Pandemie in Haltern: Die Pest forderte viele Tote in der Stadt

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Die Isolation wegen des Coronavirus zehrt an unseren Nerven. Doch das ist nichts im Vergleich zu dem Leid, das die Halterner bei Pestausbrüchen in früheren Zeiten erdulden mussten.

Haltern

, 26.04.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Coronavirus hat uns eine Pandemie beschert, die es so schon lange nicht mehr auf der Welt gegeben hat. Früher waren die Menschen ständig durch ansteckende Krankheiten bedroht. Eine davon war die Pest, die weltweit Millionen Opfer forderte und mehrfach auch in Haltern wütete.

Erstmals geschichtlich verbürgt wird der Schwarze Tod in Haltern 1630. Das schreibt Franz Luermann in einem Beitrag für das Halterner Jahrbuch 2009. Haltern war damals ein kleiner Flecken, der schon Jahre von bayerischen Truppen besetzt war. Der Handel war fast zum Erliegen gekommen, die Menschen waren verarmt oder weggezogen.

Die Pest hatte ein leichtes Spiel

Die hygienischen Verhältnisse waren vermutlich katastrophal. So hatte das Pestbakterium ein leichtes Spiel, das zu Beginn jeder Krankheitswelle durch Mäuse- und Rattenflöhe auf den Menschen übertragen wird. Die Halterner waren der tödlichen Gefahr fast schutzlos ausgeliefert, da half in den meisten Fällen nur noch beten.

Eine elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Pestbakterium Yersinia pestis.

Eine elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Pestbakterium Yersinia pestis. © picture alliance / dpa

So veranstaltete der damalige Pastor Ewald Stevermüer am 6. August 1630, dem Fest des St. Sixtus, eine Bittprozession mit dem Ziel, die Pest zu überwinden. Leider war dieses Ansinnen nicht von Erfolg gekrönt, denn Franz Luermann berichtet, dass es 1634 und 1637 zu weiteren Erkrankungen gekommen sei. Allerdings nicht in dem Ausmaß wie einige Jahr zuvor.

Die gesamte Stadt litt unter der schrecklichen Infektionskrankheit. Alte Akten zeigen, dass die Stadt Haltern 51 Baumstämme für 715 Thaler und 39 Schillinge verkaufte, um die Pestkranken von Einquartierungsabgaben zu verschonen. 1637 lebten in Haltern noch 71 Familien, laut Franz Luermann seien 41 völlig verarmt gewesen. 70 Häuser seien „unbewohnbar oder niedergerissen“ worden.

Auch in Sythen soll die Pest verbreitet gewesen sein

Das war wohl nicht das einzige Pest-Kapitel, das sich in Halterns Stadtgeschichte ereignete. Der Sythener Burkhard Lüning berichtet auf seiner Webseite ebenfalls vom Schwarzen Tod (http://www.karnickelhausen.de/die-pest.html). Danach kam dieser bereits 1349 nach Sythen, genauer gesagt zu der Siedlung im Bereich des heutigen Lehmbrakens.

Der kleine Ort habe zu dieser Zeit aus elf Häusern mit Stallungen für Tiere bestanden. Da der Hellweg ein wichtiger Handelsweg war, hätten in den Ställen häufig Reisende übernachtet. So war die Gefahr groß, dass die Pest ebenfalls Unterschlupf findet.

Im Seuchenhaus wurden die Halterner isoliert

Zwar wussten die Menschen damals noch nicht viel von den Übertragungswegen ansteckender Krankheiten, aber es gab auch in Haltern schon sehr früh sogenannte Siechenhäuser, in denen Kranke isoliert wurden. Eines davon stand in Sythen im heutigen Elterbreischlag. Das Haus im Seuchengarten wurde aber meistens in Zusammenhang mit Leprakranken erwähnt.

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