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Ohne die EU läuft auch in der Halterner Hofkäserei Andres nichts

hzZiegenkäse-Herstellung

In seiner Hofkäserei stellt Christoph Andres Ziegenkäse her. Statt die Produkte mit einem EU-Siegel zu schützen, setzt er auf Qualität. Die EU ist dennoch überall im Betrieb präsent.

Haltern

, 12.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein wildes Gemecker empfängt den Besucher auf dem Hof Andres in Haltern-Lünzum. Hier führt Christoph Andres (37) zusammen mit seiner Frau Angela (35) die gleichnamige Hofkäserei. Produziert wird ein Käse, der sich in deutschen Landen zwar langsam, aber zunehmend durchsetzt: Ziegenkäse. Gefertigt werden viele Käsesorten – Schnittkäse, Weichkäse, Frischkäse, mit Kräutern oder ohne, mit Spragel oder Bärlauch, und testweise immer wieder auch mal mit weiteren Zutaten. Angela Andres ist milchwirtschaftliche Laborantin und stets offen für Neues.

Handgemachter Ziegenkäse aus Lünzum

Eines haben alle rund 40 Ziegenkäsesorten aus Lünzum aber gemeinsam: Sie sind handgemacht. Darauf ist Familie Andres stolz. Aus diesem Grund auch hält der Molkereifachmann nicht viel von einem Schutz seiner Produkte durch ein EU-Produktsiegel. Denn um besondere regionale Produkte vor Nachahmung und Missbrauch zu schützen, werden diese in Europa mit speziellen Produktsiegeln ausgezeichnet.

Ohne die EU läuft auch in der Halterner Hofkäserei Andres nichts

Auch die Toggenburger Ziege - eine Schweizer Rasse - wird in Haltern auf dem Hof Andres gezüchtet. © Ingrid Wielens

So wie etwa der westfälische Schinken oder die Aachener Printen. „Das“, sagt Christoph Andres, „ist in unserem Fall viel zu schwierig“. Denn gerade weil seine Produkte handgemacht seien, würden sie sich auch innerhalb einer Sorte zum Beispiel hinsichtlich der Mikroflora und des Reifungsprozesses schon mal unterscheiden. Und diese Abweichungen will die EU mit ihrem Produktsiegel ja vermeiden.

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Christoph Andres vertraut dagegen voll und ganz auf die Qualität der Hofkäserei-Produkte, mit der er sich am Markt zunehmend durchsetzen möchte.

Regionales Produkt aus Haltern ist gefragt

Das Thema EU allerdings ist auch auf dem Ziegenhof Andres ständig präsent. So bekam der Betrieb mit heute rund 200 Ziegen der Rassen Weiße und Bunte deutsche Edelziege sowie der schweizerischen Toggenburger Ziege 2007 die EU-Zulassung. „Das war notwendig für die uneingeschränkte Vermarktung“, erklärt der 37-Jährige. Regionale Produkte seien eben zunehmend gefragt: „Wir verzeichnen jedes Jahr ein leichtes Wachstum.“

Lieferungen sogar in die Uckermark

5000 Liter Ziegenmilch werden jede Woche verarbeitet. Die Käufer kommen aber nicht nur aus Haltern und Umgebung. Geliefert wird auch an Großhändler im Ruhrgebiet, an Händler in Ostwestfalen und Münster, Wochenmarkthändler und Hofläden. Immerhin ein Sechstel der gesamten Produktion geht sogar in die Uckermark.

Ohne die EU läuft auch in der Halterner Hofkäserei Andres nichts

Um die Europäische Union kommt kein Betrieb herum. In der Hofkäserei hält man sich an zahlreiche EU-Verordnungen. © Ingrid Wielens

Auf diversen Frühjahrs- und Herbstmärkten – wie auch auf dem Halterner Gänsemarkt – sind Angela und Christoph Andres zudem anzutreffen. „Wir wollen den Kundenstamm in der Region weiter ausbauen“, sagen sie.

EU gibt auch Hygienemanagement und Ohrmarken vor

Europäisches Recht hat sich aber auch hinsichtlich der Arbeitsweise in der Hofkäseei durchgesetzt. Seit 1998 gilt die EG-Verordnung für die Produktion und den Umgang mit Lebensmitteln HACCP (hazard analysis and critical control points=Gefahrenanalyse und kritische Kontrollpunkte). Konkret geht es dabei um das Hygienemanagement in einem Betrieb.

Auch die vorgeschriebene Kennzeichnung und Registrierung von Haus- und Nutztieren mit einer Ohrmarke geht auf eine Verordnung der EU zurück.

Der Verbraucher bestimmt den Geschmack

Bei der Geschmacksrichtung der Halterner Ziegenkäse allerdings hat sich das Unternehmerpaar „dem deutschen Verbraucher gebeugt“, wie Christoph Andres sagt. Die Käse sind allesamt mild – so wollen es die Kunden. Ein anderes Thema ist dann aber wieder die Kennzeichnung: Zu lesen ist auf dem Etikett neben Hofkäserei- und Sortenname, Adresse und Angaben zu Fettgehalt, Zutaten, Haltbarkeit und Gewicht natürlich auch eines – die EG-Nummer.

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