Auf mindestens 100.000 Euro Schmerzensgeld verklagt: Der Mandant von Verteidiger Thomas Schwieren (hier im Strafprozess, vor der Corona-Pandemie). © Jörn Hartwich
Stadtmühle Haltern

Opfer verlor Auge bei Disko-Schlägerei: Täter auf Schmerzensgeld verklagt

Bei einer Disko-Schlägerei in Haltern verliert ein Mann aus Olfen ein Auge. Jetzt soll der Haupttäter Schmerzensgeld zahlen – und zwar richtig.

Diese Klage hat es noch einmal in sich: Anderthalb Jahre nach einer brutalen Schlägerei in der Halterner Diskothek „Stadtmühle“, bei der ein Türsteher aus Olfen ein Auge verloren hat, ist der Haupttäter auf mindestens 100.000 Euro Schmerzensgeld verklagt worden.

„Leben komplett verändert“

„Man muss immer berücksichtigen, was er angerichtet hat“, erklärte Anwalt Harald Bönninghoff, der die Klage für den Türsteher eingereicht hat. „Er hat das Leben eines anderen Menschen komplett verändert, wenn nicht sogar komplett zerstört.“

Der zur Tatzeit 20-Jährige war völlig ausgerastet, als er vor die Tür gesetzt werden sollte.

Als der Fall Anfang vergangenen Jahres am Essener Landgericht verhandelt wurde, hatten die Richter am Ende keinen Zweifel, dass der junge Haltener ein schweres Cocktailglas in das Gesicht des Sicherheitsmitarbeiters geworfen hat – aus ein bis zwei Metern Entfernung.

Weiter in Behandlung

Die Folgen waren dramatisch. Der Olfener verlor sein linkes Auge – und damit auch seinen Job als Lkw-Fahrer.

In der Diskothek Stadtmühle ereignete sich die schreckliche Tat.
In der Diskothek Stadtmühle ereignete sich die schreckliche Tat. © Kevin Kindel © Kevin Kindel

Auch bei der Freiwilligen Feuerwehr war er nicht mehr so einsetzbar wie früher. Von der Psyche ganz zu schweigen. „Er befindet sich noch immer in Therapie“, so Bönninghoff. Ob weitere Operationen erforderlich sind, sei noch nicht klar.

Zusätzlich zu den geforderten mindestens 100.000 Euro soll der heute 22-Jährige auch für alle möglicherweise auftretenden künftigen Schäden oder Komplikationen aufkommen.

Bruder hat schon gezahlt

Von seinem damals ebenfalls angeklagten älteren Bruder werden dagegen „nur“ 5000 Euro Schmerzensgeld gefordert. Er hatte bereits während des Strafprozesses 1000 Euro gezahlt und kann für die schwere Augenverletzung laut Gericht nicht verantwortlich gemacht werden.

Der jüngere der beiden Brüder war Ende Mai 2020 wegen schwerer Körperverletzung zu viereinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt worden, gegen seinen Bruder waren zwei Jahre Haft auf Bewährung verhängt worden. Richterin Ute Postert hatte damals von einer „ganz schäbigen Tat“ gesprochen. Vor allem der damals 20-Jährige habe „eine Spirale der Gewalt“ in Gang gesetzt.

Prozess vielleicht im Herbst

Die Urteile sind inzwischen rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hatte zwar ursprünglich Revision eingelegt, sie im vergangenen August aber wieder zurückgenommen.

Wann die Schmerzensgeldklagen verhandelt werden, ist unklar. Aufgrund der Corona-Pandemie fallen zurzeit viele Verhandlungen aus. „Ich rechne frühestens Mitte des Jahres mit einem Termin, eher aber im Herbst“, so Bönninghoff. Und zu den Erfolgsaussichten: „Ich bin ganz optimistisch, dass dabei ein relativ hohes Schmerzensgeld herauskommt.“

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