Ordensschwestern verlassen Sixtus-Hospital: „Wir mussten alles können“

Alle werden sie im Halterner St. Sixtus-Hospital vermissen. Dr. Andreas Weigand, Medizinischer Geschäftsführer des KKRN-Klinikverbundes, Michael Ostholthoff, Leitender Pfarrer der Pfarrei St. Sixtus, Bürgermeister Andreas Stegemann, Schwester Marianne Kamlage, Provinzvikarin der Mauritzer Franziskanerinnen, Guido Bunten, Kaufmännischer Direktor der KKRN und Pflegedirektorin Hiltrud Hachmöller (hinten, v. l. n. r.) nehmen Abschied von den drei Ordensschwestern: Schwester M. Ermenfried, Schwester M. Nicerata und Schwester M. Hildeborg (vorne, v. l. n. r.). © Günter Schmidt
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Unter vielen lieben Worten und Tränen wurde beim feierlichen Gottesdienst am Montag (13. Juni) deutlich: Alle werden die Ordensschwestern schmerzlich vermissen. Wenn Schwester M. Nicerata, Schwester M. Ermenfried und Schwester M. Hildeborg als die drei letzten Schwestern der Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen den Konvent des Halterner St. Sixtus-Hospitals verlassen, geht eine Ära zu Ende. Nach 165 Jahren gehen damit die letzten drei Franziskanerinnen in den Ruhestand.

Schwestern waren in allen Lage eine große Unterstützung

„Für unser ganzes Krankenhaus ist das ein zutiefst ergreifender Moment. Unsere Ordensschwestern sind die guten Seelen, die unserem täglichen Leben eine spirituelle Stütze bieten“, so Dr. Andreas Weigand, Medizinischer Geschäftsführer der KKRN Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord GmbH, zu der das Halterner Krankenhaus gehört.

Der Weg zur Ordensschwester ist einer, den heute kaum noch jemand geht. In den 70er-Jahren waren allein im St. Sixtus-Hospital Haltern 28 Schwestern tätig. Schwester M. Nicerata, Schwester M. Ermenfried und Schwester M. Hildeborg begannen ihr Ordensleben in ihren Zwanzigern. „Dafür muss man berufen sein“, sind sich die drei einig. „Wir alle sind in der katholischen Kirche groß geworden, aber deswegen mussten wir nicht ins Kloster – wir haben das einfach gespürt.“ Die Möglichkeit zurückzutreten bestand für das Trio jederzeit.

Gerade zu Anfang wurde das Gelübde regelmäßig erneuert: „Früher haben wir das mit der Verlobungszeit vor der Hochzeit verglichen – wir hatten jederzeit die Option, einen Rückzieher zu machen, aber wir waren uns unserer Bestimmung sicher“, berichtet die 85-jährige Schwester M. Ermenfried, die früher auf Station 1 als Stationsleitung tätig war.

„Pflege sieht heute anders aus.“

Damals gab es ausschließlich Ordensschwestern als Pflegekräfte auf den Stationen, die dauerhaft im Einsatz waren. Sie hatten nicht viel frei und die Pflege war ihr Leben: „Für unsere Patienten und deren Familien waren wir rund um die Uhr da. Heute geht das nicht mehr, es herrscht viel Zeitdruck und alles muss dokumentiert werden. Wir konnten uns mehr Zeit für die Menschen nehmen, ihnen zuhören oder mal was für sie kochen“, berichtet die 83-jährige Schwester M. Hildeborg, die die Patienten vorrangig zu Hause besuchte.

Auch der Fokus auf bestimmte pflegerische Bereiche bestand früher nicht: „Wir lernten keine Intensiv- oder Palliativpflege, unsere Pflege war ganzheitlich und wir mussten alles können“, weiß Schwester M. Ermenfried zu berichten, die seit längerer Zeit für die Kapelle des Krankenhauses zuständig ist.

Das Miteinander leben

In ihrer Berufung als Ordensschwestern bestärkt fühlten sich die drei aber nicht nur durch ihr sinnstiftendes Tun, sondern auch durch das Miteinander: „Jede Mahlzeit und jede Gebetszeit verbrachten wir gemeinsam“, erzählt Konvent-Oberin Schwester M. Nicerata, die seit 54 Jahren im Halterner Krankenhaus verwurzelt ist und davon 30 Jahre als OP-Schwester tätig war.

Seit Ende der 60er-Jahre wohnen sie in den oberen Etagen des Franziskushauses mit eigenem Gebetszimmer und Blick auf den Stausee. „Unser Zuhause mit dem malerischen Ausblick wird uns fehlen, aber wir sind dankbar, dass sich unser gemeinsamer Weg nicht trennt“, sagt Oberin Nicerata mit Blick aus dem Fenster.

Krankenhaus bleibt zukünftig in guten Händen

Noch in diesem Monat geht es für Schwester M. Nicerata und in wenigen Wochen für die beiden anderen Schwestern in den Ruhestand zurück in das Mutterhaus nach Münster. Am Sonntag, dem 28. August, werden die Ordensschwestern noch einmal im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes der Pfarrei St. Sixtus verabschiedet. „Wir lassen unsere Ordensschwestern nur schweren Herzens gehen und werden sie in besonderer Erinnerung behalten“, betont Pflegedirektorin Hiltrud Hachmöller.

Fest steht: Verdient haben die Ordensschwestern den Ruhestand allemal und sie wissen ihre Nachfolge in guten Händen. Denn der indische Konvent bleibt bestehen und die beiden indischen Ordensschwestern (Dienerinnen der Armen) Linsa und Sutharia bekommen zum neuen Jahr noch Unterstützung durch zwei weitere Mitschwestern aus Indien.

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