnhofsgebäude. Hier gibt es eine Herren-, eine Damen- und eine Behindertentoilette. Diese sanitäre Einrichtung ist allerdings nur tagsüber geöffnet, dafür ist die Benutzung kostenlos. Die Reinigung übernimmt die Jugendwerkstatt.

Die Toilettenanlage am Stausee gegenüber vom Lakeside Inn ist momentan geschlossen.

Die Toilettenanlage am Stausee gegenüber vom Lakeside Inn ist momentan geschlossen. © Jürgen Wolter

Die dritte öffentliche Toilette ist momentan geschlossen. Sie befindet sich gegenüber dem Lakeside Inn am Stockwieser Damm. Sie gehört der Stadt und ist nur in den Sommermonaten zwischen April und Oktober in Betrieb, sagt Stadtsprecher Thomas Gerlach. „Wegen der geringeren Nachfrage bleibt sie im Winter geschlossen.“ Es lohne sich dann nicht, die Toilette ständig zu säubern und auf Vandalismus zu achten.

Die öffentliche Toilette der Caritas am Bahnhofsgebäude ist in Betrieb.

Die öffentliche Toilette der Caritas am Bahnhofsgebäude ist in Betrieb. © Foto: Holger Steffe

Dass Bürger momentan häufiger Wildpinkeln oder ihr Geschäft am Wegesrand verrichten, kann der Stadtsprecher allerdings nicht bestätigen. „Zumindest gibt es keine gehäuften Anzeigen“, sagt Gerlach. Wird jemand beim Wildpinkeln erwischt, kostet das 35 Euro Strafe.

„Von der Türklink geht mehr Gefahr aus als von der Klobrille“

Mit Professor Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn, sprach Christoph Klemp über öffentliche Klos.
  • Ist der Ekel vor öffentlichen Toiletten berechtigt?
  • Der Ekel ist grundsätzlich dann berechtigt, wenn öffentliche Toiletten schon optisch beschmutzt aussehen. War vor einem jemand mit Brechdurchfall auf dem Klo, kann es zur Kontamination mit Noroviren kommen. Es reicht, diese hochinfektiösen Erreger an die Hand zu bekommen und sich dann ins Auge oder den Mund zu fassen. Deshalb kommt es sehr auf die eigene Hygiene und das richtige Verhalten auf der Toilette an.
  • Wie verhalte ich mich richtig?
  • Wenn es geht, sollte man den Deckel schließen, bevor man abzieht. Bei offenem Klodeckel wird das Wasser im Umfeld versprüht. Aus hygienischer Sicht sehen wir es als unvorteilhaft an, wenn man nur noch Toiletten ohne Deckel aufstellt. Der Gebrauch der Toilettenbürste nach dem Abziehen ist auch für den Nachfolgenden angenehmer. Das gründliche Händewaschen auch zwischen den Fingern mit Flüssigseife gehört dazu und das Abtrocknen der Hände, idealerweise mit Papiertüchern. Lufttrockner können Viren verwirbeln.
  • Nutzen Sie selbst öffentliche Toiletten?
  • Ich meide sie, wenn es geht oder bevorzuge Toiletten, die in der Regel hygienisch gut gewartet werden. Und ich würde auch keine benutzen, bei der ich den Eindruck hätte, dass sie in einem schlechten Wartungszustand ist. Manchmal kann man es sich leider nicht aussuchen.
  • Viele Menschen ekeln sich vor den Türklinken in öffentlichen Toiletten – zu Recht?
  • Von der Türklinke geht mehr Gefahr aus als von der Klobrille. Auf der Türklinke können auch längere Zeit Viren haften. Ich öffne die Toiletten- Tür immer mit einem Papierhandtuch.
  • Dieses Interview erschien am 8. Juni 2018 in der Halterner Zeitung.
Lesen Sie jetzt