Perspektivwechsel - Warum eine preisgekrönte Illustratorin von Hamburg nach Haltern zog

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Vor etwa einem Jahr ist Illustratorin Katharina Potratz von Hamburg nach Haltern gezogen. Mit uns hat sie über ihre Arbeit vor Ort und über ganz besondere Auszeichnungen gesprochen.

Haltern

, 03.10.2019, 12:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Warum eröffnet eine junge Illustratorin, die in Hamburg aufgewachsen ist und dort auch studiert hat, ein Atelier am Disselhof in Haltern am See? Katharina Potratz, an die sich diese Frage richtet, schmunzelt und sagt: „Tatsächlich bin ich der Liebe wegen hier.“

Seit einem Jahr lebt und arbeitet sie in Haltern. Bei gutem Wetter pendelt sie mit dem Roller zwischen ihrem Wohnsitz in der Freiheit und ihrem Arbeitsplatz in der Halterner Stadtmitte. Ihr ist es wichtig, beide Bereiche zu trennen und bei Feierabend konsequent die Stifte aus der Hand zu legen.

Perspektivwechsel - Warum eine preisgekrönte Illustratorin von Hamburg nach Haltern zog

Auch ein Halterner Motiv hat Katharina Potratz schon gezeichnet. Es ist der Siebenteufelsturm. © Silvia Wiethoff

Ganz analog spielen diese als Arbeitsgerät in ihrem Alltag eine besondere Rolle. Mit ihnen fertigt sie ihre Zeichnungen an, die dann eventuell noch am Computer koloriert werden. „Das geht schneller“, erklärt die 30-Jährige. Wenn sie beispielsweise Aufträge für Werbeagenturen erfüllt, muss das Ergebnis meistens kurzfristig geliefert werden.

Der Film „Gravity“ von Katharina Potratz ist preisgekrönt

Zu den Kunden von Katharina Potratz gehören darüber hinaus Zeitschriften, Unternehmen und auch private Auftraggeber. So hat sie für eine Eisdiele und ein Café das Corporate Design (Erscheinungsbild) und für ein Paar die Hochzeitspapeterie (Einladungen, Platzkarten, etc.) entworfen. Gerade hat sie in einem Wolfsburger Krankenhaus den neuen Eingangsbereich der psychosomatischen Kinderstation gestaltet.

Besonders erfolgreich ist die Illustratorin mit ihrem Animationsfilm „Gravity“, der im Rahmen ihrer Masterarbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaft in Hamburg entstanden ist. Gemeinsam mit Julian Friedrich, der die Musik beisteuerte, erzählt sie die Fluchtgeschichte des Jungen Sergam.

„Auf seiner Flucht nach Deutschland durchlebt er verschiedene Situationen, welche von Verlust und Einsamkeit, Angst, Zuversicht und Hoffnung geprägt sind...“, informiert Katharina Potratz auf ihrer Homepage.

Auf mehr als 50 Festivals wurde Gravity gezeigt und bisher 21 Mal in den Kategorien „Best Animation“, „Best Short Film“, „Best Music“, „Best Music Video“ und „Humanitarian Award“ ausgezeichnet.

In Haltern genießt die gebüritge Hamburgerin die Ruhe

Der Film sei allerdings eher ein kreativer Abstecher gewesen, sagt Katharina Portratz rückblickend. Eineinhalb Jahre hat sie an dem Projekt gearbeitet. So viel Zeit kann sich die Illustratorin im hart umkämpften Wettbewerb nicht nehmen, um wirtschaftlich zu arbeiten.

In Hamburg hat sie sich zusammen mit vier ebenfalls kreativ tätigen Kollegen ein Atelier geteilt. Jetzt verbringt sie ihren Arbeitsalltag überwiegend allein in ihrem Studio. „Ich genieße die Ruhe und fühle mich wohl“, sagt sie lächelnd. Das bezieht sich nicht nur auf ihre Berufswelt in Haltern.

Das Leben in Haltern sei schon „ein Riesenkontrast“ zu dem im Schmelztiegel Hamburg, beschreibt die 30-Jährige. Es sei aber schön, dass die Nervosität der Großstadt wegfalle. Arbeiten könne sie dank der digitalen Vernetzung schließlich an jedem Ort der Welt.

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